Wo im Buschland die ersten Vorfahren lebten

Unterwegs im Kruger-Nationalpark im Nordosten Südafrikas

November 2008

Begegnung mit einem Nashorn im Kruger Nationalpark

Begegnung mit einem Nashorn im Kruger Nationalpark

Am 11. Juni 2010 wird das Eröffnungsspiel der Fußball WM in Südafrika ausgetragen und Monate davor und danach werden wie üblich im ganzen Land die Preise explodieren. Deshalb steht das Land im Süden von Afrika im kommenden Jahr auf manchem Reisewunschzettel. Erstes Reiseziel für die Touristen ist im Nordosten Südafrikas der Krugerpark, fünf Autostunden auf vorwiegend zweispurig ausgebauten Autobahnen von Johannesburg entfernt. Der zu den weltweit größten Wildschutzgebieten zählende Park – seine Nord-Südausdehnung ist über 350 Kilometer - besitzt insgesamt 24 dorfartige Camps.

Krugerpark vor mehr als 100 Jahren eröffnet

 

Die Samenzelle wurde bereits 1898 gelegt. Der burische Präsident der damaligen Republik Transvaal, Paul Kruger, richtete das Sabie Wildreservat ein. Das Reservat sollte den rapiden Rückgang des Wildbestandes eindämmen, hervorgerufen durch Wilderer, die mit Elfenbein und Fellen Handel betrieben. Durch Zusammenlegung der Wildreservate Sabie und Shingwedzi entstand 1926 der Nationalpark, der den Namen des Gründungsvaters Paul Kruger erhielt. Das Parkgebiet ist überwiegend eben und in weiten Teilen mit Gras- und Buschwerk bedeckt. Weiter südlich wechselt das Grasland in eine oft hügelige Baumsavanne. Für viele Besucher ist der Gedanke faszinierend, dass in diesem Buschland die ersten menschlichen Vorfahren lebten.

Ein mächtiger Baobab-Baum im Mopani Camp im Krugerpark

Ein mächtiger Baobab-Baum im Mopani Camp im Krugerpark

Aussichtspunkt "The Pinnacle" an der Blyde River Canyon Panoramastraße
Aussichtspunkt "Lisbon Falls" 

Aussichtspunkt "The Pinnacle" an der Blyde River Canyon Panoramastraße

Aussichtspunkt "Lisbon Falls" 

Blyde River Canyon zwischen Highveld und Lowveld

 

Wer von Johannesburg aus mit dem Auto anreist, sollte unbedingt einen Zwischenstopp im Blyde River Canyon einlegen. Mit 25 Kilometern Länge und 750 Metern Tiefe ist er nach dem Grand Canyon in den USA and dem Fish River Canyon in Namibia der drittgrößte Canyon der Welt und dank seiner üppigen Vegetation auch sehr grün.

Aussichtspunkt "God's View"
Regenwald beim Aussichtspunkt "God's View"

Aussichtspunkt "God's View"

Regenwald beim Aussichtspunkt "God's View"

Eine wunderschöne Panoramastraße führt an der Grenze zwischen Highveld und Lowveld entlang. Das Highveld ist das über 1500 Meter hohe Inlandsplateau Südafrikas, auf dem auch Johannesburg liegt. Es fällt nach Osten hin zum Lowveld mit dem Krugerpark steil ab. Alle paar Kilometer findet man auf der Route Aussichtspunkte auf Felsformationen, Wasserfälle und mächtige Steilwände, die so klangvolle Namen haben wie „The Pinnacle“, „Lisbon Falls“, „Berlin Falls“, „God’s View“ oder „Wonder View“. Bei guter Sicht kann man vom „Lowveld View“ bis hinein in den Krugerpark sehen.

