Die schönste Küstenstraße der Welt

Unterwegs auf der legendären Great Ocean Road nach Melbourne

März / April 2009

Ein Wahrzeichen von Australien: Die zwölf Apostel an der Great Ocean Road

Ein Wahrzeichen von Australien: Die zwölf Apostel an der Great Ocean Road

Wer vom Uluru und den öden roten Weiten des Outbacks an die Südküste nach Adelaide kommt, wird von der Millionenstadt mit großen Flächen grüner Parklandschaften begrüßt. Überall in australischen Städten sind penibel gepflegte Gärten und Parks zu finden. Ein nachhaltig wirkender Versuch, so die Reiseliteratur, vor allem von den aus England stammenden Siedlern, Australien ein Ambiente der von ihnen verlassenen Heimat zu verleihen. Allein in Adelaide gibt es drei (!) botanische Gärten.

Es ist traumhaft schön, durch die im Zentrum liegenden Parks mit Kastanien-, Eichen- und Buchengruppen zu wandern und immer wieder auf riesige wild geformte Eukalyptus-Exemplare zu stoßen.

 

Die rund 1000 Kilometer lange Küstenstraße von Adelaide bis nach Melbourne hat unzählige Naturschönheiten zu bieten, Parklandschaften, Urwälder, Höhlen, lange Strände und spektakuläre Klippen. Manchmal wird fälschlicherweise die gesamte Strecke als Great Ocean Road bezeichnet, dabei nimmt diese mit 243 Kilometern Länge dabei nur ein knappes Viertel der Gesamtstrecke ein. Sie beginnt von Adelaide kommend erst beim Ort Warrnambool und endet bei der Stadt Geelong, zwei Autostunden von Melbourne entfernt.

Gärten, Sanddünen und Wein rund um Adelaide

 

Erste Station ist der Mount Lofty, der „Hausberg“ östlich von Adelaide, von dem man einen fantastischen Blick auf die Stadt hat.

Eukalyptus-Bäume im Botanischen Garten im Zentrum Adelaides

Eukalyptus-Bäume im Botanischen Garten im Zentrum von Adelaide

Blick auf Adelaide vom Mount Lofty

Blick auf Adelaide vom Mount Lofty

Mount Lofty Botanic Garden

Mount Lofty Botanic Garden

Etwas unterhalb des Gipfels liegt der Mount Lofty Botanic Garden. Er ist in bunte Herbstfarben getaucht und beherbergt insbesondere Pflanzen, die kühlere und feuchtere Standorte lieben, wie zum Beispiel Farne.

Mount Lofty Botanic Garden mit herbstlichen Farben

Mount Lofty Botanic Garden mit herbstlichen Farben

Ein beliebtestes Ausflugsziel von Adelaide aus ist der Coorong National Park. Er erstreckt sich über 200 Kilometer entlang der Küste und umfasst endlose einsame Strände, Buschvegetation, Dünen, und eine Lagune, die zwischen der Küste und einer vorgelagerten Halbinsel liegt.

Im Coorong National Park

Im Coorong National Park

Große Pelikankolonien brüten und fischen in der Lagune

Große Pelikankolonien brüten und fischen in der Lagune

Neben Angeln, Wandern und Vogelbeobachtungen gehört das Fahren mit dem Geländewagen über den kilometerlangen Strand zu den beliebtesten Beschäftigungen der Touristen. Für mich als Fahrer eines normalen Autos ist aber auch gesorgt: In der Mitte des Parks gibt es genau eine Zufahrt über staubige Sandwege zu einem Campingplatz, von dem man die Dünen und die Lagune zu Fuß erkunden kann.

Windflüchter im Coorong National Park

Windflüchter im Coorong National Park

Auf dem Weg zur Great Ocean Road liegt das Barossa-Tal, eines der größten Weinanbaugebiete auf der Welt mit dutzenden Weingütern. Es wurde 1837 kolonisiert und bereits 1838 kamen die ersten deutschen Siedler, die auf Grund ihres altlutherischen Glaubens in Preußen verfolgt wurden. Sie gründeten den Ort Klemzig und nannten ihn so wie das Dorf in ihrer früheren Heimat, aus der sie vertrieben wurden – heute das in Polen liegende Klepsk. Weitere Siedler folgten und 1847 pflanzte ein deutscher Einwanderer den ersten Weinstock im Tal. Daraus entwickelte sich das bekannteste Weinanbaugebiet Australiens mit vielfach preisgekrönten Weinen, die es mit jedem europäischen Wein aufnehmen können. Ein Glas roten Shiraz zur Weinprobe in der Hand und der Blick schweift über endlose flach angelegte Weinfelder - eine paradiesische Szene.

