top of page

Incipe Schinkel! – Es beginnt!

  • Ronald Keusch
  • vor 3 Tagen
  • 7 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 1 Tag

In Neuruppin starten die Vorbereitungen auf das große Jubiläum des 250. Geburtstags von Karl Friedrich Schinkel im Jahr 2031



Verleihung des Schinkel-Preises der Stadt Neuruppin anlässlich des 245. Geburtstages von Karl Friedrich Schinkel in der Kulturkirche

Verleihung des Schinkel-Preises der Stadt Neuruppin anlässlich des 245. Geburtstages von Karl Friedrich Schinkel in der Kulturkirche

Die diesjährige Geburtstagsfeier zum 245. Geburtstag von Karl Friedrich Schinkel am 13. März startete in Neuruppin bereits um 11 Uhr. Der Ort dafür konnte in seinem Geburtsort nur der Kirchplatz sein: Neben der Kulturkirche steht sein Denkmal. Doch die Ehrung in diesem Jahr ist zugleich der offizielle Startschuss für die Vorbereitungen auf das große Jubiläum zum 250. Geburtstag von Karl Friedrich Schinkel in fünf Jahren.

Denkmal Karl Friedrich Schinkel vor der Kulturkirche in Neuruppin

Denkmal Karl Friedrich Schinkel vor der Kulturkirche von Neuruppin

Der Countdown bis zum 13. März 2031 läuft und dazu haben sich an diesem Vormittag zwei Schülergruppen der Rosa-Luxemburg-Schule aus Neuruppin mit ihren Lehrern und einigen Gästen beim Schinkel-Denkmal versammelt.

Aus den Reihen der Schüler wurde ein Team der „Stadtentdecker“ aufgestellt, die hier ihren großen Schinkel-Geburtstags-Check vorstellten. Zusammen mit ihren Lehrern haben sich die Zwölfjährigen aus zwei sechsten Klassen das Ziel gesetzt, an Orte in Schinkels Geburtsstadt zu erinnern, die mit dem Universaltalent in Verbindung stehen. Zugleich wollen sie auch Wissen über Schinkel vermitteln und für Einwohner wie Besucher aus der Vergessenheit holen. Dazu wurde mit Hilfe der Plattform „Actionbound“ eine interaktive Bildungsroute durch Neuruppin gestaltet, quasi eine Schnitzeljagd, und mit Informationen, Quiz und spielerischen Aufgaben versehen.

Als Einstimmung auf den Stadt-Spaziergang veranstalteten die Schüler vor dem Denkmal mit großem Hallo ein Quiz mit jeweils drei Antwortvarianten a, b oder c. Die Anwesenden konnten sich für eine Antwort entscheiden und dann hinter dem Schild mit dem jeweiligen Buchstaben versammeln.

Die Stadtentdecker und ihre Lehrer vor dem Schinkel-Denkmal Quiz zu Karl Friedrich Schinkel


Eine Frage lautete:

  • Von wem stammen die Entwürfe für das Schinkel-Denkmal?  

  a) von Wilhelm Gentz,  b) von Friedrich II. oder  c) von Max Wiese

Eine nächste Frage:

  • Was hält Karl Friedrich Schinkel in seiner rechten Hand?

a)    Eine Zeichnung aus seiner Kindheit,  b) die Grundrisszeichnung für das Berliner Schauspielhaus oder  c) einen Bauplan für das Taj Mahal


Eine weitere Frage:

  • Wann wurde das Schinkel-Denkmal in Neuruppin errichtet?

a)    1883   b) 1938   c) 2003

 

Es gab an diesem Vormittag unter dem Schinkel-Denkmal viel Spaß und jede Menge Wissensvermittlung. Als Belohnung für die jungen Stadtentdecker wurde ein 30 Euro Gutschein für Eiskugeln gesponsert.

