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  • Claudia Keusch

Eine Currywurst pro Monat


Deutschland macht Bangladesh den drittletzten Platz im Länder-Ranking für den Fleischkonsum streitig !






Gerade wird mal wieder eine neue Sau durchs Dorf und durch die Massenmedien getrieben. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung DGE will den Fleischkonsum der Deutschen reduzieren, und zwar drastisch, auf gerade einmal zehn Gramm pro Tag. Weniger als eine Scheibe Wurst am Tag, ein Steak im Monat. Die Bild-Zeitung berichtete zuerst und nahm Bezug auf ein ihr vorliegendes internes Dokument zu einer neuen „Lebensmittel-Strategie“ (1). Dieser Vorschlag soll noch in diesem Jahr in die neue Ernährungsstrategie von Landwirtschaftsminister Cem Özdemir einfließen. Noch ist das ein internes Papier und noch findet man auf der Website der DGE die folgende Empfehlung für eine ausgewogene Ernährung: „Nutzen Sie die Lebensmittelvielfalt und essen Sie abwechslungsreich. Kein Lebensmittel allein enthält alle Nährstoffe. Je abwechslungsreicher Sie essen, desto geringer ist das Risiko einer einseitigen Ernährung.“ Und weiter: „Um die ausreichende Versorgung mit Nährstoffen zu erleichtern, ist es sinnvoll, die pflanzlichen Lebensmittel durch tierische Lebensmittel wie Milch, Milchprodukte, Fisch, Fleisch und Eier zu ergänzen.“ Das leuchtet ein, das ist wissenschaftliche belegt und mit diesen Regeln kann sich die große Mehrheit der Bevölkerung identifizieren. Fleisch gehört zu einer ausgewogenen Ernährung; die DGE empfiehlt - noch - 300 bis 600 Gramm pro Woche (2).

Womit wird diese drastische Reduzierung der empfohlenen Fleischmenge und übrigens auch eine deutliche Reduzierung der Menge der Milchprodukte begründet? In den Medien heißt es, die DGE führe gesundheitliche und nachhaltige Gründe an und – natürlich das Totschlagargument „das sei wissenschaftlicher Fakt“! Eine pflanzenbezogene Ernährungsweise sei die wichtigste Stellschraube im Bereich Ernährung, um die „nationalen und internationalen Klima-, Biodiversitäts- und Nachhaltigkeitsziele zu erreichen“. Aha. Wir retten mal wieder die Welt und das Klima, indem wir kein Fleisch und deutlich weniger Milchprodukte essen.

Also sehen wir uns doch mal etwas näher an, was die Wissenschaft wirklich dazu sagt. Und da man den deutschen ideologiebesoffenen Medien ohnehin nicht mehr trauen kann, schauen wir uns gleich im englischsprachigen Raum um.

Im April dieses Jahres publizierte die Food and Agriculture Organisation der UNO (FAO) einen Report, basierend auf Daten und Evidenz von mehr als 500 wissenschaftlichen Beiträgen und 250 Grundsatzpapieren, in der sie unmissverständlich konstatiert. „Fleisch, Eier und Milch sind wichtige Quellen für dringend benötigte Nährstoffe, die aus pflanzlichen Lebensmitteln nicht ohne weiteres gewonnen werden können“ (3). Zur gleichen Zeit veröffentlichten 38 namhafte Autoren in der National Library of Medicine Beiträge, in denen sie die gesellschaftliche Bedeutung der Nutztierhaltung diskutieren, unter dem Titel „Die gesellschaftliche Rolle von Fleisch - was die Wissenschaft sagt“ (4). Sie beleuchten dabei alle Aspekte der Produktion und des Konsums von Fleisch, gesellschaftliche, gesundheitliche, ökologische, sie setzen sich mit den Herausforderungen und Alternativen auseinander und wagen einen Ausblick, wie sich die Viehzucht in Zukunft ändern muss.



Gesellschaftliche Aspekte

Der Mensch hat sich in seiner Entstehungsgeschichte als ausdauernder und häufiger Fleischesser entwickelt, Fleisch ist also mit der menschlichen Anatomie und dem Stoffwechsel vereinbar.