Die "Bourke's Luck Potholes" bilden den Beginn des Blyde River Canyon

Die "Bourke's Luck Potholes" bilden den Beginn des Blyde River Canyon

Der Zusammenfluss des Blyde River und des Treur River bildet den Anfang des Blyde River Canyons. Hier befinden sich „Bourke’s Luck Potholes“, benannt nach dem Goldsucher Tom Bourke, der hier Gold schürfte. Der Name suggeriert, dass er mit dem von ihm gepachteten Gold-Claim Glück hatte, es ist allerdings überliefert, dass er in Wirklichkeit nicht reich wurde. Die Wasserwirbel der beiden Flüsse haben mit der Zeit riesige zylindrische Löcher im Sandsteinfelsen hinterlassen. Das Ergebnis ist ein faszinierendes Netzwerk aus Tunneln, Röhren und miteinander verbundenen Whirlpools, die durch die unterschiedlichen Boden- und Gesteinsschichten auch noch unterschiedliche Farben haben und damit für eine auffallend bunte Landschaft sorgen.

Die Erosion hat bizarre Whirlpools geschaffen
Aussichtspunkt „Bourke’s Luck Potholes“

Die Erosion hat bizarre Whirlpools geschaffen

Aussichtspunkt „Bourke’s Luck Potholes“

Inmitten des Blyde River Canyon erheben sich drei wuchtige Felsen, die die Form der traditionellen Bienenkorb-Hütten der Ureinwohner haben, daher auch „Three Rondavels“ genannt. Die charakteristischen Formen der Rondavels sind das Ergebnis der Erosion. Weicheres Gestein, wie Tonschiefer, wurde von der Witterung abgetragen und weggeschwemmt, so dass härtere Schiefer- und Quarzitschichten sichtbar wurden.

Blick vom Aussichtspunkt "Lowveld View"
Blick in den Blyde River Canyon

Blick vom Aussichtspunkt "Lowveld View"

Blick in den Blyde River Canyon

Direkt am Blyde River Canyon oberhalb von den drei Rondavels kann man im Blyde River Canyon Resort in einer der kleinen Hütten übernachten, und den Sonnenuntergang bewundern, der die drei Felsen in immer neue Farben taucht.

Die "Three Rondavels“ im Blyde River Canyon

Die "Three Rondavels“ im Blyde River Canyon

Das neueste Camp im Krugerpark heißt Mopani

 

Eine gute Stunde Fahrzeit vom Blyde River Canyon liegt weit im Norden des Krugerparks Mopani, das neueste Camp. Die familienfreundliche Anlage wurde 1989 eröffnet. Manager Garth Holt und sein 90köpfiges Team stellen sich vor und nach der Fußball-WM auf mehr Gäste ein.

Mopani wurde 1989 eröffnet und ist das jüngste Buschcamp

Mopani wurde 1989 eröffnet und ist das jüngste Buschcamp

„Täglich können bei uns 506 Touristen übernachten. Sie werden hier nah an der Natur sein und bei uns besonders Elefantenherden beobachten können“, sagt Holt. Die Häuser in Mopani sind für bis zu sechs Personen eingerichtet, klimatisiert und haben ein Bad, Kochgelegenheit und einen Grillplatz. In anderen Camps, wie dem größten Camp im Süden des Parks Skukuza, sind in vielen kleinen Hütten der Kühlschrank und das Abwaschbecken auf einer kleinen überdachten Terrasse vor der Tür untergebracht. Das warme Klima macht es möglich.

Häuser in Mopani sind mit Küche, Bad und Klimaanlage ausgestattet

Häuser in Mopani sind mit Küche, Bad und Klimaanlage ausgestattet

Hütten in Skukuza mit Kühlschrank unter dem Vordach

Hütten in Skukuza mit Kühlschrank unter dem Vordach

Lokomotive ohne Schienenanbindung

 