Gäste und Einwohner der Stadt können sich künftig selbst auf die Spuren von Karl Friedrich Schinkel begeben - der Actionbound kann hier abgerufen werden: https://de.actionbound.com/bound/saeulen-schloesser-stadtgeschichte-der-grosse-schinkel-geburtstags-check


Am Nachmittag begrüßte der Bürgermeister der Fontanestadt Neuruppin Nico Ruhle in der Kulturkirche die Gäste, um sich mit ihnen über Ideen zu dem geplanten Schinkel-Gedenkjahr auszutauschen. Höhepunkt der Veranstaltung und zugleich erster Meilenstein für das Jubiläumsjahr war die alle fünf Jahre stattfindende Verleihung des Schinkelpreises. In diesem Jahr wurde Dr. Jan Mende ausgezeichnet, Kurator im Museum Knoblauchhaus der Stiftung Stadtmuseum Berlin.

Die Veranstaltung bot viel Raum, nicht nur den Preisträger, sondern auch Karl Friedrich Schinkel angemessen zu würdigen. Dafür sorgten die Jury-Vorsitzende Dr. Anne Marie Pfäfflin, Kuratorin am Kupferstichkabinett der Staatlichen Museen zu Berlin und der Laudator Prof. Dr. Wolfgang Augustyn von der Ludwig-Maximilians-Universität München. Sie charakterisierten Schinkel als Europas Visionär und als ein Genie, dessen Werk zu bewahren und auch weiter zu denken ist. Das große Verdienst von Preisträger Dr. Mende besteht darin, dass er die künstlerische Vielfalt von Schinkel als Maler, Architekt und Kunsthandwerker würdigt, jedoch den Menschen Schinkel nicht idealisiert hat, sondern ein zeitgemäßes Verständnis seine Forschung prägt. Unbedingt zu erwähnen ist die jüngste Veröffentlichung von Jan Mende „Karl Friedrich Schinkel - großer Künstler, ‘einsame Seele?’ ”, die auch neueste Erkenntnisse zu Schinkels 1000 Quadratmeter großen Wohn- und Arbeitsbereich in der Bauakademie enthält.


Bürgermeister Nico Ruhle Preisträger Dr. Jan Mende


Der aktuelle Schinkelpreisträger Mende, der Schinkel auch als einen „enthusiastischen Weltverschönerer“ sieht, erwartet bis zum Jubiläumsjahr 2031 eine Vielzahl von Schinkel-Ausstellungen und Präsentationen zum Ausnahmekünstler Schinkel. Schinkels Geburtsstadt Neuruppin wird dazu einen wichtigen Beitrag leisten. Eine Idee zum Schinkeljahr fand auch schon ihren Weg zu den Versammelten in die Kulturkirche. Die Gäste wurden aufgefordert, mit sechs Legosteinen in fünf Minuten eine Figur zu bauen, ganz im Sinne Schinkels, kreativ und zweckmäßig, und dabei Ideen und Visionen für das Jubiläumsjahr zu entwickeln. So können aus einem Lego-Spaß Impulse für die Stadtkultur und den Tourismus entstehen.

Playmobil-Figur Karl Friedrich Schinkel

Playmobil-Figur Karl Friedrich Schinkel

Bereits zum Fontane-Jubiläum fanden die Lego-Idee und die Sonderedition einer Playmobil-Figur von Theodor Fontane breiten Anklang – das ist ein gutes Omen für das bevorstehende Schinkel-Jubiläum. Die Moderation der Preisverleihung hatte der Amtsleiter für Kultur und Tourismus der Stadt Neuruppin Mario Zetzsche übernommen. Er war schon vor 7 Jahren als Projektleiter verantwortlich für die vielen Angebote und die Ausrichtung der Feierlichkeiten zum Fontane-Jahr, und bei ihm wird auch das Schinkel-Jubiläum „Schinkel250“ in guten Händen liegen - siehe dazu auch weiter unten das Interview mit Mario Zetzsche. Übrigens: Eine Playmobil-Figur von Karl Friedrich Schinkel gibt es schon, natürlich nur original mit Zirkel und dem Grundriss des Berliner Schauspielhauses. Sie kann über die Website des Tourismus-Service der Fontanestadt Neuruppin als Souvenir bezogen werden.


 


Start für das Schinkel-Jubiläum 2031

Gespräch mit Mario Zetzsche, Amtsleiter für Kultur und Tourismus der Fontanestadt Neuruppin

 

Amtsleiter Mario Zetzsche

Heute, am 13. März wurde Karl Friedrich Schinkel in Neuruppin geboren – vor 245 Jahren. Dieser Tag ist für Sie auch der Beginn der Vorbereitungen auf das große Schinkel-Jubiläum im Jahr 2031. Gibt es für diesen frühen Start schon Erfahrungen aus dem Jubiläumsjahr von Fontane im Jahr 2019?