Denkmal für die ersten Siedler des Barossa Tales in Bethany

Denkmal für die ersten Siedler des Barossa Tales in Bethany

Blick auf die Weinfelder im Barossa Tal

Blick auf die Weinfelder im Barossa Tal

Das Paradies hat auch dunkle Flecken

 

Doch das strahlende Paradies der bezaubernden Landschaften und immer freundlich dreinblickender Australier bekommt unterwegs an der Küste auch einige dunkle Flecken. Umweltkatastrophen auf dem Kontinent beschränken sich nicht allein auf Waldbrände, Überschwemmungen und Taifune. Einige Schilder mit roter Schrift an der kilometerlangen Uferpromenade von Meningie, zwei Autostunden von Adelaide entfernt, warnen vor dem Baden wegen Schlick im Albertsee, einem großen See im Mündungsgebiet des Murray River. Wer es dennoch ausprobiert, seinen Fuß nur einen Schritt ins Wasser zu setzen, versinkt bis über das Knie (!) im Schlamm. „Unser See hatte schon in den letzten Jahrzehnten immer mit Wassermangel zu kämpfen. Vor drei Jahren wurde es sehr schlimm, Baden unmöglich“, klagt die Vermieterin einer kleinen Pension an der Uferstraße von Meningie. Der Hauptgrund für den Wasserrückgang besteht einerseits im Klimawandel und der damit verbundenen hohen Verdunstung, andererseits wurde aber auch dem Fluss Murray – eigentlich dem wasserreichsten Fluss Australiens - über Jahrzehnte durch Industrie und Landwirtschaft zu viel Wasser entzogen. Als Folge verlanden langsam die Flussmündung und der angrenzende Albertsee. Nur Durchreisende bleiben über Nacht in Meningie. Dieses Urlaubsparadies ist wohl für immer zerstört.

Am Murray River

Am Murray River

Umweltkatastrophe am Albertsee – der Bootssteg liegt im Schlick

Umweltkatastrophe am Albertsee – der Bootssteg liegt im Schlick

Geschichte der Besiedlung Australiens

 

Die Küstenstraße von Adelaide in Richtung Melbourne führt durch viele kleine und größere Orte. Deren Stadt-Geschichte begann immer damit, dass ein großes Segelschiff mit Auswanderern in einer großen Bucht landete oder vorher an Klippen zerschellte. Liebevoll eingerichtete kleine Museen in der Touristen-Information, überall gut ausgeschildert mit kleinem gelbem „i“ auf blauem Untergrund, berichten darüber.

Historische Gebäude im „Old Tailem Pioneer Village“

Historische Gebäude im „Old Tailem Pioneer Village“

Alte Kirche der ersten Siedler

Alte Kirche der ersten Siedler

In dem kleinen Ort Tailem ist sogar ein ganzes historisches Dorf entstanden, das „Old Tailem Pioneer Village“. Es sind über einhundert Gebäude zu sehen, einige von ihnen über einhundert Jahre alt. Die privaten Besitzer haben sich hier ihren eigenen Traum verwirklicht, das Leben der ersten Siedler nachzuempfinden. Sie haben über Jahrzehnte abbruchreife Farmhäuser, Hütten, Kirchen, Läden in ganz Südaustralien aufgekauft und hier auf ihrem eigenen Farmland wieder aufgebaut und mit originalgetreuem Inventar versehen. Das Gefängnis gleich neben der Polizeistation versah zum Beispiel seinen Dienst um das Jahr 1910 in der Stadt Narrung am Coorong See.

Drum herum stehen alte landwirtschaftliche Geräte, verrostete Maschinen, unzählige Autos, Fahrräder – es scheint hier nichts zu geben, was es nicht gibt. Es ist ein wenig eine Mischung aus Museum, Schrottplatz und Vergnügungspark – bis hin zu angestellten Statisten, die in einigen der Häuser voll kostümiert und geschminkt wie Schaufensterpuppen bewegungslos sitzen, um dann den Besuchern einen gehörigen Schreck einzujagen, indem sie ihnen plötzlich zuwinken oder irgendein Gerät bedienen.

