• Ronald Keusch

Der nächste Weg in die Berge

Bad Lauterberg ist ein idealer Ausgangspunkt, um den Harz zu entdecken





Blick auf Bad Lauterberg vom Hausberg
 Blick auf Bad Lauterberg vom Hausberg



Die deutsche Literatur-Prominenz wurde vom Harz fast unwiderstehlich angezogen. Das Naturereignis der Berge verbunden mit seiner Mystik und den Legenden aus der deutschen Geschichte weckten Neugier. Da gab es den wohl berühmtesten Harzbesucher Johann Wolfgang von Goethe. Der große Dichter erhielt Anregungen für sein Meisterwerk „Faust“ und verlegte einige Szenen in dieses Gebirge, zum Beispiel die Walpurgisnacht, in der Faust zu erkennen wünscht, „was die Welt im Innersten zusammenhält“. Goethe besuchte den Harz als Forschungsreisender und studierte hier Geologie und Bergbau.


Blick von Torfhaus über abgestorbene Waldflächen auf den Brocken
Blick von Torfhaus über abgestorbene Waldflächen auf den Brocken

Er bestieg auch den damals noch touristisch unerschlossenen Brocken und wanderte auf dem heute nach ihm benannten Goetheweg. Theodor Fontane, Heinrich von Kleist und Alexander von Humboldt waren hier unterwegs. Und schließlich begab sich der 27jährige Heinrich Heine auf seine berühmte Harzreise, in der er die Landschaft poetisch und respektlos beschrieb. Er wanderte 1824 durch das Bodetal und konnte „das ruhige Herzklopfen des Berges belauschen. Die Vögel singen abgebrochene Sehnsuchtslaute“ und „die Bäume flüstern wie mit tausend Mädchenzungen“.



Kur- und Urlaubsort mit Tradition

Der Harz hat ganz sicherlich etwas von diesem Flair bewahren können und punktet touristisch auch im 21. Jahrhundert unverändert mit seiner Lage. Für Berliner und Brandenburger, für Hamburger und erst recht Niedersachsen ist der Harz das nächste Mittelgebirge, ein Ort zum Wandern, Klettern, Erholen, Ski fahren und reine Luft zu atmen. Als ein idealer Ausgangspunkt zur Erkundung des Harzes empfiehlt sich das Städtchen Bad Lauterberg. Es hat 12.000 Einwohner und liegt an den Südwest-Ausläufern des Oberharzes im Landkreis Göttingen. Die ehemalige Bergbaustadt hat sich zu einem Kur- und Urlaubsort entwickelt mit langer Tradition. In Bad Lauterberg werden seit 1837 Kaltwasser-Kuren durchgeführt, Anfang des 20. Jahrhundert wurden dann Kneipp-Therapien eingeführt und der Stadt der Titel „Bad“ verliehen. Mit dieser Tradition gilt der Ort im Harz als Deutschlands ältestes Kneipp-Heilbad.


Das Vital Resort Mühl in Bad Lauterberg Schwimmhalle

Genuss-Schmiede und Sonnenwinkel

Eine kleine Gruppe von CTOUR-Journalisten unternahm eine Kurzreise auf Einladung des Mühl Vital Resorts in Lauterberg. Das in dritter Generation von der Familie Mühl geführte Hotel ist ein idealer Ausgangspunkt für das Kennenlernen des Harzes wie auch ein Beispiel für Quartiere in perfektem Ambiente, die Tradition und Modernes verknüpfen. Das heutige Wellness-Hotel wurde im Jahr 1956 nach Umbau in eine Pension mit 14 Einzelzimmern und sieben Doppelzimmern gegründet. In einem nächsten Schritt erhielt das Haus die staatliche Anerkennung als Sanatorium mit eigenem Arzt. Schließlich wurde vor 25 Jahren das Sanatorium in ein Wellness-Hotel umgewandelt und immer wieder umgebaut und erweitert.

