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  • Ronald Keusch

Auf der Überholspur

Treffpunkt der Tourismusbranche vom 5. bis 7. März 2024 in Berlin





Eingang zur ITB 2024

Eingang zur ITB 2024


Die Reiselust der Deutschen ist wieder da, ungeachtet von Rezession und anderer Krisen, so tönt es unisono in der Medienwelt. Die Reisewirtschaft blickt deshalb zuversichtlich in das neue Reisejahr 2024. Angefangen bei den Tourismus-Experten vom Deutschen Reiseverband DRV bis zu den riesigen internationalen Unternehmen wie American Express wird konstatiert: Reisen ist nach überstandener Corona-Pandemie wieder „angesagt“ in deutschen Landen und die Mehrheit der Bevölkerung wird auf das Reisen nicht verzichten. Die Reiseausgaben für vorab gebuchte Leistungen stiegen im Jahr 2023 gegenüber dem Vor-Corona-Rekordjahr 2019 um 14 Prozent und lagen bei 79 Milliarden Euro, so die aktuellen DRV-Zahlen. Der Anteil der Bevölkerung, der reist, liegt bei 77,1 Prozent und die durchschnittliche Reisedauer bei 13,3 Tagen. „Vor allem Fernreisen werden demnach einen spürbaren Aufschwung erfahren“, erwartet DRV-Präsident Norbert Fiebig.



Sogar Optimisten sind beeindruckt

Einen Beleg für diesen entfachten Optimismus lieferte zweifellos die diesjährige Intenationale Tourismus Börse (ITB) unter dem Berliner Funkturm. Das enorme Interesse internationaler Aussteller und die Buchungslage zu fast 100 Prozent beeindruckte sogar die Optimisten der Reisebranche. Nach der Geländesanierung ist erstmals auch wieder, wie in „alten Zeiten“, ein Rundlauf über das Messegelände in Berlin Charlottenburg möglich, verkündete in einem Podcast die seit 2023 neu eingesetzte ITB-Direktorin Deborah Rothe. Insgesamt 170 Länder und Regionen mit 5.500 Ausstellern in 27 Hallen sorgten dafür, dass sich die ITB wieder mit dem Titel weltweit führende Touristikfachmesse schmücken kann. Im Unterschied zu vergangenen Zeiten präsentierte sich die diesjährige ITB allerdings wieder als reine Plattform für Fachbesucher und Expertenpublikum - also ein Ort für Business to Business, hier werden Produkte und Leistungen von Unternehmen an andere Unternehmen verkauft. Die reiselustigen Besucher müssen draußen bleiben, für sie ist mit dem Berliner Travel Festival eine Alibi-Veranstaltung außerhalb des Messegeländes organisiert.

 

Staatssekretär Azzan bin Qassim al Busaidi stellt den Oman auf der Eröffnungs-Pressekonferenz vor © Messe Berlin GmbH

Staatssekretär Azzan bin Qassim al Busaidi stellt den Oman auf der Eröffnungs-Pressekonferenz vor

Gastland Oman verdoppelt Standfläche

Als diesjähriges Gastland wurde der Oman ausgewählt, der auf der Messe die überaus starke Präsenz der arabischen Welt in Berlin widerspiegelt. Allein der Oman verdoppelte gegenüber dem Vorjahr seine Standfläche auf 800 Quadratmeter. Auf der Eröffnungspressekonferenz, eingerahmt durch vier Musikerinnen aus dem Land, konnte Staatssekretär Azzan bin Qassim al Busaidi auf die beeindruckende Bilanz des Tourismus verweisen: Ein Besucherrekord von vier Millionen. Er fand in seinem Statement, wie viele Reiseexperten aus aller Welt, auch wichtige Worte für die heutige krisenhafte Zeit. Der Tourismus baut Brücken des Friedens, indem er zum kulturellen Verständnis der Menschen auf der Welt einen Beitrag leistet.

 


In sechs Stunden Flug zum Wüstenabenteuer

Neben Bahrain sind auch die Vereinigten Arabischen Emirate, Saudi-Arabien und Katar mit großen Standflächen vertreten. Im Gefolge präsentieren sich wieder international hochdatierte Fluggesellschaften wie die Qatar Airways. Die National Airline von Qatar fliegt von ihrem Hub am Hamad International Airport (DOH) in Doha insgesamt 145 Ziele in sechs Kontinenten an. Sie gehört weltweit zu den Fluglinien mit den besten Bewertungen von Fachleuten wie Passagieren und präsentierte sich auf der ITB in einem großen prachtvollen Ausstellungsbau. Qatar Airways brachte auch Neuigkeiten mit auf die ITB. Im kommenden Winter werden die wöchentlichen Flüge mit einem Airbus 350 von Berlin nach Doha von bisher 14 auf 18 aufgestockt.


