Der erste Skalp für Custer

Geschichts-Lektionen aus dem Wilden Westen – über Buffalo Bill, den Rinderkrieg und Fort Phil Kearny

Juni 2011

Früher Schlachtfeld, heute Weideland am Fort Phil Kearny

Früher Schlachtfeld, heute Weideland am Fort Phil Kearny

Zum Abschied aus dem Yellowstone-Park bleibt das Bild von vielen Bisons, die sich in kleinen und großen Herden in der Landschaft verteilen und auch ganz nah als Fotomotiv an der Straße posieren. Die Büffel spielten im Leben von William Frederick Cody eine entscheidende Rolle. Sie gaben ihm den Spitznamen, der als Symbol für den amerikanischen Westen und bis zum Ende des 19. Jahrhunderts sogar als Symbol für Amerika alles überstrahlte - Buffalo Bill.

Das Symbol für Amerika: Buffalo Bill

Die kleine Westernstadt Stadt Cody - nur wenige Autostunden von den Büffelherden des Yellowstone entfernt - trägt seinen Geburtsnamen. Hier ist ein Museum mit riesigen Ausstellungsräumen in fünf Abteilungen aufgebaut, das Buffalo Bill Historical Center, das selbstbewusst auf einem Spruchband behauptet: „Wir sind der Westen“.

Der Trapper, Fallensteller und Pony-Express-Reiter Cody verdiente sich den Namen Buffalo Bill, als es ihm gelang, die Masse von Soldaten der Armee und von Eisenbahnarbeitern mit Bisonfleisch zu versorgen.

Der Bison wurde im 19. Jahrhundert fast ausgerottet

Der Bison wurde im 19. Jahrhundert fast ausgerottet

Buffalo Bill Museum in Cody

Buffalo Bill Museum in Cody in Wyoming

Romantische Bilder der besiegten Indianer im Museum

Romantische Bilder der besiegten Indianer im Museum

Sein Trick bestand darin, zuerst das Leittier der Herde zu finden und zu töten und dann nacheinander die Tiere der führungslosen Herde, die im Kreis liefen, einzeln abzuschießen. Im Jahr 1868 erhielt Buffalo Bill von der Kansas Pacific Railway monatlich die damals gewaltige Summe von 500 Dollar.

Plakat der Buffalo Bill Show

Ein bekannter Reim aus jener Zeit heroisierte ihn wie folgt:

Buffalo Bill, Buffalo Bill,

Never missed and never will;

Always aims and shoots to kill,

And the Company pays his buffalo bill.

Noch mehr Geld war dann als Jagdführer der reichen Prominenz aus dem eigenen Land und aus Europa zu verdienen, wie Prinz Albert von Monaco oder dem amerikanischen Zeitungsverleger James Gordon Bennett. Bei solchen Veranstaltungen wurden an einem Tag schon ein paar hundert Tiere abgeschossen. Während im Jahr 1850 die Bisonherden noch 30 Millionen Tiere umfassten, hatte sich bis 1882 die Zahl auf ein paar hundert reduziert – die Bisons standen kurz vor der Ausrottung.

Plakat der Buffalo Bill Show

Berühmtheit erlangte Buffalo Bill auch als Scout bei der Armee in den Kriegen gegen die Indianer. Als er nach der verheerenden Niederlage von General Custer in einem kleinen Scharmützel mit zurückweichenden Indianern einen Häuptling tötete und skalpierte, ist von ihm der Satz überliefert „Der erste Skalp für Custer“.

Entscheidend war für Buffalo Bill immer, dass er über seine Taten erzählen konnte. Er galt als der begnadetste Story Teller seiner Zeit, eine Art CNN, wobei er die ständigen Werbespots alle in eigener Sache aussendete. Schließlich stieg er unmittelbar in das Show-Business ein und gründete 1884 seine eigene Buffalo Bill Wild West Show mit großem Aufgebot an Menschen und Tieren, mit Tourneen durch die USA und Europa.

Seine Waffen sind ausgestellt, so ein Winchester-Modell 1873 Kaliber 44, mit dem er als Scharfschütze in seinen Shows aufgetreten ist und beispielsweise Glaskugeln zerschoss.