Das Camp Skukuza wartet auch mit einer anderen Rarität auf: Hier gibt es noch eine Eisenbahnstation einschließlich Lokomotive und einiger Wagen von einer Bahnstrecke, die einstmals zu Goldgräberzeiten gebaut wurde. Sie wurde dann allerdings auf Grund der geringen Goldausbeute in den 20er Jahren zu einer Art Tierbeobachtungs-Bahn umfunktioniert und erfreute sich schnell großer Beliebtheit. Damit hat diese Bahn nicht unmaßgeblich dazu beigetragen, dass der Krugerpark 1926 zum Nationalpark erklärt wurde. Bis 1973 fuhren noch Züge, dann wurden die Schienen abgebaut und die Lokomotive war damit in Skukuza gestrandet. Sie wurde schließlich der Nationalparkbehörde geschenkt und es wurde drum herum ein schickes Restaurant gebaut.

Ein stillgelegter Bahnhof im Camp Skukuza ist die Kulisse für ein Restaurant

Ein stillgelegter Bahnhof im Camp Skukuza ist die Kulisse für ein Restaurant

Unterkünfte in Mopani sind bereits ab 50 Euro zu erhalten. Für private überwiegend luxuriöse Camps ist mindestens die zwei- bis dreifache Summe zu veranschlagen. Ganz exklusive Lodges bieten höchsten Komfort mit Butler und eigenem Wellnesszentrum. Wie jedes Camp hat auch Mopani eine Tankstelle, ein Restaurant, außerdem einen kleinen Swimmingpool.

Naturschutz und Tourismus verbinden

 

Hier in Mopani wird die Euphoriewelle des WM-Fußballs nicht dazu führen, die Gästezahlen kurzfristig aufzustocken. In dem staatlich organisierten Wildpark scheint dem Gewinn, den zahlende Touristen in die Camps strömen lassen, nicht bedingungslos Vorrang eingeräumt. „Landschaft und Naturschutz stehen in unserer Arbeit an erster Stelle“, betont Manager Holt. Dieser Grundgedanke wird hochgehalten, so bestätigt Dr. David Mabunda, Chief Executive der SANParks in Südafrika: „Der Krugerpark hat zwei Weltkriege überstanden, die quälenden Jahrzehnte der Apartheid und auch die manchmal schmerzlichen Jahre des Übergangs zur Demokratie. Doch der Park war und ist immer ein Symbol dafür, wie Erhaltung der Natur und Tourismus miteinander zu verbinden sind.“

Garth Holt, Chef vom Mopani Buschcamp

Garth Holt, Chef vom Mopani Buschcamp

Keine leichte Aufgabe, wenn jährlich mittlerweile zwei Millionen Menschen den Park besuchen. Zwar erstreckt sich der Park auf einer Fläche von fast 20.000 Quadratkilometern, das entspricht etwa der Fläche des Bundeslandes von Sachsen-Anhalt. Allerdings wird die Belastung der Natur mit seiner Tierwelt dadurch wesentlich reduziert, dass nur fünf Prozent des Gebiets vom Tourismus berührt werden. Außerdem wird jeder Tourist an den Eingangstoren des Parks registriert und jeder, der übernachten möchte, braucht eine bestätigte Buchung.

Auf Tour mit Wildhütern am Abend im Krugerpark
Elefant im Scheinwerfer des Tour-Fahrzeugs

Auf Tour mit Wildhütern am Abend im Krugerpark

Elefant im Scheinwerfer des Tour-Fahrzeugs

Wildtiere haben immer Vorfahrt

 

Es ist strikt verboten, nachts mit dem eigenen Auto unterwegs zu sein. Abendstimmung ist im Krugerpark nur auf einer Tour mit den Wildhütern zu erleben, denn die Tore der Camps schließen pünktlich um 18 Uhr. Die Höchstgeschwindigkeit im Park ist 50 km/h auf Teerstraßen, auf Sand- oder Schotterpisten ist nur 40 km/h erlaubt. Und auch die wird nicht als Durchschnittsgeschwindigkeit erreicht – denn es gilt das geschriebene und ungeschriebene Gesetz „Wildtiere haben immer Vorfahrt !“ Insofern kann es schon bei der Buchung der Quartiere die erste Überraschung geben, wenn die Buchung zurückgewiesen wird mit der Begründung: „Dieses Quartier ist vom vorigen Quartier / vom Nationalparkeingang nicht in einer Tagesreise zu erreichen“.