Die Viehzucht spielt eine bedeutende Rolle für den Lebensunterhalt im ländlichen Raum und für die Wirtschaft insbesondere in den Entwicklungsländern. Sie sorgt für Einkommen und Beschäftigung für die Erzeuger und alle anderen, die in der mitunter komplexen Wertschöpfungskette arbeiten. Vieh ist manchmal der einzige Besitz und eine der wichtigen Nahrungsquellen für Milliarden von Haushalten.

Die pflanzliche Produktion liefert nicht nur essbare Nahrungsmittel, sondern auch große Mengen an ungenießbarer Biomasse. Die Tierhaltung ist die beste Möglichkeit, die in dieser Biomasse enthaltenen Nährstoffe wieder in den natürlichen Kreislauf zurückzuführen.


Biomassen Flow

Bio-Protein-Flow

Dazu ein paar Zahlen: Die knapp 8 Milliarden Menschen der Erde konsumierten im Jahr 2020 5,3 Milliarden Tonnen Lebensmittel, davon 4,2 Mrd Tonnen pflanzliche Kost und 1,1 Mrd Tonnen Lebensmittel tierischen Ursprungs, das sind 21%. Um 4,2 Mrd Tonnen essbare pflanzliche Lebensmittel zu erhalten, mussten allerdings 19 Mrd Tonnen Pflanzen geerntet werden, das heißt 14,8 Mrd Tonnen waren für den Menschen nicht genießbare Beiprodukte. Von diesen wurden 5,9 Mrd Tonnen an Vieh verfüttert, der Rest war Abfall oder wurde zu Bio-Treibstoff weiterverarbeitet (5).

Berücksichtigt man jetzt noch, dass mit der gesellschaftlich gewünschten Reduzierung von Dünge- und Schädlingsbekämpfungsmitteln und dem Übergang zu einer nachhaltigeren Landwirtschaft auch die Hektarerträge sinken werden, dann müssen bei weiterem ungebremstem Wachstum der Menschheit zwangsläufig die Ackerbauflächen bedeutend erweitert werden. Eine Studie aus dem Jahr 2006 ermittelte einen zusätzlichen Flächenbedarf zwischen 65% und 200% ! (6) Laut offizieller Zahlen der FAO werden rund 38% der globalen Landfläche landwirtschaftlich genutzt, (7), 31% ist von Wäldern bewachsen und das restliche Drittel ist bebaut oder unfruchtbares Land. Ergo: Man müsste die Wälder dieser Erde abholzen um die Menschheit künftig fleischlos und ökologisch nachhaltig ernähren zu können.

Jedem halbwegs gebildeten Menschen leuchtet angesichts dieser entlarvenden Zahlen ein, dass die von militanten Veganern und Tierschützern geforderte Abschaffung der Fleischproduktion nicht nur kontraproduktiv ist, sie ist schlichtweg undurchführbar. Und angesichts der immer noch geschätzten 3 Milliarden Menschen, die an Unterernährung leiden, ist diese Forderung auch inhuman. Die vom Menschen betriebene Viehwirtschaft ist NICHT Teil des Problems der weltweiten Ernährungssicherheit, sondern sie muss Teil der Lösung sein.



Gesundheitliche Aspekte

Gesundheitsprobleme sind nachgewiesen sowohl beim Verzehr von zu viel rotem Fleisch und zu viel gesättigten Fetten als auch bei einseitiger vegetarischer und erst recht veganer Ernährung. Das eine geht einher mit einem erhöhten Risiko von Herzerkrankungen, Schlaganfällen oder Darmkrebs; eine Meta-Studie zeigte im Jahr 2021, dass bei Genuss von rotem und verarbeitetem Fleisch ein um ca. 20% erhöhtes Darmkrebs-Risiko besteht (8). Helles Fleisch, also Geflügelfleisch, steht nicht in der Diskussion, Krebs zu begünstigen.