Hoteldirektor Thomas Mühl
Hoteldirektor Thomas Mühl

„Wir bieten unseren Gästen einen Mix aus traditionellem Ambiente, aber auch aktuellen und modernen Produkten und Leistungen neugebauter Hotels“, sagt Hoteldirektor Thomas Mühl. Es sei immer ein Spagat, das historisch gewachsene mit dem Stand moderner Technik zu verbinden. Bei der jüngsten Modernisierung im Jahr 2014, die Thomas Mühl leitete, wurden je zwei kleine Zimmer zusammengelegt und zu Studios erweitert, die Hotelbar „Anno 56“ mit einer Terrasse vergrößert und eine 1800 Quadratmeter große Saunalandschaft mit fünf Saunen ausgebaut, ergänzt durch ein Schwimmbad mit 12 Meter Bahnen sowie zusätzlich einem Erlebnisbecken mit Gegenstromanlage, Wasserfall und Whirlpool zum Relaxen. Das ausgezeichnete Restaurant nennt sich Genuss-Schmiede und die Lounge mit großen Fensterfronten „Sonnenwinkel“, Nomen est omen.


Garten des Mühl Vital Resorts
Garten des Mühl Vital Resorts

Der Erfolg gibt dem Familienunternehmen recht. Im laufenden Monat Oktober ist das Hotel ausgebucht und das ganze Jahr über gut ausgelastet. Besonders wichtig ist dem Hotelier Mühl, dass es gelungen ist, auch zunehmend die jüngere Generation in das Hotel zu holen. Ausschlaggebend für die gute Altersmischung der Gäste ist sicherlich, dass wie das Städtchen Bad Lauterberg auch das Mühl Vital Hotel ein idealer Ausgangspunkt für den aktiven Urlaub darstellt. Von hier kann der Gast Ziele in der näheren Umgebung, wie den Bismarckturm auf dem Kummelberg erwandern, in Tagestouren unzählige Ziele im Harz erreichen, sich vom Hotel-Team Fahrräder oder Skiausrüstung organisieren lassen oder einfach nur im Hotel entspannen, bei Wellness und gutem Essen.



Shoppen auf dem Boulevard in Bad Lauterberg Im Harz trifft man überall auf Hexen – hier vor einem Cafe in Goslar



Schaurige Sagen im Ost- und Westharz

Nur wenige hundert Meter vom Hotel entfernt, befindet sich im Zentrum von Bad Lauterberg ein Boulevard mit vielen Läden zum Bummeln, zwei Konditoreien und zwei Land-Fleischereien mit einem Imbiss. Hier sind die Geschäfte ganz auf die Touristen eingestellt und die kommen auch gern. Über den Dächern von Bad Lauterberg thront der Hausberg mit einer Bergbaude und einer großen Aussichts-Plattform. Man kann ihn auf einem Rundwanderweg gemütlich erklimmen, aber auch mit einem Zweierlift bequem erreichen. Im 12. Jahrhundert wurde hier die Burg der Grafen von Lutterberg errichtet, auf dessen Ruinengelände sich nun die Ausflugsstätte etablierte.

Hexen dürfen das
Hexen dürfen das

Erhalten geblieben ist allerdings, wie kann es im Harz anders sein, die Sage um den von Mönchen erschlagenen Grafen, dessen Braut sich auf dem Rücken eines riesigen Einhorns in eine Höhle flüchten konnte. In sternklaren Nächten kann man ihr begegnen, sie leise weinen hören und wer ihr unbemerkt folgt, kann die goldenen Tränen finden und reich werden. Fast genauso romantisch wie in Thale im Ostharz die berühmte schaurig-schöne Geschichte um die Rosstrappe. Die schöne Königstochter Brunhilde floh vor dem Ritter Bodo, setzte mit ihrem Ross über den Abgrund mit kühnem Sprung auf den jenseitigen Felsen und verlor dabei ihre Krone im reißenden Fluss. Bodo stürzte ab, verwandelte sich in einen schwarzen Hund, der bis heute die Krone bewacht, mitunter nachts heult und dem Fluss Bode seinen Namen gab. Schaurige Sagen im West- und im Ostharz.