Ausstellungspavillon von Katar mit moderner Videoinstallation

Ausstellungspavillon von Katar mit moderner Videoinstallation

Dass diese Flüge nicht allein zu einer bedeutenden internationalen Drehscheibe des Luftverkehrs, sondern zu dem Reiseland Katar führen, wird gleich in der Nachbarschaft in einem gleichsam sehr modern und schick gestalteten Ausstellungspavillon vorgeführt. Dr. Buthaina Al Janahi vom Presseoffice visitqatar bilanziert, dass immer mehr Besucher auch aus Europa Urlaubstage in Katar buchen. In einer Flugzeit von rund sechs Stunden sind atemberaubende Kunst und erstklassiges Shopping, Wüstenabenteuer sowie Wasserparks und Strände zu erleben.

 


Reiseland Italien in Halle 1.2

Reiseland Italien in Halle 1.2


Reiseland Italien hält Hof in Berlin

Eines der Glanzlichter auf der diesjährigen ITB setzte einmal mehr das Reiseland Italien. Allein die riesige Ausstellungsfläche in der Halle 1.2 mit weit mehr als tausend Quadratmetern ist nicht nur für die vielen Italien-Fans überwältigend. Alle Regionen des europäischen Stiefels einschließlich Sizilien gaben sich ein Stelldichein – in Wort und Bild, in Videos und mit Vorträgen. Auch im geschäftigen Messegeschehen war hier für den Besucher eine Mischung aus ansteckendem Selbstbewusstsein als Reiseland und die Liebe zur Heimat mit ihren wunderschönen Regionen zu spüren.


Bilder von der Prozession Macchina di Santa Rosa in Viterbo mit einem 30 m hohen und 5 Tonnen schweren Turm


Da präsentierte sich die Toskana mit ihrer Philosophie der Renaissance, dem smarten Tourismus und als einzigartiges Land der Frauen genauso wie die weniger bekannte Region Lazio. Hier wird jährlich ein kulturelles Feuerwerk gezündet, die Prozession Macchina di Santa Rosa, eines von vielen Beispielen der Bewahrung von Traditionen, gekürt als UNESCO-Welterbe. Und weiter wird man im Reiseland Italien entführt in die Erlebnisse am Meer von Ligurien, wo es zu einem Treffen mit Pinguinen und Haien im Aquarium von Genua kommen kann, dem größten und meistbesuchten Museum in der Region.

 


„Wir sind stolz auf unser Italien“

Unübersehbar sind der Rückhalt und Rückenwind, den die italienische Tourismusbranche von Staat und Regierung erhält.


Italiens Tourismus-Ministerin Daniela Garnero Santanchè  © Messe Berlin GmbH

Italiens Tourismus-Ministerin Daniela Garnero Santanchè

Die Ministerin für Tourismus Daniela Garnero Santanchè hatte am Vorabend der ITB in der italienischen Botschaft und dann an den ersten Messetagen eindrucksvolle Auftritte. Sie wurde begleitet von den beiden führenden Köpfe bei ENIT, der italienischen Zentrale für Tourismus in Frankfurt/Main, der Präsidentin Alessandra Priante und der Geschäftsführerin Ivana Jelinic. Und wenn die italienischen Fach-Frauen des Tourismus über die großen Herausforderungen als Reiseland sprechen, über die wichtige Rolle der Gastfreundschaft, so ist das sehr überzeugend. Und auch die Aussage: Wir sind stolz auf Italien und lieben unser Land, so ist das sehr nachvollziehbar für die wachsende Zahl von Touristen auch aus Deutschland im Land.

 


Erfolgsrezept: „time to discover“

Zu den vielen Trends in der derzeit boomenden Tourismusbranche zählt das Reisen auf dem Wasser mit Kreuzfahrtschiffen. Nicko cruises Schiffsreisen, die Kreuzfahrtgesellschaft aus Stuttgart, ist im Jahr 2023 im Vergleich zur Vor-Pandemie-Zeit 2019 wieder gewachsen und spürt mit den Buchungen auch im laufenden Jahr weiterhin Auftrieb, wie Geschäftsführer Guido Laukamp berichtete.


Geschäftsführer Guido Laukamp von nicko cruises

Geschäftsführer Guido Laukamp von nicko cruises

„Mit der charmanten Schiffsgröße von maximal bis zu tausend Passagieren“, so Laukamp, „haben sich die Routen des Flussprogramms weiter gut entwickelt.“ Das betrifft genauso die Fernreisen mit dem Hochseeschiff VASCO DA GAMA, wo schon die nächste Weltreise in der Pipeline ist. Ein Erfolgsrezept der Kreuzfahrer besteht darin, ihren Passagieren viel „time to discover“ in Deutschland wie weltweit anzubieten. Übrigens wurde auf der ITB in diesem Jahr Sandra Huck von nicko cruises bei den „Touristik PR und Medien Awards“ von den Journalisten zur „Pressesprecherin des Jahres“ gewählt.