Mario Zetzsche  Das Stichwort für meine Antwort steckt schon in der Frage. Ich war der Projektleiter für „Fontane.200“ und damals haben wir sogar noch früher begonnen, den Fontane-Geburtstag vorzubereiten. Unsere Erfahrungen besagen, dass es viel Zeit braucht, um wirklich gute Partner zu finden und schlüssige Ideen zu entwickeln. Außerdem besteht grundsätzlich unser Ansatz darin, die Bürger unserer Stadt mitzunehmen und vielleicht auch überregional auf dieses Jubiläum aufmerksam zu machen. Manche Ideen müssen reifen und letztlich geht es auch darum, bei den Gebern von Fördermitteln Aufmerksamkeit zu schaffen, Gehör zu finden. Außerdem haben unsere Stadtverordneten mir bereits im Jahr 2025 den Auftrag erteilt, ein Konzept zum Schinkel-Jubiläum zu entwickeln.

Als Eröffnungsveranstaltung zum Schinkel-Jubiläum hat Neuruppin die diesjährige Verleihung des Schinkel- Preises gewählt. Sie senden damit ein deutliches Signal?

Mario Zetzsche Auf jeden Fall. Wir vergeben diesen Preis alle fünf Jahre immer zum Geburtstag von Schinkel. Die nächste Preisverleihung würde erst 2031 liegen, so hat sich dieser Termin angeboten, jetzt schon den offiziellen Startschuss für das große Jubiläumsjahr zu seinem 250. Geburtstag abzugeben. Der diesjährige Preisträger Dr. Jan Mende ist ein sehr renommierter Schinkel-Experte. Er gehört zu den Fachleuten, die in ihren Positionen auch einmal gegen den Strich bürsten. Die Kompetenz von Dr. Mende unter anderem als Kurator des Museums Knoblauchhaus in Berlin wurde auch von einer hochkarätigen Jury gewürdigt.

Der Preisträger Dr. Mende bürstet gegen den Strich, was ist darunter zu verstehen?

Schinkelplätzchen in der Kulturkirche am Schinkelplatz 1

Schinkelplätzchen in der Kulturkirche am Schinkelplatz 1

Mario Zetzsche Ich möchte dazu einen Auszug aus der Jurybegründung für den Preisträger Dr. Mende zitieren, den wir auch in unserer Pressemitteilung veröffentlicht haben: „Besonders überzeugend ist dabei der Ansatz, Schinkel nicht zu idealisieren, sondern ihn in seinen historischen, sozialen und politischen Kontexten zu betrachten.“

Übrigens haben unsere Stadtverordneten in Neuruppin vor wenigen Wochen beschlossen, den Kirchplatz, auf dem das Schinkeldenkmal steht, in Schinkelplatz umzubenennen. Damit lautet jetzt die neue Adresse, wo Dr. Mende der Preis verliehen wurde, nunmehr Kulturkirche am Schinkelplatz 1.

Neuruppin hat für die Schinkel-Ehrungen das Motto „Incipe Schinkel“ gewählt. Dieses lateinische Wort Incipe – es steht für „fange an“ oder „beginne“ -  wirkt sehr akademisch. Aber Sie wollen doch nicht nur die Lateiner oder einen Zirkel von Experten ansprechen, sondern einen breiten Kreis von Neuruppinern und Besuchern?

Mario Zetzsche Zunächst macht der Spruch erst einmal neugierig, was steckt dahinter, was heißt das. Aber das ist nur ein erster Arbeitstitel, der nicht so bleibt. Wir wollen keine Fachdiskussionen über Architektur-Stile. Das Thema der Stadt ist der hier geborene Schinkel, schließlich ist sie seine Geburtsstadt. Selbstverständlich war der hauptsächliche Wirkungsort von Schinkel Berlin. Außerdem hat er im ganzen Staatsgebiet von Preußen gebaut, auch im heutigen Polen.

