Kenia - Land der größten Tierschau

Zu Besuch in Nairobi und in den Naturparks Naivasha, Nakuru und der Masai Mara

November 2010

Der Löwe lässt sich vom Ballon nicht stören

Der Löwe in der Masai Mara lässt sich vom Ballon mit Touristen nicht stören

Nairobi - die größte Metropole im Osten von Afrika

Alle, die sich auf den Weg zur besten Aussicht auf die riesige Stadt machen, treffen mit dem 51jährigen Kenianer Peter Kamau zusammen. Er hat im Kenyatta International Conference Center den Job, alle Besucher auf die höchste Plattform des KANU-Turms vom Center zu begleiten. Zunächst ist er der Lotse, wenn er den Weg aus dem Lift über einige verschlungene Treppen ganz nach oben weist. Hier auf der Dachterrasse ist Peter dann als Reiseführer und Erklärer seiner Stadt ganz in seinem Element.

Nairobi im Hochland von Kenia brauchte nicht einmal 100 Jahre, um von einem kleinen Ort britischer Beamter im Protektorat mit ein paar tausend Einwohnern zur größten Metropole Ostafrikas mit mehr als drei Millionen Menschen zu wachsen. Als Kenia 1963 Großbritannien seine Unabhängigkeit abgerungen hatte, baute es mitten hinein in das ehemalige Regierungsviertel seiner Kolonialherren eine riesige Kongresshalle samt hohem Turm, die den Namen des ersten Präsidenten Kenyatta erhielt. 

Peter Kamau erklärt den Besuchern seine Stadt Nairobi

Peter Kamau erklärt den Besuchern seine Stadt Nairobi

Der Turm vom Kenyatta-Zentrum

Der Turm vom Kenyatta-Zentrum

Zu den damaligen Kolonialbauten gehört das eingeschossige St. John House, der Sitz des damaligen Gouverneurs. versehen mit der Nummer 6, der gleichen Nummer wie in der Downing Street in London. Sie erscheinen von der Turmspitze zwergenhaft und werden im heutigen Regierungsviertel zwischen den zahlreichen Neubauten kaum wahrgenommen.

Peter kann sich noch genau an jenen Freitag erinnern, am 7. August 1998, als das Gebäude des Konferenzzentrums durch den gewaltigen Bombenanschlag auf die nahe US-Botschaft erzitterte. Heute ist an dem Ort, an dem 218 Menschen starben und viele tausend verwundet wurden, ein kleiner Park mit einer Gedenkstätte errichtet worden. Einer der wenigen Ruhepunkte in der den ganzen Tag von Hektik angetriebenen Stadt. Bei guter Sicht sind vom Turm die nur wenige Kilometer von der Stadtgrenze entfernten Savannen zu erahnen, in denen Zebras, Giraffen und auch Löwen unterwegs sind.

Gedenkstätte für die Opfer des Bombenanschlags auf die US-Botschaft in Nairobi
Gedenkstätte für die Opfer des Bombenanschlags auf die US-Botschaft in Nairobi
Gedenkstätte für die Opfer des Bombenanschlags auf die US-Botschaft in Nairobi
Gedenkstätte für die Opfer des Bombenanschlags auf die US-Botschaft in Nairobi

Gedenkstätte für die Opfer des Bombenanschlags auf die US-Botschaft in Nairobi

Im Eisenbahnmuseum gleich neben dem Bahnhof erfährt der Besucher, dass die Könige der Wildnis beim Bau der Eisenbahnstrecke von Mombasa an der kenianischen Küste bis zur Hauptstadt von Uganda Kampala traurige Schlagzeilen machten. Bei Angriffen der Löwen auf die meist aus Indien herbeigeschafften Arbeiter wurden 132 von ihnen getötet und sogar ein Sicherheitsbeamter von einem Löwenrudel aus seinem Eisenbahn-Wagon herausgeholt und gefressen. Auch ein in der Nähe liegender Friedhof mitten in Nairobi für hohe britische Offiziere und Prominente der damaligen Kronkolonie dokumentiert, dass eine nicht so kleine Zahl von ihnen ihre Löwenjagden mit dem Leben bezahlten. Die Jäger, die heute in Wildparks auf Safari gehen, sind mit Fotoapparaten und Objektiven gut ausgerüstet und halten sich an das strikte Regel, das Safari-Fahrzeug nicht zu verlassen.