Historische Gebäude im „Old Tailem Pioneer Village“
Historische Gebäude im „Old Tailem Pioneer Village“

Im „Old Tailem Pioneer Village“

Reisezeiten im Wandel

 

Das erste Schiff, das 1799 die Küste Südaustraliens befuhr, war die „Lady Nelson“. Sie nahm im Auftrag der britischen Krone Vermessungsarbeiten vor und bereitete damit die spätere Besiedlung vor. Ein maßstabsgetreuer Nachbau des überraschend kleinen Schiffes ist im Lady Nelson Discovery Centre in Mount Gambier zu sehen.

Hier wird auch mit Hilfe eines Holograms der Lehrerin und Missionarin Christina Smith die Geschichte des Zusammenlebens zwischen Siedlern und Aborigines in dieser Region erklärt.

Maßstabsgetreues Modell der „Lady Nelson“ in Mount Gambier

Maßstabsgetreues Modell der „Lady Nelson“ in Mount Gambier

Die in weiß gekleidete Figur der Christina Smith gleitet wie ein Geist aus einem Bilderrahmen und erläutert Leben, Bräuche, Legenden und die Sprache der Ureinwohner von Südaustralien. Sie war auch eine der ersten, die Massaker an der Urbevölkerung dokumentiert hat.

In Portland, der ältesten Stadt im Bundesstadt Victoria, trug das erste große Schiff den Namen „Tasmania“ und kam 1851 aus der englischen Stadt Plymouth. Die Schiffe waren Mitte des 19. Jahrhunderts drei bis vier Monate unterwegs. Die Passagiere waren in engen, stickigen und überfüllten Räumen der Schiffe unter der Wasserlinie eingepfercht, in denen sich auf engstem Raum von Geburten bis zum Sterben alles abspielte. Dampfschiffe schafften es Anfang des 20. Jahrhunderts von Europa nach Australien schon in 50 Tagen. Ein halbes Jahrhundert später dauerte es mit dem Ozeanliner noch vier bis fünf Wochen. Schließlich brauchte 1960 die Boing 707 noch 27 Stunden und heute benötigt der Airbus eine reine Flugzeit von 22 Stunden. Doch selbst die im Vergleich zu den Anfängen nur noch kurze Reisezeit kann in einem schmalen Flugzeugsitz auch sehr lang werden.

Vorsicht Känguru
Hinter dem Weidezaun sind die Kängurus sicher
Ein Wallaby auf dem Rasen in Mount Gambier

Vorsicht Känguru

Hinter dem Weidezaun sind die Kängurus sicher

Ein Wallaby auf dem Rasen in Mount Gambier

Tierisches in Australien

 

In Sydney beklagte sich ein Tourist, dass er nicht ein einziges Känguru in freier Natur gesehen habe und meinte dann enttäuscht, dass es die Tiere wohl nur im Zoo gibt. Doch die Chancen sind nach wie vor recht groß, einige Exemplare zu entdecken. Abseits von den Metropolen und Schnellverkehrsstraßen gibt es geschätzt knapp 60 Millionen Kängurus und ihre kleinen Artgenossen, die Wallabys. Sie erscheinen auf Weiden und Feldern oder auf dem Grün in den unzähligen Parks kleiner Orte. Hier habe ich sie auch gesehen. Nur die Kaninchen, die ja auch in Berlin in den Grünanlagen der Städte unterwegs sind, vermehren sich noch schneller. Über die Karriere der Kaninchen in Down Under wird immer wieder viel geschrieben. Ein englischer Farmer in Victoria hatte im Jahr 1859 eine Idee, um seine Langeweile zu vertreiben. Er importierte 24 Kaninchen aus England und hat sie dann freigelassen, um sie auf seinem Landbesitz jagen zu können. Nun ist er ins Buch der Rekorde aufgenommen unter dem Abschnitt der weltweit katastrophalsten Einführung einer Tierart. Gegenwärtig wird die Zahl der Kaninchen in Australien auf 300 Millionen geschätzt.

Das Umpherston Sinkhole von Mount Gambier

Das Umpherston Sinkhole von Mount Gambier

Manches kleine Beuteltier wie das nachtaktive katzenartige Possum wird als Attraktion für Touristen angekündigt. So gibt es in Mount Gambier das Umpherston Sinkhole, ein etwa 30 Meter tiefes mit Blumen und Rasen begrüntes Kraterloch. In den Abendstunden erscheinen hier die Possums pünktlich, um sich in Foto-Positur zu begeben und gefüttert zu werden.