 

Im Museum ist auch etwas Mittelstands-Komfort zu sehen, vom guten Geschirr über den Plattenspieler bis zum Schaukelstuhl, der auf der Veranda seines Hauses stand. Buffalo Bill ist in Cody auf tausenden Quadratmetern ein Denkmal gesetzt - für einen amerikanischen Helden.

Plakat der Buffalo Bill Show

Plakat der Buffalo Bill Show

Prärie zwischen den Rocky Mountains und den Big Horn Mountains

Prärie zwischen den Rocky Mountains und den Big Horn Mountains

Altes Occidental-Hotel neu eröffnet

Das Occidental-Hotel in Buffalo hält, was es verspricht – es bringt seine Gäste zurück in die Vergangenheit des 19. Jahrhunderts. Das Hotel wurde 1880 eröffnet und ist vor einigen Jahren mit viel Sorgfalt und Liebe zum historischen Detail wieder eröffnet worden.

Das Occidental-Hotel in Buffalo

Das Occidental-Hotel in Buffalo

Der Gast fühlt sich schon in jene Pionierzeit des amerikanischen Westens zurückversetzt, wenn er die ersten Schritte in die Lobby setzt.

 

Möbel, Bilder und Tapete an der Wand, der Kamin, dicker Teppich und Bing Crosby singt knarrend „Pennies from Heaven“ aus einem antiken Radio. Die einzelnen Zimmer sind alle unterschiedlich möbliert und tragen solche Namen wie „Prairie-Cowboy“ oder „The General Sheridan“. Sind einige der Zimmer und Suiten nicht belegt, werden sie nur durch eine Stoff-Kordel abgesperrt und jeder Gast kann hineinschauen.

Hotel Lobby aus dem 19. Jahrhundert

Hotel Lobby aus dem 19. Jahrhundert

Hotelzimmer mit viel Liebe für historische Details

Hotelzimmer mit viel Liebe für historische Details

Am Eingang des Hotels wird originelle Werbung gemacht. Seit der Eröffnung im Jahr 1880 ist hier alles „wireless“ und daran habe sich bis heute nichts verändert, so im Fenster zu lesen. Immerhin sind im Zimmer Toilette und Waschbecken mit fließendem Wasser vorhanden, nur abgeteilt durch eine Holzwand mit Klapptür, die unten und oben viel Platz frei lässt.

 

Allerdings werden auch Zugeständnisse gemacht. In diesem Nostalgie Hotel hat sich ein kleiner Fernseher seinen Platz wieder erobert. Die Gästeliste des Hotels ist auch spannend und es haben sich einige bekannte Namen hier verewigt. Hier nächtigten Buffalo Bill, Präsident Roosevelt und – so wird besonders stolz verkündet – die berühmten Gangster Butch Cassidy und Sundance Kid. In der Hauptsaison liegen die Zimmerpreise zwischen 100 und 150 Dollar pro Übernachtung.

https://www.occidentalwyoming.com/

Virginia-Restaurant im Occidental-Hotel

Virginia-Restaurant im Occidental-Hotel
Flur zu den Zimmern im Occidental-Hotel

Flur zu den Zimmern im Occidental-Hotel

Der Rinderkrieg wurde um das Prärieland geführt

Der Rinderkrieg wurde um das Prärieland geführt

Krieg der Rinderbarone um Weideland

Wild war der Westen für die Siedler nicht allein durch den Kampf um Grund und Boden mit den ansässigen Ureinwohnern, den Indianern, sondern auch mit reichen Viehzüchtern. Das ist im Jim Gatchell Museum von Buffalo zu erfahren. Der Drogeriebesitzer Jim Gatchell hat hier über viele Jahre Gegenstände aus der Zeit des Cattle Wars (Rinderkrieg) zusammengetragen.

Im Jim Gatchell Museum in Buffalo

Im Jim Gatchell Museum in Buffalo

Er sprach auch die Lakota Sprache und errang schnell das Vertrauen sowohl der indianischen Urbevölkerung als auch der Siedler. Sowohl die Indianerstämme als auch die Bewohner spendeten Gewehre, Ausrüstungsgegenstände, Werkzeuge, Medizinbeutel, Bögen, Pfeile und Kleidung. Und so konnte schließlich im Jahr 1957 ein Museum eröffnet werden, das einen bemerkenswerten Einblick in die Geschichte des Johnson Countys gibt.  