Im Eisenbahnmuseum von Nairobi
Grabsteine für Opfer von Löwenangriffen
Grabsteine für Opfer von Löwenangriffen
Grabsteine für Opfer von Löwenangriffen

Im Eisenbahnmuseum von Nairobi

Grabsteine für Opfer von Löwenangriffen

Blick vom Kenyatta Tower

Am Schluss des Stadt-Rundblicks zeigt Peter Kamau auch in Richtung Nordosten zum Mathare-Valley, wo einer der sich ständig weiter ausbreitenden Slums um Nairobi liegt. Dort wohne er seit vielen Jahren mit seiner Frau und seinen zwei Kindern, erzählt er und berichtet dann von seinem Glück, dass seine Familie dort in ein Mathare-Haus einziehen durfte. Jetzt wohnen alle in einem festen Haus, sie haben Stromanschluss, fließend Wasser, eine fest verschließbare Haustür sowie einen großen Raum, in dem die vierköpfige Familie lebt.

Blick vom Kenyatta Tower

Das Haus habe die deutsche Regierung ausgebaut, meint er abschließend. Ein Anruf bei der deutschen Botschaft bestätigte, dass Deutsche den Ausbau von Häusern unterstützten, allerdings von der nichtstaatlichen katholischen Hilfsorganisation MISEREOR.

Der Guide im Kenyatta-Zentrum hat an diesem Novembertag keine weiteren Besucher zu begleiten. Zu dieser Jahreszeit sind die wenigen Touristen nicht auf Sightseeing aus, sondern nur auf der Durchreise zu Safaris.

Natur im Privatbesitz - Die Seen im Great Rift Valley

Die Straßenroute von Nairobi nach West-Kenia und Uganda ist zugleich eine Route zu einer einzigartigen Tierwelt. Schon aus der näheren Umgebung von Nairobi wie von Aussichtspunkten auf den Ngong Hills ist das Great Rift Valley zu sehen - eine spannende geologische Erscheinung. Dabei handelt es sich um einen gewaltigen Grabenbruch, der vor Millionen von Jahren einen tausende Kilometer langen Riss in die Erdoberfläche grub und dabei eine Kette von Seen entstehen ließ. In einer Berg- und Talfahrt erreicht man die Talsohle und einen der berühmtesten Seen - den Naivasha-See. Er ist der größte Süßwasser-See in dieser Region und liegt 1890 Meter hoch.

Einige wenige Zugänge und am besten eine Bootsfahrt erlauben, seine Schönheiten zu bestaunen.

Die Ränder des Sees sind mit Papyrusgras bewachsen und überall trifft der Bootsfahrer im See auf Flusspferdfamilien. Hier im Vogelschutzgebiet mit beeindruckenden Pelikan-Kolonien kann auch die Ehrfurcht vor den einheimischen Störchen und anderen Zugvögeln gewaltig steigen, wenn man weiß, dass sie vor unserem Winterschmuddelwetter hierher flüchten können und ein zweites zu Hause haben.

Blick in das Great Rift Valley

Blick in das Great Rift Valley

Der Naivasha-See ist ein riesiges Vogelschutzgebiet

Der Naivasha-See ist ein riesiges Vogelschutzgebiet

Touristenboot im Naivasha-See

Touristenboot im Naivasha-See

Flusspferd-Familien im Naivasha-See

Flusspferd im Naivasha-See

Wasserlilien und Papyrus-Gras im Naivasha-See

Wasserlilien und Papyrus-Gras im Naivasha-See

Noch besser als der Naivasha-See präsentiert der Elementaita-See neben malerischen Schönheiten auch die berüchtigte Landeroberung durch britische Siedler, die den See seitdem nahezu vollständig mit Privatbesitz umschließt. Faszinierend illustriert wird die Situation, wenn man die Lake Elementaita Lodge, heute ein Luxushotel der Jacaranda-Hotelkette besucht. Jeder Quadratmeter strahlt den Besitz ergreifenden Charme der früheren Kolonialzeit aus, in der Sonne rote strahlende Ziegelsteinbauten, schattige Terrassen, kleine Steinmauern umgeben gepflegte Blumenrabatten, hohe Büsche und Bäume. An diesem Platz, 120 Kilometer von Nairobi entfernt in einer Höhe von 1670 Meter über dem Meeresspiegel, baute Gailbraith Cole, der zweite Sohn des vierten Earl of Enniskelen die Kekopey-Ranch

