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Ehrung für einen genialen Baumeister

Ronald Keusch
vor 1 Tag
6 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 2 Stunden

CTOUR-Medientreff zur Vorbereitung des Schinkel-Jubiläums in Neuruppin



Denkmal Karl Friedrich Schinkel von Max Wiese auf dem Schinkelplatz in Neuruppin

Denkmal Karl Friedrich Schinkel von Max Wiese auf dem Schinkelplatz in Neuruppin

Die Vorbereitung auf das große Jubiläums-Jahr von Karl Friedrich Schinkel im Jahr 2031 nimmt Fahrt auf. Seine Geburtsstadt Neuruppin will schon im Vorfeld die Aufmerksamkeit auf die große Persönlichkeit des Architekten, Stadtplaners, Denkmalpflegers und bildenden Künstlers in Preußen lenken. Der offizielle Startschuss wurde in Neuruppin am 13. März dieses Jahres zum 245. Geburtstag von Schinkel mit der Verleihung des Schinkelpreises gegeben. Am 12. Oktober hat der Amtsleiter für Kultur und Tourismus der Fontanestadt Neuruppin Mario Zetzsche gemeinsam mit den Reisejournalisten von CTOUR einen Informationstag organisiert.

 

Neuruppiner Museum im Noeldechenhaus

Neuruppiner Museum im Noeldechenhaus, einem der prächtigsten klassizistischen Bürgerhäuser der Stadt

Neue Website Schinkel250

Die erste Station ist das Museum der Stadt Neuruppin, wo Museumsleiterin Maja Peers und Amtsleiter Zetzsche die Journalisten begrüßen. Das Museum bewahrt eine der ältesten Sammlungen im Land Brandenburg auf und präsentiert eine Dauerausstellung über den Sohn der Stadt Schinkel.

Amtsleiter Mario Zetzsche und Museumsleiterin Maja Peers vor der Schinkel-Büste

Amtsleiter Mario Zetzsche und Museumsleiterin Maja Peers vor der Schinkel-Büste

Amtsleiter Zetzsche betonte, wie wichtig es ist, schon frühzeitig über das Schinkel-Jubiläum zu informieren und Kontakte zu den großen Institutionen in Berlin und in Potsdam aufzubauen. Die guten Erfahrungen mit der langfristigen Vorbereitung des Fontane-Jubiläums 2019, die sich sogar auf zehn Jahre beliefen, sprechen für sich. Helfen wird dabei die in diesem Jahr eröffnete Website https://www.schinkel250.de/, auch für viele Anregungen, Ideen und finanzielle Unterstützer gedacht. Nur ein kurzer Blick darauf zeigt, dass es da noch vieles zu tun gibt.

 

Neuruppin als Kulturstadt darstellen

Gleichzeitig wird die Stadt Neuruppin im Jahr 2031 ein Doppeljubiläum begehen: Vor 775 Jahren wurde Neuruppin das Stadtrecht verliehen. Beide Jubiläen können, so Amtsleiter Zetzsche, miteinander verbunden und koordiniert werden. Es soll ein denkwürdiges Jahr werden, in dem Neuruppin sich als Kulturstadt präsentiert unter anderem mit den überragenden Persönlichkeiten Fontane und Schinkel.

Auch die Bushaltestellen wurden umbenannt

Auch die Bushaltestellen wurden umbenannt

Ein erster unübersehbarer Schritt auf dem Weg zum Schinkel-Jubiläum zeigt der Beschluss der Stadtverordneten: Der frühere Kirchplatz in Neuruppin, auf dem das Schinkeldenkmal von dem Künstler Max Wiese steht, wurde in Schinkelplatz umbenannt. Und die Adresse der Kulturkirche lautet nun: Am Schinkelplatz 1.


Museum mit langer Tradition

Der Ort für den Informationstag zu Schinkel konnte nicht besser gewählt werden. Denn das Neuruppiner Museum ist per se ein Einstieg in Geschichte und Traditionen der Stadt. „Das Museum geht zurück auf eine Sammlung, die vor 200 Jahren der Landrat von Zieten, Sohn des legendären Husarengenerals, dank seiner Reisen und Kontakte in der Region zusammengetragen hat“, so berichtet Museumsleiterin Maja Peers. Diese Sammlung ging zunächst an die Stadt, wurde vom Gymnasium betreut und hier 1865 erstmalig museal aufbereitet und ausgestellt. Nach einigen Umzügen erhielt das Museum dann 1954 seinen heutigen Standort im Noeldechen-Haus, einem der prächtigsten klassizistischen Bürgerhäuser der Stadt. Im Jahr 2015 wurde es komplett saniert und durch einen Anbau mehr Platz geschaffen.