Der Cattle War wurde in den Jahren 1890 bis 1892 von Großgrundbesitzern, den so genannten „Rinderbaronen“, gegen einzelne Farmer um Weideland und Macht geführt.

Auf dem Höhepunkt des heißen Krieges heuerten die reichen Tierzüchter, hinter ihnen standen auch Investoren aus Europa, dutzende Killer an, die sich Invasoren nannten. Das waren meist arbeitslose Cowboys, die für 5 Dollar am Tag (ihr durchschnittlicher Verdienst betrug 1,50 Dollar) in den Krieg zogen. Schon auf dem kleinen Platz vor dem Museum steht eine Skulptur von dem Farmer Nathan D. Champion, dem die Einwohner von Buffalo ein Denkmal gesetzt haben mit einer Inschrift voller Dankbarkeit. Nate Champion, er hat ausgehalten wie Steuermann John Maynard in Fontanes Ballade auf dem brennenden Schiff auf dem Eriesee, in der es heißt: er hat uns gerettet, er trägt die Kron’, er starb für uns, unsre Liebe sein Lohn. Nate Champion, der in einem Farmhaus vor der Stadt lebte, hat in einem Gefecht 50 Revolvermänner sieben Stunden aufgehalten. Als sie sein Haus anzündeten, starb er in ihrem Kugelhagel.

Die Einwohner von Buffalo wurden gewarnt, formierten sich und kesselten sogar die Killerkommandos ein. Nur der Einsatz der Armee rettete die Invasoren vor den aufgebrachten bewaffneten Farmern. Die Rinderbarone konnten zumindest verhindern, dass die Invasoren und ihre Hintermänner vor Gericht gestellt wurden, so heißt es abschließend im Museum. Die Farmer retteten ihre Existenz, aber die Macht der Rinderbarone blieb erhalten - nur ein Pyrrhussieg.

Im Museum von Buffalo findet der Besucher auch den sprichwörtlichen amerikanischen Humor. Bei der Beschreibung des berühmten Bozeman-Trails durch Indianergebiete des Westens wird aufgelistet, mit welchen Einschränkungen Farmer und Goldsucher auf diesem Weg zu kämpfen hatten: Es gab damals keine Elektrizität, weder Autos noch Eisenbahn, weder Eis noch Ice Cream und stattdessen die ständige Gefahr durch die Ortsansässigen. Doch die größte Belastung für das amerikanische Publikum wurde zum Schluss aufgeführt: Glauben sie es oder nicht – es gab kein Fast Food.

Museumsplakat zum berühmten Bozeman-Trail

Museumsplakat zum berühmten Bozeman-Trail

Prärie zwischen Rocky Mountains und Big Horn

Prärie zwischen Rocky Mountains und Big Horn

Die Big Horn Mountains sind noch von tiefem Schnee bedeckt

Die Big Horn Mountains sind noch von tiefem Schnee bedeckt

Die Schlachten am Fort Phil Kearny

Eine Autostunde von Buffalo entfernt, befindet sich, nahe dem Bozeman-Trail, der historische Platz, an dem einst das Fort Phil Kearny stand. Es wurde 1866 gebaut, benannt nach einem General der Südstaaten aus dem Bürgerkrieg. Das Fort sollte den Bozeman-Trail vor Indianern schützen und existierte nur drei Jahre. Die Grundmauern des Forts sind noch zu besichtigen und auf Informationstafeln stehen zwei historische Ereignisse im Vordergrund.

Das niedergebrannte Fort Phil Kearny ist heute Gedenkstätte

Das niedergebrannte Fort Phil Kearny ist heute Gedenkstätte

Im Jahr 1867 kämpften 32 Soldaten und Holzfäller in einer Wagenburg hinter großen Wagenkästen Deckung suchend gegen eine Überzahl von heranstürmenden Indianern. Dank moderner Gewehre wie dem Springfield Hinterlader, der keine Pause für das Nachladen beanspruchte, kamen fast alle Verteidiger der Wagenburg mit heiler Haut davon, allerdings wurden ihre Zelte und Ausrüstungen vernichtet. Eine Abteilung Soldaten mit einer Haubitze vom nahen Fort rettete sie endgültig.