Der Wurmberg, oberhalb von Braunlage, ist der höchste Berg Niedersachsens
Der Wurmberg, oberhalb von Braunlage, ist der höchste Berg Niedersachsens

Sehenswerte Ausflugsorte

Bad Lauterberg ist ein ausgezeichneter Startplatz für vielfältige Entdeckungen im Harz, dem höchsten Gebirge Norddeutschlands. Der Harz ist für viele überraschend groß, 110 Kilometer lang und 30 bis 40 Kilometer breit. Der Brocken mit seinen mehr als 1100 Metern Höhe ist auf manchen Wanderungen – wenn nicht gerade in Wolken gehüllt - ein ständiger Begleiter, so wie auch der Wurmberg, der fast 1000 Meter hoch ist. Wie auf einer Perlenkette präsentiert sich eine Vielzahl von Ausflugsorten. Dazu zählen beispielsweise das idyllische Bad Harzburg mit seinen großen Kurkliniken, die Kleinstadt Ilsenburg mit dem Heinrich-Heine-Weg zum Brocken sowie der Luftkurort Braunlage, besonders geschätzt von Wanderern und Skifahrern.


Goslar Kaiserpfalz Der Fluss Abzucht in der historischen Altstadt von Goslar

Das geschichtsträchtige Goslar bietet eine Fülle an romanischer und gotischer Bausubstanz mit seiner Kaiserpfalz und dem Kaiserhaus, dessen Anfänge im 11. Jahrhundert datiert sind, dem berühmten Marktplatz mit seinem Rathaus, dem ehemaligen Kämmereigebäude mit Glocken- und Figurenspiel und dem Gildehaus Kaiserworth sowie vielen schönen Fachwerkhäusern. Zu den angesagten Harzbesuchs-Orten gehört Wernigerode mit seinen Fachwerkhäusern und den Schmalspurbahnen. Eine Linie führt dampflokbetrieben über Schierke bis hinauf auf den Brocken.



Toter Wald bei Torfhaus
Toter Wald bei Torfhaus

Wie lange werden wir noch hinter die Fichte geführt?

Der Harz fasziniert in allen Jahreszeiten mit seinen ausgedehnten Wäldern, teils landwirtschaftlich genutzten Hochflächen, tief eingeschnittenen Täler mit wilden Flussläufen und Wasserfällen sowie einigen Stauseen. Doch die Freude an der Natur ist seit vielen Jahren getrübt durch schier unendlich viele abgestorbene Bäume. Blickt man vom Wurmberg oder Torfhaus in Richtung Brocken ist das ganze Ausmaß der Katastrophe zu sehen – kilometerlanger toter grauer Wald, kaum noch ein grüner Flecken. Der Tourismus-Guide Axel Huschebeck, Geschäftsführer der Agentur Harz Reisen, führt unsere CTOUR-Journalistengruppe auf einer Rundfahrt durch den Harz. Er versucht angestrengt, seine Empörung über diese unübersehbare Misere zu zügeln und liefert ein paar Erklärungen. Die Katastrophe ist von Menschen gemacht, aber nicht in der Weise, wie es weltanschaulich verbohrte Ideologen der Grünen behaupten, die die Ursachen zuallererst im Klimawandel, Industrieabgasen und Autoverkehr suchen. Nein, sie ist direktes Ergebnis einer verfehlten Naturpark-Philosophie, die die Wälder sich selbst überlässt. Man muss eigentlich nur den Forst-Wissenschaftlern wie Professor Hansjörg Küster von der Universität Hannover zuhören, der schon 2019 titelte: „Wer den Wald sich selbst überlässt, zerstört ihn“. (https://www.welt.de/debatte/kommentare/article200193848/Duerre-Wer-den-Wald-sich-selbst-ueberlaesst-zerstoert-ihn.html).



Blick auf den Brocken
Blick auf den Brocken

Die Monokultur durch den Anbau schnell wachsender Fichten oder der Befall von Waldschädlingen, besonders durch den Borkenkäfer oder die Masse an Totholz kann nicht durch Selbsthilfe der Natur beseitigt werden. Der zivilisierte Mensch muss eingreifen, Borkenkäfer konsequent bekämpfen, abgestorbene Bäume entfernen, Mischwald und resistente Baumsorten neu anpflanzen, so wie erfolgreich praktiziert im Bayrischen Wald und anderswo. Es muss mehr Geld in den Wald und in die Forstwirtschaft investiert werden, denn gesunde Bäume sorgen für Mensch und Tier, für mehr Sauerstoff und eine gesündere Umwelt.