Neuruppin will andere Geschichten über Schinkel erzählen…

Mario Zetzsche Richtig, aus der Lebensgeschichte seiner Geburtsstadt. Als Kind überstand Schinkel im Jahr 1787 den verheerenden großen Brand in Neuruppin, der zwei Drittel der Stadt zerstörte. Er verlor seinen Vater, der nach Löscharbeiten an einer Lungenentzündung starb, und erlebte dann den Wiederaufbau. Im wieder aufgebauten Neuruppin begann dann die Erfolgsgeschichte eines steilen Aufstiegs von Karl Friedrich Schinkel, schließlich stammte er nicht aus einem betuchten Haus des Adels oder Bürgertums. Er wurde mit seiner eigenen Kraft und seinem Können erfolgreich. Er hat serielles Bauen etabliert, bauen mit bestimmten Mustern, da gibt es viel zeitgemäßes in seinem Wirken, wenn man nur an die Modul-Bauweise von heute denkt.

Übrigens feiern wir im Jahr 2031 ein Doppeljubiläum, das sollte unbedingt erwähnt werden. Vor 775 Jahren erhielt Neuruppin das Stadtrecht, da gab es erstmals eine urkundliche Erweiterung des Stadtrechts einschließlich des Marktrechts verbunden mit der Zollfreiheit. Hier handelte es sich um Bürgerrechte, die ein eigenständiges Wirtschaften erlaubten und ganz maßgeblich zur Entwicklung der Stadt beigetragen haben.

Worauf können sich die Besucher von Neuruppin zum Schinkel-Jubiläum freuen, was gibt es da zu sehen?

Mario Zetzsche Wer den Spirit von Schinkel in unserer Stadt aufnehmen will, dem ist als erstes ein Besuch des Predigerwitwenhauses zu empfehlen. Dort hat der junge Schinkel nach dem Stadtbrand, der auch sein Geburtshaus zerstört hat, mit seiner Mutter und seinen Geschwistern viele Jahre gelebt, ehe er nach Berlin ging. Es ist heute der Sitz der Schinkel-Gesellschaft. Es ist das einzige Haus, von dem man behaupten kann, dass sich dort Schinkel und Fontane begegnen, weil Fontane auch dort gewohnt hat. Aber die beiden sind sich nie persönlich begegnet.

Was sollten die Schinkelbesucher in Neuruppin außerdem nicht verpassen?

Mario Zetzsche Da ist das Schinkeldenkmal, jetzt auf dem Schinkelplatz, geschaffen von Max Wiese, von dem auch das bekannte Fontane-Denkmal stammt. Dann hat Schinkel die Umzäunung des Denkmals des Preußenkönigs Friedrich Wilhelm II geschaffen, den die Bürger für sein Wirken beim Wiederaufbau der Stadt nach dem Großen Brand ehrten. Nach den Entwürfen von Schinkel sind auch die Kirchen in den heutigen Ortsteilen Krangen und Wuthenow entstanden. Und nicht zuletzt ist unser Stadtmuseum in Neuruppin zu nennen, das eine Dauerausstellung über den Sohn der Stadt Schinkel präsentiert.

Fontane hat in seinen „Märkischen Wanderungen“ am Anfang vom Neuruppin-Kapitel auf mehreren Seiten eine überschwängliche Hommage an Schinkel geschrieben. Für ihn war Schinkel der „Schöpfer unsrer Baukunst“ und der bedeutendste Mann, den Ruppin hervorgebracht hat. Das schreibt immerhin Theodor Fontane, der in den Stadtnamen Fontanestadt Neuruppin aufgenommen wurde...

Mario Zetzsche Diese und viele andere historische Zeugen und Zeugnisse sind wunderbare Vorlagen für unser Schinkeljahr. In den 90er Jahren hat die Stadtversammlung auch darüber nachgedacht, neben Fontane auch Schinkel oder auch nur Schinkel in den Stadtnamen aufzunehmen. Schließlich hat man sich auf Fontane geeinigt. Im Nachgang vom Fontanejahr fiel auch die Entscheidung, das Amt für Kultur mit dem Tourismus zusammen zu legen. Das ist eine sehr vernünftige Lösung, um solche Jubiläen gebührend für die Einwohner wie die Besucher der Stadt Neuruppin zu begehen.


Kommentare


bottom of page