Auf den umliegenden Hügeln hatten sich Indianerfamilien mit Frauen und Kindern als Zuschauer eingefunden. Sie warteten in dem Kampf auf die Zeitspanne des Nachladens der Gewehre, die dazu geführt hätte, dass die Wagenburg überrannt worden wäre. Aber sie warteten vergebens auf einen Sieg und sahen nur das Sterben der Krieger ihres Stammes.

Das Ergebnis der kleinen Schlacht wird von den Kriegsparteien – das ist nicht überraschend - unterschiedlich gesehen. Die amerikanische Armee proklamierte einen totalen Sieg mit völlig übertriebenen Zahlen. 

Anstelle bis zu 1000 toter Indianer korrigierten US-amerikanische Historiker später die Zahl auf maximal 60 getötete Indianer. Auch sahen sie den Sieg eher auf der Seite der Indianer unter Führung des Häuptlings Red Cloud, der durch die ständigen Angriffe den lokalen Krieg gewann. Er erzwang einen Vertrag und den Rückzug der Armee aus dem Fort, das die Indianer danach abbrannten. Auf einer Informations-Tafel ist zu lesen: „Der Krieg von Red Cloud war einer der wenigen Siege der amerikanischen Indianer gegen die West-Expansion der USA“:  Und man kann ergänzen:  Ebenfalls nur ein Pyrrhussieg.

Landschaft um Fort Kearny mit Figuren von Reitern und Soldaten

Landschaft um Fort Kearny mit Figuren von Reitern und Soldaten

Landschaft um Fort Kearny

Landschaft um Fort Kearny

Weideland am Fort Phil Kearny

Weideland am Fort Phil Kearny

Auch das zweite historische Ereignis, das über eine Soldatenabteilung von 80 Männern unter Führung des jungen ehrgeizigen Bürgerkriegsoffiziers Fetterman erzählt, wird in großem Stil gewürdigt. Obwohl vom Kommandanten des Fort Kearny eindrücklich gewarnt, überschreitet Fettermann festgelegte Grenzlinien bei der Verfolgung von Indianern. Seine Kavallerieabteilung mit 80 Soldaten wird in einen Hinterhalt gelockt und in 30 Minuten bis auf den letzten Mann niedergemacht. Viele Jahrzehnte galt Fetterman als unbestrittener Held, in der jüngeren Zeit sind von Historikern nachdenklichere Positionen zu lesen und auch dies: Die Indianer verteidigten damals ihr Land und ihre Kultur.

Keine unheimliche Begegnung mit dem Devils Tower

 

Weiter auf dem Weg in die Black Hills kommt man an einem weiteren Ort vorbei, der in der indianischen Mythologie eine große Rolle spielt, dem Devils Tower. Nach der Sage der Kiowa-Indianer wuchs der Felsen in die Höhe, um sieben Indianer-Mädchen vor einem wilden Bären zu retten, der dann versuchte, den Fels zu erklettern. Sie kletterten bis zu den Sternen, wo die sieben Mädchen als die Plejaden immer noch von dem Großen Bären verfolgt werden. Und auch die Lakota und Dakota-Indianer verehren den Felsen als den Ort, an dem ihnen die Heilige Pfeife übergeben wurde.

Dabei hat der Devils Tower einen sehr irdischen vulkanischen Ursprung. Die erstarrten deutlich sichtbaren Lavasäulen sollen die höchsten der Erde sein. Ende des 19. Jahrhunderts war sogar erwogen worden, den Devils Tower in einen Steinbruch umzuwandeln. Diesen Erwägungen setzte dann Theodore Roosevelt ein Ende, der den Devils Tower 1906 als erstes Nationales Monument ernannte und damit unter Schutz stellte.

 

Der Devils Tower spielte auch in Steven Spielbergs Science-Fiction-Film „Unheimliche Begegnung der dritten Art“ mit, als Platz der spektakulären Landung eines UFOs.

Devils Tower in der Sage der Kiowa-Indianer

Devils Tower in der Sage der Kiowa-Indianer

Präriehund-Stadt beim Devils Tower

Präriehund-Stadt beim Devils Tower

Devils Tower

Devils Tower