• Ronald Keusch

Montpellier - die Lieblingsstadt der Franzosen

Eine Entdeckungsreise von den verborgenen Höfen in der mittelalterlichen Altstadt bis zum schicken, modernen Design namhafter Star-Architekten


Place de la Comédie mit den drei Grazien
Place de la Comédie mit den drei Grazien

Auf der Rangliste der beliebtesten Wohnorte in Frankreich steht Montpellier immer ganz weit oben und eroberte sogar im letzten Jahr den 1. Platz. Das hat sich längst auch bei den Touristen aus aller Welt herumgesprochen. Vor 50 Jahren noch eine kleine, wenig bekannte Provinz-Stadt hat sich bis heute ihre Einwohnerzahl auf 275.000 mehr als verdoppelt. Montpellier avanciert mit seinem ungewöhnlichen Wachstum, seiner Dynamik und seinen vielen Gesichtern zu einer Metropole, die sich mit ihrem lässigen Charme modern gibt, aber auch noch immer ein wenig ländlich wirkt. Eine Stadt, die allen ihren Einwohnern wie Besuchern vieles zu bieten hat. Und als Universitätsstadt mit einer traditionsreichen juristischen und medizinischen Fakultät sorgen 75.000 Studenten für die nötige Würze an jugendlichem Flair.



Ausdehnung zum Meer


Allee im Stadtviertel Antigone
Allee im Stadtviertel Antigone

Wie bei vielen geglückten Stadtentwicklungen haben auch in Montpellier die Entscheidungen von Bürgermeistern, die die passenden Architekten auswählten, den Grundstein gelegt. Zu Beginn der 80er Jahre schuf der katalanische Architekt Ricardo Bofill in dem berühmten Quartier Antigone auf einer Fläche von 40 Hektar eine antike Welt aus Beton in klassischen Formen. Ein von der Stadt übernommenes riesiges Gelände der französischen Armee bot den ausreichenden Platz. Es entstanden breite Alleen für Fußgänger, die zu großen Plätzen führten, vorbei an Fassaden mit Säulen und Pilastern griechischer Architektur. Dieses neue Wohnviertel, das Klassizismus mit modernem Städtebau zusammenführte, war der Startschuss für andere angesehene Architekten, hier in Montpellier ein Arbeitsfeld zu finden. So entstanden neue Quartiere wie Malbosc, Jardins de la Lironde und ganz neu das Wohnviertel Port Marianne mit modernen Bauten rund um den Teich Jacques Coeur. Hier plant der japanische Stararchitekten Sou Fujimoto auch ein spektakuläres Hochhaus, das 2017 eröffnet werden soll.

Das moderne Hotel de Region
Das moderne Hotel de Region

Ein unübersehbarer Blickfang steht am Ostufer des Flusses Lez, der zum zehn Kilometer entfernten Meer führt, und die Richtung anzeigt, in der sich Montpellier ausdehnt. Es ist das neu geschaffene Verwaltungsgebäude der Region Languedoc Roussillon - das Hotel de Region. Der riesige gläserne Torbogen ist dem Pariser Arc de Triomphe nachempfunden. Manche Beamte, die hier an Schreibtischen sitzen, sind durch die gewagte Architektur ihres Bürogebäudes zum kreativen Arbeiten verurteilt.


Rathaus von Montpellier
Rathaus von Montpellier

Ein eindrucksvolles Beispiel für die Ausdehnung der Stadt zum Meer stellt schließlich das im Jahr 2012 neu erbaute Rathaus dar. Das ökologisch und technologisch moderne Haus trägt die Farbe der Stadt - das Dunkelblau - dessen Aussehen sich übrigens je nach Sonnenstand verändert. Und Sonne hat Montpellier jede Menge, 300 Tage zählt die Statistik



Ohne Stadtplan in mittelalterlichen Gassen

Mittelalterliche Gasse in der Altstadt
Mittelalterliche Gasse in der Altstadt

Der Charme dieser südfranzösischen Stadt wird wesentlich dadurch bestimmt, dass die „Unmotorisierten“ sie erobert haben. Montpellier ist eine Fußgänger-Stadt. Alle wichtigen Bauten und Denkmäler des Stadtzentrums sind zu Fuß zu erreichen. Das historische Quartier Ecusson ist mit seiner großräumigen Fußgängerzone die Lunge der Stadt. Überall laden Plätze mit hohen Bäumen zum Verweilen ein.