Vegetarische und erst recht vegane Ernährung hat demgegenüber die Risiken einer Mangelernährung, insbesondere was die Zufuhr an Eiweiß, Vitamin A, Vitamin B1, Vitamin B12, Eisen, Zink und Omega-3-Fettsäuren betrifft. Das kann zu Krankheiten wie Anämie, neurologischen Störungen oder Depressionen führen. Viele Veganer sind sich dessen bewusst und daher beste Kunden der Pharmaindustrie, da sie Vitamin-Supplemente, Jod, Eisen und Calcium zusätzlich einnehmen. Studien zeigen, dass trotzdem zwischen 12 und 79 Prozent der weiblichen Vegetarier ihren Eisenbedarf nicht decken. Bis zu 30% von ihnen leiden an Anämie mit den Symptomen ständiger Müdigkeit und Konzentrationsschwäche (9). Weltweit wird geschätzt, dass mehr als 50% der Kinder im Vorschulalter und rund zwei Drittel der Frauen im gebärfähigen Alter unter dem Mangel an Eisen, Vitamin A oder Zink leiden (10).



Ökologische Aspekte

Sehr häufig wird in der Diskussion das Argument ins Feld geführt, dass die Produktion von tierischen Lebensmitteln mit einer höheren Emission von Treibhausgasen verbunden ist als die von pflanzlichen Lebensmitteln. Eine im Jahr 2014 durchgeführte Studie in Großbritannien schätzte die durchschnittliche Kohlendioxid Emission der Probanden anhand einer 2000 kcal-Diät und ermittelte, dass die ernährungsbedingten Emissionen der Fleischesser etwa doppelt so hoch waren als die von Veganern (11).

Andererseits hat eine Studie aus England und Wales im Jahr 2019 auch gezeigt, dass beim Einsatz rein ökologischer Methoden in der Landwirtschaft die gesamte Lebensmittelproduktion um 40 % zurückgeht. Die Studie kommt zu dem Schluss, dass der ökologische Landbau – obwohl von Grünen-Politikern so hoch propagiert – zu einem Bumerang wird und letztlich schlecht für das Klima ist. Die direkten Treibhausgasemissionen können bei ökologischem Anbau zwar um 20 % gesenkt werden, allerdings muss dann der Bedarf durch Importe aus anderen Ländern gedeckt werden. Und dafür müssen dort neue landwirtschaftliche Flächen geschaffen werden und es kommen energieintensive Transporte hinzu, mit dem Resultat, dass die Nettoemissionen im ökologischen Landbau 1,7-mal höher sein können als in der konventionellen Landwirtschaft (12). Die westliche Welt optimiert ihre Ökobilanz auf Kosten der Dritten Welt!

In Sri Lanka hat bekanntlich das Experiment der Einführung eines ökologischen Landbaus in nur zwei Jahren zu einer der schwersten Wirtschaftskrisen und zu den schlimmsten sozialen Unruhen geführt. Die Reisproduktion reduzierte sich innerhalb eines Jahres um 30% und Sri Lanka musste erstmals seit Dekaden Lebensmittel importieren. Die Krise weitete sich zum Staatsbankrott aus, es fehlt heute an allem, Nahrung, Medikamenten, Benzin.



Die Transformation des Ernährungssystems

Eigentlich müsste man angesichts der wissenschaftlichen Faktenlage und dieses so offensichtlichen Irrsinns die Forderung der DGE als Aprilscherz abtun. Aber so einfach ist es nicht. Dieser eingetragene Verein, der nach eigenem Bekunden für „wissenschaftlich fundierte Aussagen, die neutral, unabhängig und transparent erarbeitet werden“ steht, wird zu drei Vierteln aus Bundes- und Landesmitteln finanziert. Er erarbeitet Leitlinien für die Ernährung, legt Qualitätsstandards fest, erstellt Studien und gibt Zertifikate heraus. Man muss kein Prophet sein, um den nächsten Schritt vorauszusagen: Durch angeblich unabhängige Beiräte wird ein Gutachten erstellt werden, das eine verpflichtende Umsetzung der neuen sogenannten Qualitätsstandards der DGE fordert. Das wurde übrigens schon einem im Jahr 2020 versucht, als eine vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft beauftragte Studie das bemerkenswerte Fazit zog „Eine umfassende Transformation des Ernährungssystems ist sinnvoll, sie ist möglich und sie sollte umgehend begonnen werden.“ (13) Damals war die Zeit wohl noch nicht reif für die große Transformation, jetzt wird ein neuer Anlauf genommen.