Die Elmentaita-Lodge
Blick von der Terrasse der Elmentaita-Lodge

Die Elmentaita-Lodge

Blick von der Terrasse der Elmentaita-Lodge

Hier siedelte auch sein Schwager, der für Landeroberungen berüchtigte Lord Delamere. Von den vertriebenen Massai sind nur noch einige Begriffe geblieben wie „Elmenteita“ abgeleitet von dem Massai-Begriff „Muteita“ – zu Deutsch „staubiger Ort“, so heißt es ganz freimütig in einem Informationsblatt, das unter den Besuchern verteilt wird.

Der Weg vom Naivasha- und Elementaita See führt über den Ort Nakuru in den Lake Nakuru Nationalpark und zur Sarova Lion Hill Lodge mit einem Rundblick in die Savanne.

Der Eroberung der Briten mit Eisenbahnschienen und Gewehren folgte die Eroberung der Touristen mit Geländewagen und Fotoapparaten. Ein vor Jahren in Kenia erlassenes Gesetz, das den Neubau von Lodges untersagt, sollte die ungezügelte Invasion der Touristen stoppen und in geordnete Bahnen lenken. Allerdings scheint sich der Strom der Wildnisbesucher ungebremst fortzusetzen, vor allem durch die wachsende Zahl von Campingplätzen. Ebenfalls spitzt sich in den Nachbarländern Tansania und anderen Ländern im Süden Afrikas der Schwarzhandel mit Wildtieren und ihren Produkten zu. Immer mehr Wildtiere müssen sterben für Produkte wie exotische Lederwaren.

Kormorane haben ein Boot erobert

Kormorane haben ein Boot erobert

Sarova Lion Hill Lodge am Lake Nakuru

Sarova Lion Hill Lodge am Lake Nakuru

Ein besonderes Ziel stellen die Nashörner mit ihrem Horn dar. Vor allem auf dem asiatischen Markt besteht eine große Nachfrage nach den Substanzen aus dem Horn als Aphrodisaikum sowie als fiebersenkendes Mittel. Mittlerweile hat sich die organisierte Kriminalität diesem Geschäft gewidmet. Sie rüsten die Wilderer bei der Jagd auf Nashörner mit Hubschraubern, Nachtsichtgeräten und Präzisionswaffen aus. Nach Zeitungsberichten hat sich allein im letzten Jahr die Zahl der Nashörner in freier Wildbahn, die vor 40 Jahrzehnten noch bei 70.000 Tieren lag, in den letzten Jahren auf wenige tausend Exemplare reduziert.

Pelikane und Flamingos im Lake Nakuru

Pelikane und Flamingos im Lake Nakuru

Doch solche Probleme scheinen fast restlos durch die Schönheit der Natur verdrängt zu werden. Von der Sarova Lion Hill Lodge auf einem Hügel ist der still daliegende Nakuru See trotz zunehmenden Baum- und Buschwuchses noch gut zu erkennen und es bieten sich Ausblicke in den Naturpark mit seinem Grasland und den hier vereinzelt wachsenden Akazienwäldchen.

Der Nakuru-See wird auch „rosa See“ genannt, auf Grund der großen Population an Pelikanen und Flamingos, die den See gleichsam rosa färben. In manchen Jahren wurden hier bis zu eine Million Zwerg-Flamingos gezählt. In den 60er Jahren wurden in dem See Buntbarsche zur Moskito-Bekämpfung ausgesetzt, die sich in den Folgejahren prächtig vermehrten und dadurch Fischfresser wie Kormorane und Pelikane anzogen. Außerdem haben die Touristen hier große Chancen, im nahen Umfeld der Lodge noch einige der wenigen übriggebliebenen Nashörner zu erleben.