Im Herzen von Montpellier befindet sich der Place de la Comédie, wo scheinbar alle Straßen und Gassen zusammenführen. Dieser wichtigste Ort der Stadt, über den vor Mitte der 80er Jahre noch eine Fernverkehrsstraße donnerte, ist wohl einer der weiträumigsten Fußgängerbereiche in Europa. Hier steht das nach Pariser Vorbild erbaute Opernhaus, dass dem Platz seinen Namen gab und es sind unzählige elegante Fassaden von Gebäuden des wohlhabenden Bürgertums aus dem 19. Jahrhundert zu bewundern. In der Mitte des Platzes thronen stolz die drei Grazien in einer im 18. Jahrhundert geschaffenen Brunnenfigur.


Aline Couquet vom Tourismus-Office
Aline Couquet vom Tourismus-Office

Aline Couquet vom Tourismus-Office der Stadt Montpellier hat für die Besucher zehn Punkte aufgelistet, um die Stadt zu entdecken. Dazu gehören mittelalterlichen Gassen der Altstadt. Und Aline empfiehlt:


„Vergessen Sie Ihren Stadtplan und verlaufen Sie sich in den engen Gassen, beim Stöbern in den Gewölben von Boutiquen der Antiquitätenhändler und Modeschöpfer, beim Besuch der Galerie St. Ravy oder in einem der unzähligen kleinen Cafès.“

Die Höfe der Stadthäuser


Während die Provence mit ihren mondänen Mittelmeerstädten als Symbol des Business-Tourismus gilt, steht der Südwesten mit Montpellier auf dem Weg ins katalanische Spanien noch in den Augen vieler Besucher für das authentische Frankreich. Dieser Eindruck wird beim Besuch der Höfe der Stadthäuser noch vertieft.

Innenhof eines Stadthauses
Innenhof eines Stadthauses

Schmiedeeiserne Treppen und Geländer, breite helle Höfe mit viel grünen Kletterpflanzen und davor massive Tore, deren Torbögen mit Figuren geschmückt sind.


„Echte verborgene Schätze“, so nennt Aline diese Höfe. Immerhin existieren im Gebiet von Montpellier, das seit mehreren Hundert Jahren keine Kriegs-Zerstörungen mehr erleiden musste, etwa 80 im klassizistischen Stil erbaute Stadthäuser. Einziger Wermutstropfen für die Touristen: Bis auf ganz wenige Ausnahmen können die Höfe nur im Rahmen von Führungen durch das Touristenbüro besucht werden.



Malerei der Extraklasse


Eine Perle der Stadt und Besuchermagnet ist das Museum Fabre, eines der schönsten Kunstmuseen in Frankreich. Es wurde von dem französischen Maler François-Xavier Fabre vor knapp 200 Jahren gegründet und ständig erweitert. Einzigartige Werke berühmter französischer Maler wie Delacroix, Courbet, Monet oder Renoir machen einen Besuch zu einem Erlebnis. Durch Anbauten ist die Ausstellungsfläche auf 70.000 Quadratmeter gewachsen und damit gehört das Museum Fabre von Montpellier zu den größten Museen des Landes. Eine Dauerausstellung widmet sich auch der zeitgenössischen Kunst und präsentiert den 95jährigen Altmeister Pierre Soulages, der sich in seiner Ausstellung dem Thema der schwarzen Farbe widmet.


Das Museum Fabre - berühmte Gemäldegalerie

Jardin du Champ de Mars
Jardin du Champ de Mars

Das Museum Fabre ist an ganz prominenter Stelle im Stadtviertel Ecusson am Rande der Esplanade gelegen, direkt am Jardin du Champ de Mars. Hier findet der Besucher weiträumige Grünflächen, Springbrunnen und Bänke unter Schatten spendenden hohen Baumkronen, die zum entspannten Verweilen verführen. Von der nahe gelegenen Freiluftbühne des Kulturzentrum Le Corum sind Kinderlachen und Musik zu hören.


In Montpellier ist es für den Besucher nicht schwer, sich sehr schnell wohlzufühlen.

www.montpellier-frankreich.de