Sonnuntergang im Krugerpark

Wenn man unterwegs eine kleine Ansammlung von Autos sieht, lohnt es sich meistens, sich dazuzustellen, denn dann döst irgendwo ein Löwe im Schatten oder eine Elefantenherde blockiert die Straße. Dann heißt es einfach Abwarten und Kameras zücken.

 

 

Jagen nur mit der Kamera

 

Den in Südafrika unter Einheimischen wie Besuchern beliebten Begriff von den „Big Five“ hört Manager Holt nicht so gern. Es ist der Sammelbegriff für Löwen, Elefanten, Nashörner, Büffel und Leoparden. Die Einstufung stammt von den Jägern und umfasst all die Tiere, die am gefährlichsten sind, aber beim Abschuss auch den größten Profit versprechen. „Heute sollten die Big Five als ein Symbol für die afrikanische Tierwelt stehen, die nicht mehr mit dem Gewehr, sondern mit der Kamera gejagt wird“, sagt Garth Holt.

Sonnuntergang im Krugerpark

Allerdings räumt er ein, dass Wilderer nach wie vor eine Gefahr darstellen, so lange noch damit Profit zu machen ist. Besonders gefährdet seien die Nashörner. Der Preis für ein Kilogramm Horn vom Nashorn beträgt bis zu 10.000 US-Dollar. Das Horn ist besonders auf dem asiatischen Markt als Potenzmittel gefragt.

Nashörner sind auch im Nationalpark durch Wilderer bedroht
Giraffen sind häufiger Wegbegleiter im Park

Giraffen sind häufiger Wegbegleiter im Park

Nashörner sind auch im Nationalpark durch Wilderer bedroht

Zebras können in Ruhe grasen ...
…denn der König der Löwen liegt tagsüber satt und träge in der Sonne

Zebras können in Ruhe grasen ...

… denn der König der Löwen liegt tagsüber satt und träge in der Sonne

Es gibt zu viele Elefanten

 

Ein besonders drängendes Problem für die Naturschützer im Krugerpark ist die wachsende Zahl der Elefanten. Ein Elefant vertilgt im Durchschnitt bis zu 350 Kilogramm pflanzliche Nahrung. Oft wird dabei die Rinde abgeschält und der gesamte Baum abgebrochen oder entwurzelt. Der Elefant ist das einzige Tier im Park, das systematisch seinen eigenen Lebensraum zerstört. Eine Regulierung per Abschuss ist national wie international umstritten. Schon als vor Jahren die Elefantenzahl bei 8.000 lag, läuteten die Alarmglocken. Derzeit wird ihre Zahl im Park auf 11.000 geschätzt. Eine große Chance sieht Manager Holt darin, dass seit 2002 die Grenzen des Krugerparks zu den Nachbarstaaten Mosambik und Simbabwe geöffnet und der Great Limpopo Transfortier Park geschaffen wurde mit einer Fläche von 35.000 Quadratkilometern. Hier sind endlose Weiten für die Wanderungen der Elefanten entstanden. Gleichzeitig sei allerdings gesichert, dass den Besuchern bei uns in Mopani und anderswo, so Holt, noch genügend Elefanten über den Weg laufen. „Bislang hat sich leider die Öffnung der Grenzen bei den Elefanten noch nicht genügend herumgesprochen.“

https://www.sanparks.org/parks/kruger/camps/mopani/

Elefantenherde überquert den Sabie Fluss
Der Elefant zerstört systematisch seinen eigenen Lebensraum

Elefantenherde überquert den Sabie Fluss

Der Elefant zerstört systematisch seinen eigenen Lebensraum