 

https://jacarandahotels.com/jacaranda-lake-elementaita-lodge/

https://www.sarovahotels.com/lionhill-nakuru/

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Nashorn im Nakuru-Nationalpark

Giraffen im Nakuru-Nationalpark

Giraffen im Nakuru-Nationalpark

Zur Sarova-Hotelgruppe gehört auch das Sarova Stanlay Hotel, nahe bei Nairobi gelegen. Es hat 2010 die hoch dotierte Auszeichnung „Kenia`s Leading Hotel“ auf der jährlich stattfindenden Tourismus-Konferenz in Südafrika erhalten, sozusagen den Oscar der Reise- und Tourismuswirtschaft in der Region. Davon berichtet stolz der Manager der Sarova-Hotel-Gruppe Jaideep S. Vohra. Die seit 1902 eingerichtete Hotelanlage hat den Vorzug, in wenigen Autominuten vom Flugplatz erreichbar zu sein.

 

 

Der unendliche Zug der Herden - Tierparadies Masai Mara

Ganz anders die Mara Serena Safari Lodge. Hier muss der Besucher ab Nairobi mehrere Stunden Fahrt einplanen und ab der Stadt Nakuru und erst recht im Wildpark der Masai Mara selbst erwartet ihn eine ausgefahrene Schotterpiste mit unzähligen Schlaglöchern. Dafür wird der fast zwei Stunden total durchgeschüttelte Gast mit einer Hotelanlage mitten in der Wildnis belohnt. Das Camp liegt nahe dem Fluss Mara. Auf einem Felsvorsprung gelegen, bietet sich von einer Terrasse und aus übergroßen Fenstern der einzelnen Quartiere ein faszinierender Blick auf die in der Savanne vorbeiziehenden Herden.

Die Architektur der Lodge ist den traditionellen Dörfern der Massai nachempfunden. Das Stolz des kriegerischen Hirtenvolkes der Massai, das Festhalten an ihren Traditionen und auch die Kooperation mit der britischen Kolonialmacht in früher Vergangenheit konnte sie nicht vor ihrer Vertreibung bewahren. Einige junge Leute sind noch als Folklore-Gruppe bei den Touristen zu Gast. Für ein Leben mit ihren Herden in den fruchtbaren Savannengebieten ist schon seit langem kein Platz mehr.

Safari Lodge mitten in der Masai Mara

Safari Lodge mitten in der Masai Mara

Zebraherde in der Masai Mara

Zebraherde in der Masai Mara

Ihren Platz bewahrt hat die größte Attraktion, die bis zu zwei Millionen Tiere zählenden Herden der Gazellen, Zebras, Antilopen und Gnus. Wenn die Trockenzeit im Juli in der Serengeti in Tansania beginnt, wandern die Wildtiere für drei bis vier Monate in das angrenzende Grasland der Masai Mara in Kenia. Beginnend ab Oktober wandern die Tierherden dann wieder in ihre Heimat zurück. So pendeln sie zweimal im Jahr als Grenzgänger zwischen Tansania und Kenia hin und her.

Blick von der Lodge in die Masai Mara

Blick von der Lodge in die Masai Mara

Auf ihren Wegen müssen die Herden auch den Fluss Mara überqueren. Safariführer Moses hört per Funk, dass sich eine neue Herde mit tausenden Tieren dem Fluss Mara nähert und gibt Gas. Der Wagen rast über ausgefahrene Pisten und hinterlässt eine Staubwolke. Der Fluss ist erreicht und immer noch stürzen sich an dieser Furt dutzende Tiere ins Wasser und durchqueren halb galoppierend halb schwimmend den Fluss. Plötzlich bricht der Strom der Tiere ab. Sie stoppen ihren Lauf, scheinen zurückzuschrecken.

