• Elke Petra Thonke

Kunst und gute Laune in Lausanne

Impressionisten, Eisenbahnen und Autodidakten unter einem Hut





Über den Dächern von Lausanne
Über den Dächern von Lausanne


Abgesehen von beeindruckenden Sehenswürdigkeiten sowie den Wanderparadiesen des Kanton Waadt im Gebiet des Genfer Sees und abgesehen von der Umgebung, des von der UNESCO zum Welterbe gekürten Weinanbaugebietes Lavaux, von wo aus jährlich etwa 40 Millionen Flaschen edler Tropfen ihre Kellerei verlassen, möchte man auch gern eine ganze Weile in Lausanne verweilen, in dieser viertgrößten Stadt der Schweiz.


Der Kunstgenuss in dieser Stadt ist fast unerschöpflich. Direkt am Hauptbahnhof, auf dem großen Areal ehemaliger Lokomotiven-Hallen, ist mit „Plateforme 10“ ein lebendiges Kunstquartier mit vielseitigem Kulturangebot, Restaurants und Buchläden entstanden.


Im Musée de l’Elysée: Evert Jan Boks - Unterwegs in die Welt
Im Musée de l’Elysée:  Evert Jan Boks - Unterwegs in die Welt

Ein gewaltiges Bauwerk beherbergt das kantonale Kunstmuseum „MCBA“, eines der ältesten des Landes. Erst kürzlich wurden auf dem Gelände in zwei hochmodernen, lichtdurchfluteten Bauten, das Museum für Design und angewandte Gegenwartskunst „mudac“ sowie das kantonale Museum für Fotografie „Photo Elysée“ eröffnet.


Neben den Dauerausstellungen der drei Museen, dreht sich zurzeit in den drei Häusern fast alles um Eisenbahnen, Strecken und Stationen unter dem Titel: TRAIN ZUG TRENO TREN.


Das MCBA Museum zeigt „Voyages Imaginaires“ - Imaginäre Reisen. Der Zug als Aushängeschild der modernen Welt, in all seinen Facetten. Zur Schau gehören 60 Meisterwerke, unter anderem Bilder von Chirico, Hopper, Delvaux und Fini.


Im Musée de l’Elysée: Nan Goldin - Selbstporträt
Im Musée de l’Elysée:  Nan Goldin - Selbstporträt

„Freie Bahn“ heißt es im Photo Elysée. Anderthalb Jahrhunderte Eisenbahngeschichte, dokumentiert von bedeutenden Fotografen, mit vielen Aufnahmen, die die Phantasie beflügeln: Menschenleere Bahnhöfe, Züge anderer Länder, Geselligkeit genauso wie Einsamkeit und Tränen.




Das Museum mudac widmet sich den „Begegnungen im Bahnhof“ und fasziniert durch eine moderne Ausstellungsweise, die zeitgenössische Kunst, bewegte Bilder und Musikclips vereint. Auch Technikfreaks werden daran ihre Freude haben. In der Welt der Begegnungen sind die bildhaft dargestellten Ereignisse bemerkenswert: Abschied und Wiedersehen, Zufallsbegegnungen, Erotik und Poesie, auf Schritt und Tritt.

Die drei Sonderausstellungen sind noch bis zum 25. September 2022 geöffnet.



Im Museum mudac: Plakat der Schweizerischen Bundesbahnen und Exponat "Signale"

Am Sitz des Internationalen Olympischen Komitees, direkt am Genfer See, glänzt natürlich das Olympische Museum - ein Selbstläufer. Auf drei Etagen kann sich der Besucher mittels modernster Computertechnik und audiovisuellen Medien über die Geschichte der Olympischen Spiele informieren.


Museum Fondation de l´Hermitage
Museum Fondation de l´Hermitage

Doch sollten zwei weitere Museen mit ihrer Besonderheit nicht unerwähnt bleiben. Zum einen: Die Fondation de l´Hermitage: In der schönen alten Villa aus dem 19. Jahrhundert, eingebettet in einen romantischen Park mit Gartenlokal, finden neben einem festen Bestand an Gemälden und Skulpturen begleitende Wechselausstellungen statt. Momentan sind es die Werke des sensiblen, französischen Impressionisten Achille Laugé (1861-1944). In seinen Landschaften und Stillleben spielt das Licht eine außerordentliche Rolle. Die Ausstellung ist noch bis zum 30. Oktober 2022 zu sehen.