 

Schinkels Arbeiten in Europa weit verbreitet

In dem Raum der Schinkel-Dauerausstellung und im gesamten Museum warten interessante Exponate und Informationen auf die Besucher. Dazu zählt eine Datenbank, auf der ablesbar ist, wo Schinkel als Baumeister und Architekt überall gewirkt hat. Er hat nicht nur seine Spuren im Brandenburgischen oder in Berlin hinterlassen, unter anderem mit seinen klassizistischen Meisterwerken wie dem Alten Museum, der Neue Wache oder dem Schauspielhaus am Gendarmenmarkt. Seine Arbeiten sind überall in Mitteleuropa zu finden, vom heutigen Belgien bis weit nach Osten in die Gebiete des früheren Ostpreußens und heutigem Polen. Die Spannbreite seiner Arbeiten wie auch die Reichweite sind außergewöhnlich. So war Schinkel auch als Maler, Zeichner, Bühnenbildner und - heute würde man sagen - Designer sehr produktiv. Ein kleines Schmuckstück ist eine frühe Zeichnung des jungen Schinkel, der Entwurf eines Mausoleums, aus dem Jahr 1799, die aus dem Besitz von Theodor Fontane stammt.


Frühe Zeichnung von Schinkel – Entwurf eines Mausoleums Interaktive Karte mit den Bauwerken Schinkels


Neuruppin größte Baustelle Preußens

Spannend wird auch der Werdegang des jungen Schinkel zum hochanerkannten Baumeister nachgezeichnet. Museumsleiterin Maja Peers: „Schinkel erlebte als Kind nicht nur hautnah die Brandkatastrophe im Jahr 1787, sondern auch den Wiederaufbau der Stadt mit den quadratischen Straßenanordnungen und weiten Plätzen.“ Und er lebte dann über Jahre auf einer der größten Baustellen Preußens und besuchte das neu errichtete Gymnasium der Stadt. Später in Berlin lernte er den jungen Architekten Friedrich Gilly kennen, einer seiner frühen Lehrmeister, ehe er ab 1815 im staatlichen Bauwesen Karriere machte und für mehrere Jahrzehnte die Architektur in Preußen prägte.


Links: Motto der Sonderausstellung zur Kunstsammlung der Familie von Quast

Rechts: „Maria mit Jesuskind und Engeln“, Werk aus dem 15. Jahrhundert nach Antonio Rosselino aus der Kunstsammlung von Quast


Die Kunstsammlung der Familie von Quast

Im Neuruppiner Museum wurde am 11. Oktober dieses Jahres eine neue Ausstellung zur Kunstsammlung der Familie von Quast auf Radensleben eröffnet. Auch hier begegnet der Besucher den berühmten Söhnen Neuruppins, Theodor Fontane und Karl Friedrich Schinkel. Fontane beschreibt in seinen Wanderungen durch die Mark die faszinierende Kunstsammlung auf dem Gut der Familie von Quast in Radensleben bei Neuruppin, darunter italienische Gemälde, Skulpturen und Möbel des Spätmittelalters und der Renaissance. Die Sammlung enthält auch einen großen Bestand an originalen Zeichnungen von Schinkel.

Ferdinand von Quast wurde nach seinem Besuch der Berliner Bauakademie als Schüler von Schinkel zum ersten „Konservator der Denkmäler in Preußen“ ernannt und ist Begründer der modernen Denkmalpflege. Das Museum von Neuruppin widmet sich mit der Ausstellung erstmal der Rekonstruktion dieser einst berühmten Kunstsammlung und ihrer wechselvollen Geschichte. Über 100 Exponate konnten zusammengetragen werden, viele davon sind aus Privatbesitz und werden erstmals öffentlich gezeigt. Die Ausstellung zur Kunstsammlung der Familie von Quast sind noch bis zum 5. April 2027 im Neuruppiner Museum zu sehen. 

 

Denkmal Friedrich Wilhelm II

Denkmal Friedrich Wilhelm II

Preußenkönig Wilhelm II aus Bronze

Auf dem Informationstag stand als nächstes ein Stadtrundgang auf Schinkels Spuren auf dem Programm. Der Weg führte über den Schulplatz. Hier steht ein Denkmal, das die Bürger Ruppins als Dank für König Friedrich Wilhelm II stifteten. „Die Bürger Neuruppins waren besonders dankbar, weil der König 300.000 Taler aus der Staatskasse zur Verfügung stellte, um die Stadt wieder aufzubauen“, erklärt Amtsleiter Zetzsche und stellt den Bezug zur Person von Schinkel her. „Schinkel wurde beauftragt, einen Entwurf vorzulegen, verbunden mit der Kostenfrage: Soll es die preiswerte Variante aus Bronze oder die teurere Variante aus Marmor sein. Die Entscheidung fiel für Bronze.“ Die Statue des Königs wurde von dem berühmten Bildhauer Christian Friedrich Tieck modelliert.