Werden die Tiere durch die inzwischen große Zahl der Safari-Wagen gestört, die an beiden Uferseiten in Stellung gegangen sind und aus deren Dachluken Touristen mit ihren Fotoapparaten herauslugen? Oder werden sie durch die große Zahl von Flusspferden beunruhigt, deren riesige Schädel mit aufgerichteten Ohren immer nur ein Stück aus dem Wasser ragen?

Moses am Steuer des Autos weiß die Antwort und zeigt aufs flache Wasser. Hier haben sich zwei mächtige Krokodile eingefunden, die kurz aufgetaucht sind. Jetzt beginnt die Zeit des Wartens für alle am Fluss. Zu den Wartenden gesellen sich drei Geier, die sich auf einer Akazie nah am Fluss niederlassen. Am anderen Ufer erscheinen fünf Zebras. Sie laufen zögerlich hin und her und schauen in Richtung der Krokodile. Dann geht alles sehr schnell. Ein Zebra stürzt sich in den Fluss und die anderen Tiere folgen ihm. Sie nähern sich flink dem anderen Ufer. Die zwei Krokodile schnappen mit ihren großen Mäulern nach den an ihnen vorbei preschenden Zebras und verfehlen das letzte Tier nur knapp. Fast hörbares Aufatmen im Touristenpulk. So viel Naturalismus wollen wohl die meisten in der Wildnis auch wieder nicht sehen.

Giraffen zum Anfassen

Giraffen zum Anfassen

Ein Flusspferd hält Siesta

Ein Flusspferd hält Siesta

Es ist wieder ganz still am Fluss. Die Gnu-Herde am anderen Ufer zieht langsam zu einer anderen Furt. Die Safariwagen mit den Touristen fahren einer nach dem anderen ab und ziehen zu neuen Fotomotiven. An anderen Flussübergängen und im Fluss ist deutlich erkennbar, dass die Durchquerung des Flusses nicht immer so glücklich für die Herdentiere verläuft. Dutzende Gnus und Zebras, einige auf dem Rücken liegend und alle vier Beine nach oben gestreckt, treiben im Wasser, einige Kadaver sind ans Ufer gespült.

Elefantenherde

Elefantenherde

Die Gefahren für den Zug der Herden setzen sich fort. Es gibt keinen Ort in Kenia, wo so viele Löwenfamilien leben. Sie sind überall meist im hohen Gras zu entdecken. Am Tage halten sie Siesta. Und da ist es in der Masai Mara nicht so selten, Elefanten, Giraffen sowie Gnus und Zebras friedlich und still stehend vereint grasen zu sehen und im Hintergrund dösende Löwen – als ob ein Maler die Tiere des Kontinents Afrika auf einem Bildausschnitt festhält mit dem Titel: die größte Tierschau der Welt.

https://www.serenahotels.com/mara

Abendstimmung in der Masai Mara

Abendstimmung in der Masai Mara

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Das Nashorn ist auch in den Nationalparks nicht vor Wilderern sicher

Kurzbesuch bei den Massai - Milch, Fleisch und Blut

Ihr kleines Dorf liegt an der Straße von Narok und ist nur wenige hundert Meter vom großen Tor in den Naturpark der Masai Mara entfernt. Das Weideland im Naturpark ist für sie mit ihren 150 Kühen, Ziegen und Schafen eine verbotene Zone. Sie müssen sich woanders ihr Weideland suchen.

Der 19jährige Massai Olebala ist einer der wenigen in dem Dorf mit 120 Bewohnern, der englisch spricht. Jeder Besucher bezahlt 2000 kenianische Shilling (etwa 18 Euro), wird dann durch das Dorf geführt, darf in die Massai-Häuser hineinschauen und kann überall Fotos machen. Alle diese Einnahmen, so erklärt Olebama, kommen dem gesamten Dorf zugute. Davon werden die Versorgung in einem nahen Hospital und eine Hebamme für die Geburtenhilfe bezahlt.