 


Deutsche Regionen bescheiden untergebracht

Die Touristikbranche aus Berlin-Brandenburg war auf dem Hub in Halle 27 mit einigen anderen deutschen Regionen etwas abseits und in sehr übersichtlicher Standgröße untergebracht. Zwar sagte mir Birgit Kunkel, Leiterin der Presse und ÖA Brandenburg, dass die mit Berlin gemeinsam genutzte Ausstellungsfläche durchaus ausreichend sei, mit genügend Platz für die Gäste und einem Getränketresen. Aber man kann es, auch im Vergleich zur Präsenz von Spanien oder Italien, einen recht bescheidenen Auftritt nennen. Da war für einige Regionen sogar auf der „Grünen Woche“ viel mehr Platz, ein Beispiel dafür ist die große Bayernhalle. Die gesamte Urlaubsregion „Thüringen entdecken“ beschränkte sich auf einen kleinen drei Meter breiten Stand mit ein paar Prospekten und einigen wenigen Hotel-Anbietern. Der Besuch eines deutschen Tourismus-Ministers ist allerdings nicht zu erwarten, denn es gibt seit Jahren keinen in Deutschland und die Zahl von Staatssekretären der aktuellen deutschen Regierung wächst zwar ständig, allerdings auf anderen Gebieten. Ein Armutszeugnis für Deutschland, immerhin zählt die Tourismusbranche 2,9 Millionen Beschäftigte und ist nach dem Handel der zweitgrößte Dienstleistungssektor.

 

Die Stände von Berlin-Brandenburg und Thüringen auf der ITB



ITB Warm Up in Berlin Moabit

Nicht unerheblich gewachsene Kosten für die Aussteller auf der ITB macht erfinderisch. So belegte beispielsweise der Leipzig Tourismus in diesem Jahr nur einen Counter am Stand der Deutschen Zentrale für Tourismus und präsentierte stattdessen in Kooperation mit der Reisejournalistenvereinigung CTOUR die Leipzig Region am Vorabend der ITB im Altberliner „Restaurant Neumann‘s“. In einem ITB Warm Up begrüßte Andreas Schmidt seine Journalisten-Gäste. Zu den zahlreichen Höhepunkten der diesjährigen Saison zählen das Bachfest vom 7. bis 16. Juni, der 35. Jahrestag der friedlichen Revolution am 9. Oktober in Leipzig und die Mendelssohn-Festtage vom 28. Oktober bis 4. November 2024.


 

Chalets im Waidler Land am Nationalpark Bayerischer Wald  © Waidler Land

Chalets im Waidlerland am Nationalpark Bayerischer Wald

Waidler Land – „de mog i“

Ebenfalls im Vorfeld der ITB gab es ein Highlight für den deutschen Tourismus mit einer Präsentation im Humboldt-Forum in Berlin-Mitte im Bistro „Lebenswelten“. Hier stellte Gastgeber Manfred Stockinger, Architekt, Bauherr und Quereinsteiger in der Hotellerie einer Reihe ausgewählter Journalisten das Waidler Land – „de mog i“ vor. Dahinter verbergen sich individuelle Unterkünfte inmitten der Natur im Nationalpark Bayerischer Wald beim Örtchen Mauth und weitere zehn ebenfalls individuelle Unterkünfte sowie zwei Hausboote bei Waldkirchen am See. Bei diesen beiden exklusiven Feriendörfern handelt es sich um Chalets mit preisgekrönter Architektur und Innenausstattung. Ein herausragendes Beispiel für regionale, authentische und nachhaltig betriebene Urlaubsquartiere.

 


Logo des ITB Kongresses © Messe Berlin GmbH

Logo des ITB Kongresses

Nachdenken über Zukunft des Reisens

Für die Reisewelt ist die ITB der wohl wichtigste Branchentreffpunkt. Ein Markenzeichen der Tourismus-Messe ist der angeschlossene ITB Berlin Kongress, der auf insgesamt 4 Bühnen auf dem Messegelände stattfand. Er stand unter dem Motto „Pioneer the Transition in Travel & Tourism. Together “. Etwa 200 Experten diskutierten ähnlich wie auf den vorhergehenden Messen der Grünen Woche und der Fruit Logistica über die fortschreitende Digitalisierung und Anwendung der Künstlichen Intelligenz. Ein besonderes Gewicht erhielt das Thema Nachhaltigkeit beim Luftverkehr und in der Hotelbranche. Allerdings haben die Tourismus-Aussteller auf der ITB sehr nachdrücklich betont: Auch in der Zukunft des Reisens und Entdeckens anderer Länder kann die Künstliche Intelligenz nicht die erlebte Gastfreundschaft ersetzen. Den Geboten der Nachhaltigkeit ist mit Vernunft und Augenmaß so zu entsprechen, dass sie nicht die unbeschreibliche Vielfalt von Naturschönheiten und Kulinarik auf der Reisewelt beiseiteschieben. Noch besteht Hoffnung, dass sich die uneingeschränkte Reisebegeisterung nicht transformieren und verdrängen lässt.


Exotik auf der ITB - hier am Stand von Indien

Exotik auf der ITB - hier am Stand von Indien


Fotos: Ronald Keusch (9), Messe Berlin GmbH (3), Waidler Land (1)


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