Im Museum Fondation de l´Hermitage: Stillleben von Achille Laugé / Portraits von Julien Renevier und Gustave Caillebotte


Zu guter Letzt richtet sich der Blick auf eine weltweit einzigartige Sammlung im Museum Collection de

l´Art Brut, die von Außenseitern der Gesellschaft geschaffen wurde. Seit 1976 werden hier in wechselnden Ausstellungen Kunstwerke von Autodidakten, zum Beispiel skurrilen Sonderlingen, Geisteskranken oder auch Straftätern gezeigt, die aus einer Kollektion von circa 70.000 Exponaten stammen.


Im Musée de l´Art Brut: Holzschnitzarbeit von Eugenio Sartoro
Im Musée de l´Art Brut: Holzschnitzarbeit von Eugenio Sartoro

Die aktuelle Ausstellung „Leben“ zeigt Werke, die von ihren Künstlern erst im hohen Alter geschaffen wurden, und die in berührender Weise deren Lebensgeschichte nachzeichnen. Die Ausstellung ist noch bis zum 27. November 2022 zu sehen.

Außerdem können noch bis zum 30. Oktober 2022 Selbstporträts von Karl Beaudelere besichtigt werden.



Natürlich hat die Stadt Lausanne neben ihren Museen noch viel mehr zu bieten. Allein schon die Menschen, sie wirken freundlich und entspannt. Drei große Brücken führen zu den Hügeln der anderen Stadtteile. Auf einer dieser Anhöhen thront die Kathedrale Notre Dame aus dem Jahre 1275. Eines der schönsten gotischen Baudenkmäler der Schweiz. Noch immer sagt nachts zwischen 22 und ein Uhr der Nachtwächter vom Turm aus stündlich die Uhrzeit an. Vor der Kathedrale sind etwa 50 „Stolpersteine“ eingefasst. Anders als bei uns, haben diese hier folgende Bedeutung: Alle Kinder, die in der Stadt 1998 bei Vollmond geboren wurden, werden hier namentlich genannt.


Im Quartier du Flon
Im Quartier du Flon

Von der Kirche aus, in Richtung Stadt, führt eine 300 Stufen steile Holztreppe hinunter ins Zentrum. Das ist immerhin ein Highlight. Mittwochs und sonnabends finden hier lebendige Markttage statt. An appetitlichen Ständen bieten in der Fußgängerzone und rund um den Place de la Palud Händler ihre Waren an. Vollbesetzte Cafés- und Straßenmusikanten schaffen eine einzigartige Atmosphäre. Beim „Brunnen der Gerechtigkeit“, erfreuen sich zahlreiche Besucher am stündlichen Glockenspiel der nahe gelegenen mechanischen Uhr. Wer sich anderweitig umschauen, einkaufen oder amüsieren will, sollte das Quartier du Flon besuchen. Aus dem früheren Industriegebiet ist ein modernes, originelles und kulturelles Stadtviertel entstanden.


Ein Kontrastprogramm bietet das Aquarium mit Fauna und Flora von fünf Kontinenten. Dieses Süßwasser- Aquarium gilt als größtes in Europa. Entspannung pur am Genfer See. Ob man auf der schönen Seepromenade sitzt oder spaziert, es ist einfach erholsam. Der Höhepunkt ist eine Rundfahrt auf einem Ausflugsschiff, mit dem sogar Vevey und Montreux besucht werden können. Andere reizvolle Ziele sind unter anderem mit der führerlosen, modernen U-Bahn zu erreichen. Das nötige Kleingeld sollte in der Schweiz allerdings nicht fehlen!


Mit dem Ausflugsschiff auf dem Genfer See
Mit dem Ausflugsschiff auf dem Genfer See


Schnellste Anreise:

Flug nach Zürich, Weiterfahrt mit der Bahn nach Lausanne. Dauer: ca. zwei Stunden.

Unterkunft:

Zahlreiche Hotels in der Innenstadt können zum Beispiel über das Portal HRS gebucht werden; DZ ab ca. 105 Euro.

Lausanne City-Pass: ab 35 CHF.

https://www.lausanne-tourisme.ch/de/angebot/lausanne-city-pass/

Wechselkurs: 1 Euro = etwa 1.15 CHF.

Museen: www.plateforme10.ch www.artbrut.ch www.fondation-hermitage.ch

Lausanne Tourismus-Büro: www.lausanne-tourisme.ch Tel: +41 216137373



Text und Fotos: Elke Petra Thonke

Die Reise nach Lausanne wurde unterstützt vom Kanton Waadt und von Lausanne Tourismus.