Damit sind die Abweichungen von ihren althergebrachten Stammesregeln und Traditionen schon fast alle aufgezählt, zu denen auch ein Schulbesuch der Kinder ab acht Jahre und natürlich auch der Besuch vereinzelter Touristen gehören. Der dicht geflochtene Zaun um die Massai-Häuser im Dorf scheint sie immer noch vor sehr vielen Neuerungen der Zivilisation abzuschirmen. Der Zaun umschließt in einem weiten Halbkreis die Häuser und es entsteht ein großer Dorfplatz. Hier wird zur Nacht der Reichtum der Dorfbewohner von den Weiden zusammen getrieben, ihre Kühe. Die vorhandenen Kälber sind neben dem kleinen Wohnraum unter dem Dach des Hauses untergebracht.

Das Massai-Dorf in der Nähe der Masai Mara

Das Massai-Dorf in der Nähe der Masai Mara

Olebala mit dem Stammes-Häuptling

Olebala mit dem Stammes-Häuptling

Zunächst empfängt der Häuptling die Besucher. In einem Monat begeht er seinen hundertsten Geburtstag, berichtet Olebama, und dann gibt es im Dorf eine große Feier. Immerhin hat er sieben Frauen und 55 Kinder, da ist die Zahl der Gratulanten aus seiner Familie schon beträchtlich. Aus diesem Anlass wird es an diesem Feiertag für alle in Überfluss Fleisch geben und dazu traditionell Milch und Blut von Rindern. Olebama ist derzeit in der Altersgruppe, in der er sich auf das Erwachsensein vorbereitet. Früher gehörte dazu eine Mutprobe, das Erlegen eines Löwen mit einem Speer. Auf die Frage, wann er seinen Löwen erlegen wird, lächelt er nur. Die Jagd im Naturpark ist streng verboten. 

Allerdings tragen noch heute die Massai ihre traditionelle grellrote Kleidung. Sie hatte in früheren Zeiten die Funktion, bei der Jagd den wilden Tieren Angst zu machen.

Einige junge Burschen aus dem Dorf, gekleidet in ihre roten Gewänder, kommen auf den Dorfplatz. Sie zeigen ein altes Ritual, jeder von ihnen tanzt abwechselnd auf der Stelle und springt dann in die Höhe. Sie geben sich dabei sichtliche Mühe, denn, so erklärt Olebama, wer am höchsten springt, der hat gute Chancen, das schönste Mädchen des Dorfes zu erobern.

Junge Massai in traditioneller Kleidung beim Hochspringen

Junge Massai in traditioneller Kleidung beim Hochspringen

Allerdings unterwerfen sich bei der Brautsuche noch heute alle jungen Leute, die im Dorf leben, uralten Ritualen. Die Eltern des jungen Mannes bestimmen zusammen mit den Eltern der jungen Frauen, welche Braut heimgeführt wird. Ist die Entscheidung gefallen, bringt der Bräutigam mindestens ein Tier in die Ehe ein und die Familie der Braut baut ein Massai-Haus für die angehende Familie. Die Materialien sind traditionell drei Sorten von Gras, Kuhdung und Olivenholz. Außerdem ist fest vorgeschrieben, dass der Mann die Tiere hütet und die Frau im Haus bei den Kindern bleibt. Familienplanung ist im Dorf der Massai unbekannt. Im Durchschnitt hat hier jede Familie acht Kinder.

Feueranzünden mit Hölzern und trockenem Gras

Feueranzünden mit Hölzern und trockenem Gras

Massai-Frauen bieten selbstgebastelte Andenken an

Massai-Frauen bieten selbstgebastelte Andenken an

Diese Dorfgemeinschaft gehört zu den sesshaft gewordenen Massai, andere führen auf stark geschrumpftem Weideland und in Reservaten mit wenig fruchtbaren Böden noch ein Nomadenleben. Sie haben hier vor dem Eingangs-Tor zum Paradies der Tierherden ihren Platz gefunden. Wer in die Masai Mara fährt, sollte es nicht versäumen, auch den früheren Bewohnern der Savannen einen Besuch abzustatten.

Bildergalerie der Rundreise durch Kenias Nationalparks

Am Naivasha-See
Am Naivasha-See

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Flußpferde im Naivasha-See
Flußpferde im Naivasha-See

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Die Masai Mara
Die Masai Mara

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Am Naivasha-See
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