Grün-ideologisch weichgespülte Verharmlosung der Katastrophe
Grün-ideologisch weichgespülte Verharmlosung der Katastrophe

Angesichts dessen wirken Hinweisschilder der Nationalpark-Verwaltung, die den traurigen Anblick der toten Wälder als Basis der Entstehung von neuem Leben feiern („Hier baut die Natur die neue Wildnis“), hilflos, ja nahezu zynisch. Wie lange lassen sich die Touristen und die direkt betroffenen Einwohner noch hinter die Fichte führen? Müssen erst der ganze Totwald und die Torfmoore des Harz abbrennen, damit Nationalpark-Verantwortliche und Politiker den Schuss hören?

Auf den Wegen durch den Harz gelangt der Besucher auch in Waldbereiche, die nicht dem Naturpark-Regime unterworfen sind, sondern in der Verantwortung Forstwirtschaft stehen. Wie in anderen Regionen erfolgreich praktiziert, trägt hier der Harz mit überwiegend Laubwald wieder sein grünes Kleid.



Kurpark und Kurhaus von Bad Lauterberg
 Kurpark und Kurhaus von Bad Lauterberg

Kneipp for ever

Ganz praktisch gleich um die Ecke des Familienhotels Mühl Vital Resort ist der Kurpark von Bad Lauterberg gelegen. Hier hat die Stadt für einen Pfarrer ein Denkmal gesetzt, der ihr ein Markenzeichen gegeben hat. Sebastian Kneipp, der Wasserdoktor und Kräuterpfarrer, popularisiert in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts die Heilkraft des Wassers und entwickelt ein Gesundheitskonzept mit fünf Säulen. Es enthält nicht allein den Storchengang durchs Wasser und weitere Formen von Güssen, Bädern und Wickeln. Das Konzept beinhaltet auch Bewegung, ausgewogene Ernährung, Heilpflanzen und bewusste Lebensführung.


Kneipp-Denkmal im Kurpark von Bad Lauterberg Zum Wassertreten

Bereits 1839 führte der Arzt Ernst Ritscher im Bad Lauterberg ein Kaltwasser Heilbad ein. Die kleine Straße, in der das Mühl-Resort steht, trägt den Namen des Arztes. Das Familienhotel hat allerdings auch vor einigen Jahrzehnten eine Zeit-Phase erlebt als der Bedarf nach Kneipp-Anwendungen nahezu verschwand. Mittlerweile hat besonders in den letzten Jahren die Kneipp-Idee eine enorme Renaissance erfahren. Und auch das Mühl-Hotel hat die Heilkraft des Wassers wieder in seinen Wellness-Katalog aufgenommen.


Wassertreten im Fluss
Wassertreten im Fluss

Für ganz Hartgesottene gibt es eine Kneipp-Wasserstelle gleich gegenüber im Kurpark, wo man durch das 4 Grad kalte Wasser des Baches Oder waten kann. Ja, es gibt auch im Harz eine Oder und sogar eine Oder-Talsperre, die allerdings durch die Entnahme von Löschwasser zur Bekämpfung des Waldbrandes am Brocken extremes Niedrigwasser führte und teilweise verlandet war.


Stempelstelle im Kurpark von Bad Lauterberg

Gleich neben der Kneipp-Wasserstelle steht eine Sonder-Stempelstelle für die Harzer Wandernadel. Insgesamt 222 Wanderziele sind im ganzen Harz ausgewiesen, darunter so bekannte wie Brockenhaus, Wurmbergbaude, oder die Staumauer der Eckertalsperre. Ganz begehrt bei den kleinen Wanderfreunden sind die Titel „Wanderprinzessin“ und „Wanderprinz“, die es schon für 11 Wanderziele gibt. Wer alle 222 Ziele erwandert hat, darf sich „Harzer Wanderkaiser“ nennen, braucht dafür aber sicher mehr als nur einen Urlaub. Ein Grund mehr, mal wieder in den Harz zu fahren, vielleicht auch wieder nach Bad Lauterberg und ins Mühl Vital Resort.


https://www.muehlvitalresort.de/