Nachtaktives Possum
Vorsicht Wombat
Überdimensionaler Hummer in Kingston

Nachtaktives Possum

Vorsicht Wombat

Überdimensionaler Hummer in Kingston

Schließlich existieren an den Straßen nicht nur Warnschilder mit der Abbildung von Kängurus, sondern auch vom Wombat. Dessen Bestand ist sehr klein und gefährdet. Der einem kleinen Bär ähnliche Wombat ist im Zoo anzuschauen. Einer der größten Hummer aller Zeiten steht weithin rot leuchtend vor einem Fisch-Restaurant in Kingston am Princes Highway, bevor die Great Ocean Road beginnt. Allerdings sind die Zeiten für Hummergerichte nicht mehr so günstig und so kann der Reisende in dem Gemischtwarenladen nun auch Jacken, Gemüse und Getränke kaufen.

Die „London Bridge“

Die „London Bridge“

Auf der Great Ocean Road zu den zwölf Aposteln

 

Auf der Fernstraße B 100 südlich von Warrnambool beginnt dann die berühmte Great Ocean Road. Die Panoramastraße führt durch eine wilde Küstenlandschaft mit steilen Klippen aus Sandstein und an kleinen versteckten Buchten entlang. Überall sind Skulpturen und Gedenktafeln aufgestellt. Sie erinnern an die Erbauer, hauptsächlich junge Soldaten, die aus dem 1. Weltkrieg heimkehrten. Sie waren oft nur mit Picke und Schaufel ausgerüstet und haben in den Jahren 1919 bis 1932 die Küstenstraße in die Felsen gehämmert.

Der Beginn der Great Ocean Road

Der Beginn der Great Ocean Road

Sehr viele andere Denkmäler und Tafeln erinnern daran, dass Australien im 1. Weltkrieg über 61.000 Tote und fast 160.000 Verwundete zu beklagen hatte. Und mit Stolz wird immer wieder ausdrücklich vermerkt, dass dies die höchste Todesquote pro Einwohnerzahl unter den beteiligten Alliierten darstellte. Doch darauf sollten meiner Meinung nach die Australier nicht stolz sein.

Erstes Ziel des Straßenbaus war es, die Küstenregionen - bislang nur per Schiff erreichbar - mit einer Straße zu verbinden. Niemand dachte wohl damals daran, dass hier eine der schönsten Küstenstraßen der Welt entsteht, die hunderttausende Touristen anzieht.

„The Grotto“
„The Arch“

„The Grotto“

„The Arch“

Die Australier haben sich heute für den Ansturm gewappnet. Die einzelnen Buchten mit ihren verschieden geformten Klippen haben alle Namen bekommen wie „The Grotto“, „London Bridge“ oder „The Arch“ und sind fürsorglich ausgeschildert. Die „London Bridge“ sieht ihrem Namensgeber in London tatsächlich recht ähnlich und hatte ursprünglich zwei Brückenbögen, die von den Besuchern betreten werden konnten. Im Januar 1990 stürzte der näher am Ufer gelegene Brückenbogen unerwartet ein, wodurch zwei Besuchern auf der Felsspitze der Rückweg abgeschnitten wurde. Sie konnten dann per Hubschrauber gerettet werden.

Ein Zeugnis der immer weiter fortschreitenden Erosion ist auch der Felsen „Island Archway“ in der Loch Ard Gorge. Ich konnte das spektakuläre Felsentor noch unversehrt fotografieren. Heute eine historische Aufnahme: Der Felsen stürzte nur zwei Monate später ein und hinterließ nur noch zwei Fels-Pfosten.

Der „Island Archway“ in der Loch Ard Gorge stürzte im Juni 2009 ein
Loch Ard Gorge mit dem „Rasierklingen“ Felsen

Der „Island Archway“ in der Loch Ard Gorge stürzte im Juni 2009 ein

Loch Ard Gorge mit dem „Rasierklingen“ Felsen

Je interessanter die Aussichtspunkte, desto größer die Parkplätze. Mit einem riesigen Parkplatz ist die Bucht „Zwölf Apostel“ ausgestattet. Ihre einzeln stehenden und bis zu 60 Meter hohen bizarren Felsen gehören neben dem Uluru und dem Great Barrier Reef zu den bekanntesten Wahrzeichen von Australien. Die Brandung schlägt in die Bucht und lässt die sand- und ockerfarbenen Kalksteinfelsen immer wieder aus der Gischt emporwachsen. Und dutzende Fotoapparate glänzen dazu in der Abendsonne.

Die „Zwölf Apostel“

Die „Zwölf Apostel“