Um Gesundheit geht es schon lange nicht mehr, und um Wissenschaft auch nicht. Es gibt kein Land der Welt, das auch nur im Ansatz solche extremen Vorschläge in seinen Richtlinien verankert hat, wie es jetzt in Deutschland angedacht wird. Wissenschaftliche Erkenntnisse werden ignoriert und durch Propaganda ersetzt, und die Wissenschaftler selbst, die mit ihrer Anstellung, Aufträgen, Drittmitteln direkt oder indirekt am Tropf Grüner Ideologen hängen, werden korrumpiert. Vielleicht sollten sich die Beschäftigten im DGE noch mal auf die Schulbank setzen, die Empfehlungen der FAO und die zugrundeliegenden Daten ganz genau studieren und bei der Gelegenheit auch gleich noch einmal das Leitbild ihres eigenen Arbeitgebers rekapitulieren.



Zurück zu der 10 Gramm-Fleischempfehlung für Deutschland. Im vergangenen Jahr lag laut Statistischem Bundesamt der durchschnittliche Fleischkonsum pro Kopf und Jahr bei 52 Kilogramm (14). Das ist ein knappes Kilo pro Woche, liegt damit also über dem heute von der DGE empfohlenen Wert von 300 bis 600 Gramm. Der Fleischkonsum geht in Deutschland seit Jahren kontinuierlich zurück, weltweit ist demgegenüber aber der umgekehrte Trend zu verzeichnen. An der Spitze der Fleischkonsum-Liste stehen mit Hongkong, den USA und Australien Länder mit einem Jahres-pro-Kopf-Verbrauch von mehr als 100 Kilo. Am Ende der Liste finden wir Burundi mit 2,36 Kilo, die Demokratische Republik Kongo mit 2,75 Kilo und Bangladesh mit 4,24 Kilo (15).

Mit der angedachten Empfehlung von 10 Gramm pro Tag, also 3,65 Kilo im Jahr, reihen wir uns dann noch hinter Bangladesh ein ! Glückwunsch zum drittletzten Platz. Hauptsache wir haben was für unsere CO2-Bilanz getan. Dass dafür weltweit noch mehr pflanzliche Biomasse vernichtet statt verwertet wird und weitere Wälder für die benötigten Ackerflächen gerodet werden, lassen unsere Klima-Apologeten vornehm unter den Tisch fallen.

Wie sagte schon der geniale Peter Scholl-Latour: Wer halb Kalkutta aufnimmt, hilft nicht etwa Kalkutta sondern wird selbst zu Kalkutta ! In Abwandlung dessen: Wer nur 10 Gramm Fleisch pro Tag isst, hilft nicht etwa den Armen in Bangladesh, er wird selbst zu Bangladesh.




Quellen:

(6) Williams/ Audsley / Sandars: Determining the Environmental Burdens and Resource Use in the Production of Agricultural and Horticultural Commodities

 

Die Dubliner Erklärung


Die Autoren der Studie „Die gesellschaftliche Rolle von Fleisch - was die Wissenschaft sagt“ initiierten im April dieses Jahres die „Dubliner Erklärung“ https://www.dublin-declaration.org/de/. Sie nimmt Bezug auf das Internationale Gipfeltreffen über die gesellschaftliche Rolle von Fleisch, das am 19. und 20. Oktober 2022 in Dublin auf Einladung der Irischen Behörde für Landwirtschaft und Lebensmittelentwicklung stattfand.

In ihr heißt es: „Die Nutztierhaltung muss auf der Grundlage höchster wissenschaftlicher Standards weiterentwickelt werden. Sie ist für die Gesellschaft zu kostbar, um Opfer von Vereinfachung, Reduktion oder Fanatismus zu werden. Nutztiere müssen in der Gesellschaft integriert sein und breite Zustimmung finden. Dazu werden Wissenschaftler aufgefordert, verlässliche Nachweise für ihre Ernährungs- und Gesundheitsvorteile, ökologische Nachhaltigkeit, soziokulturelle und wirtschaftliche Werte sowie Lösungen für die vielen erforderlichen Verbesserungen zu liefern. Diese Erklärung soll den vielen Wissenschaftlern weltweit eine Stimme geben, die in den verschiedenen Disziplinen fleißig, ehrlich und erfolgreich forschen, um zu einem ausgewogenen Blick auf die Zukunft der Nutztierhaltung zu gelangen.“

Mehr als 1000 namhafte Wissenschaftler haben diese Erklärung bisher unterzeichnet.




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