• Ronald Keusch

Radwandern zum Sonnenuntergang

Lagunenlandschaft von Venedig setzt auf Umweltschutz und sanften Tourismus




Sanfter Tourismus vor Venedigs Haustür
Sanfter Tourismus vor Venedigs Haustür

Sie warten auf die Entdeckungen durch die Urlauber – viele unbeschreiblich schöne Plätze in der Lagunenlandschaft von Venedig. Das deutsche Wort Lagune leitet sich vom italienischen Laguna ab und bezeichnet ein seichtes Gewässer, das durch Sandablagerungen vom Meer abgetrennt ist. Reiher, Silbermöwen und Brackvögel nisten hier, überall Fischfarmen und kleine Schleusen zur Wasserregulierung, als Ufersaum mancherorts ein typischer Schilfgürtel. Und immer wieder tauchen kleine und größere unbewohnte Inseln auf… Hier braucht der Reisende weder Auto noch Bus.


Ein Ausflug nach Venedig mit Rialtobrücke, Dogenpalast und Markusturm lohnt auch bei Regenwetter


Manifesto Turistico für die Umwelt


Im Mai dieses Jahres gab die Gemeinde von Cavallino-Treporti zum Beginn der Saison grünes Licht und genehmigte die Beschilderung des Radweges. Hier ist erstmals ein Radwegnetz entstanden, das das gesamte Gebiet zwischen der Adria, dem Fluss Siole und der Lagune auf zirka einhundert Kilometern Länge abdeckt. Ehrgeizige Pläne sehen sogar vor, das Netz der Radwege von der Halbinsel Cavallino-Treporti auf das gesamte Küstengebiet von Venedig mit insgesamt 900 Kilometern Länge auszudehnen. Die Ursprünge solcher Initiativen gehen darauf zurück, dass der Besitzer von zwei großen Campinganlagen, Dr. Angelo Macolo, Mitstreiter für umweltverträglichen Tourismus suchte und fand.


Alte Bauernhäuser mit ihren charakteristischen Schornsteinen „alla vallesana"
Alte Bauernhäuser mit ihren charakteristischen Schornsteinen „alla vallesana"

Vor zehn Jahren wurde das „Manifesto Turistico Ambientale Veneto“ ins Leben gerufen. Seither wird hier von den Ferien-Veranstaltern an der Adria, die mehr als ein Dutzend große Campinganlagen betreiben, der Umweltschutz offensiv betrieben und auch das Thema Reisekultur mit einbezogen. Ein wichtiger Meilenstein ist die Verpflichtung der Teilnehmer des Manifestes, das Umweltzertifikat ISO 14.001 zu erlangen. Damit wird gesichert, dass die Belastung der Umwelt durch die einzelnen Campinganlagen durch ein Komitee überwacht wird, dem unter anderem der TÜV, die führende Zertifizierungsbehörde in Europa angehört. Seit dieser Zeit verleiht das Umweltdezernat der Region Venetien nach insgesamt 70 Kriterien (!) einen „Goldenen Löwen für den Umwelttourismus“ an die Unternehmen. Einen silbernen Löwen bekommen noch alle, die den Mindestanforderungen dieser Zertifizierung entsprechen. Und der Erfolg gibt den Initiatoren des Manifests Recht. Die Wasserqualität ist auf hohem Standard, Korallen sind wieder nachgewachsen, es gibt Projekte zur getrennten Müllsammlung auf Campingplätzen, Dünen wurden ausgebaut. Das Thema Umwelt ist im Alltag angekommen. Dafür stehen auch kleine Beispiele.


Großzügige Poolanlagen auf den Campingplätzen der Lagunenhalbinsel
Großzügige Poolanlagen auf den Campingplätzen der Lagunenhalbinsel

So wird in Campinganlagen zehn Prozent des Wassers aus den Pools, das täglich erneuert werden muss, für die Spülung in den WCs weiter genutzt. Niemand erinnert sich gern an die 70er Jahre, als die Lagunen-Landschaft, das Podelta und Küstensteifen Oberitalien durch unkontrollierte Einflüsse ökologisch kippten. Damals war es gefährlich, in der Adria zu baden. Es stank zum Himmel und die Touristen ergriffen die Flucht. Heute sind sie längst alle wieder da und bevölkern in der Saison von Mai bis September die ausgedehnten Campingplätze in der Lagunenlandschaft vor Venedigs Haustür.


Pressesprecher William Francesca Damiani

Pressesprecher William Franceso Damiani zieht Bilanz: „Auf Sechs Millionen Übernachtungen hat es Cavalliono Treporti in der Saison 2007 gebracht. Bei einem durchschnittlichen Aufenthalt von zehn Tagen haben wir zirka 600.000 Gäste bei uns.“



22 Radtouren vor Venedigs Haustür


Zum umwelt- und landschaftsverträglichen Urlaub gehört, den Fahrrad-Tourismus zu fördern. Dafür bieten sich gerade das Küstengebiet von Cavallino und die Wasserlandschaft der Lagune Venedigs mit unzähligen Kanälen und Wegen hervorragend an. In den letzten Jahren wurden insgesamt 22 Fahrradrouten von Professor Dr. Rainer Krüger, Geograph von der Uni Oldenburg und seiner italienischen Kollegin Luana Castelli aufgestellt. Die dazu von beiden in deutscher Sprache veröffentlichten Führer: „Lagune von Venedig“ und „Östliche Lagunen“ (Bezugsadresse: MapFox.de) sind seit Frühjahr 2008 auch im deutschen Buchhandel erhältlich. In diesen handlichen zwei Bändchen, die jeweils vorn auf einer kleinen Ablage des Fahrradlenkers Platz finden, sind auf hundert Meter Genauigkeit die einzelnen Routen mit ihren kleinen und großen Sehenswürdigkeiten beschrieben. Bereits zur Eröffnung der diesjährigen Saison tauchen die in brauner Grundfarbe gehaltenen Routenschilder für Fahrrad-Touristen schon auf. Darauf sind die Routennummer und das Ziel der Route verzeichnet. Pressesprecher Damiani stellt dazu fest „Das neu beschilderte Fahrradnetz werden viele Urlauber nutzen. Jeder dritte Gast auf dem Campingplatz hat sein Fahrrad mit dabei.“


Künftig können Urlauber sich bei den Bauernhöfen der Region
mit frischem Obst und Gemüse versorgen

Doch die Ziele der Teilnehmer des Manifesto Turistico gehen noch weiter. Sie wollen unter dem Markenzeichnen eines sanften Tourismus die Urlauber auf den Fahrradrouten auch zu den Bauernhöfen der Region führen. Hier können sie sich mit Gemüse und Obst, das auf dem fruchtbaren Boden der Lagune wächst, frisch versorgen lassen. Auch damit lassen sich die Herzen gerade der deutschen Urlauber erobern im Land des Genießens.



Nicht nur Venedig, sondern auch die Lagunenlandschaft bietet Romantik pur
Nicht nur Venedig, sondern auch die Lagunenlandschaft bietet Romantik pur