Der bronzene Wilhelm musste dann im Wechsel von Regierungen auch seinen Standort wechseln und wurde schließlich 1947 in aller Stille entfernt. 1992 begann eine mehrjährige ergebnislose Suche nach der Statue. Im Fontane-Jahr 1998 wurde die Plastik dann rekonstruiert und neu gegossen und nahm hier wieder ihren Platz gegenüber vom Alten Gymnasium ein.

Das Alte Gymnasium in Neuruppin

Das Alte Gymnasium in Neuruppin

Schinkel gilt heute als Kreativwirtschaftler

Weiter geht der Rundgang zum neu benannten Schinkelplatz. Hier stand das Pfarrhaus, in dem Schinkel geboren und das beim Großbrand Neuruppins völlig zerstört wurde. Es gibt Überlegungen, auf diesen Standort aufmerksam zu machen. Auf dem Platz erhebt sich das Denkmal von Karl Friedrich Schinkel, gestaltet von dem Künstler Max Wiese, der auch das bekannte Fontane-Denkmal in Neuruppin geschaffen hat. Übrigens stehen vor dem Schinkel-Denkmal vier Eisenkunstguss-Bänke, die Schinkel kreiert hat. Amtsleiter Zetzsche: „Mit seinem facettenreichen Gesamtwerk würde der oberste preußische Baubeamte heute als ein Kreativwirtschaftler bezeichnet werden.“

Schinkelbank am Schinkeldenkmal Das Schinkeldenkmal von Max Wiese


Friedrich-Schinkel-Gesellschaft am historischen Ort

Den Abschluss des Schinkel- Informationstages bildet der Besuch im Predigerwitwenhaus in der Fischbänken-Straße, nicht weit vom Schinkelplatz. Hier lebte der junge Karl Friedrich Schinkel mit seiner Familie, bevor er nach Berlin ging. Heute hat im Gebäude die einzige in ganz Deutschland bestehende Karl-Friedrich-Schinkel-Gesellschaft ihren Sitz, die 1992 gegründet wurde.

Otto Wynen und Matthias Frinken vom Vorstand der Gesellschaft begrüßten die Gruppe der Reisejournalisten. Ein Schwerpunkt ihrer Arbeit liegt auf der Nachwuchsarbeit, zum Beispiel durch interaktive Workshops Kinder und Jugendliche für das Thema Schinkel zu interessieren und auch Kontakte zu Hochschulen und Universitäten aufzunehmen. Ihr Ziel ist es, das Erbe von Schinkel jungen Leuten näherzubringen. Zugleich will die Gesellschaft die wissenschaftliche Beschäftigung mit den Schinkel-Arbeiten und eine kunstwissenschaftliche Auseinandersetzung fördern, beispielsweise mit Vertretern der TU Berlin, denn: Das Gesamt-Werk von Schinkel ist längst nicht „ausgeforscht“. Geplant ist ein Symposium zur Baugeschichte.

Die Vorstände der Schinkel-Gesellschaft Otto Wynen (li.) und Matthias Frinken vor dem Predigerwitwenhaus

Die Vorstände der Schinkel-Gesellschaft Otto Wynen (li.) und Matthias Frinken vor dem Predigerwitwenhaus

Stolperfalle Predigerwitwenhaus

Das Predigerwitwenhaus, das vom Großbrand 1787 in Neuruppin verschont blieb und in dem sowohl Schinkel als auch Fontane zeitweilig wohnten, wurde von der Stadt in den 90er Jahren saniert. Mit Blick auf das Schinkel-Jubiläum will sich die Schinkel-Gesellschaft von hier kulturell mehr für die Neuruppiner und die Touristen öffnen – mit viel ehrenamtlichem Engagement. Ausstellungen, Lesungen und Kulturstammtische sind in der Planung, auch soll ein Platz für Begegnungen und Kommunikation mit einer kleinen Bibliothek geschaffen werden. Es würden sich auch Kooperationen mit dem Weinhaus von Gegenüber und dem kulturell interessierten Klosterhof ganz in der Nähe anbieten. Vorstandsmitglied Otto Wynen möchte in der Fischbänken-Straße eine Art Stolperfalle einrichten, um die Aufmerksamkeit der Neuruppin-Besucher für Schinkel zu wecken und sie ins Predigerwitwenhaus zu führen. Die Touristen und Neuruppiner sollten die Schinkel-Gesellschaft beim Wort nehmen. Amtsleiter für Kultur und Tourismus Mario Zetzsche – übernehmen Sie diese nächsten Vorbereitungen zum Schinkel-Jubiläum.

 

 

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