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Gegen einen Überwachungsstaat

  • Ronald Keusch
  • vor 3 Tagen
  • 7 Min. Lesezeit

Über das Buch „Der Wahrheitskomplex: Wie NGOs im Staatsauftrag unerwünschte Meinungen bekämpfen“ von Norbert Häring




Norbert Häring - Der Wahrheitskomplex

George Orwell erfand in seinem Roman „1984“ ein Wahrheitsministerium, das als zentrale Institution dafür zuständig war, durch Propaganda, Geschichtsfälschung und Medienmanipulation die bestehenden Machtstrukturen zu festigen. Ein zentrales Wahrheitsministerium gibt es heutzutage zwar nicht, aber die Methoden in den westlichen Staaten zur sukzessiven Einschränkung der Meinungsfreiheit und zur Erhaltung der Macht ihrer Politiker-Kaste sind viel subtiler. In den letzten Jahren entstand mit staatlicher Finanzierung eine Vielzahl an privaten Organisationen, irreführend „Nichtregierungsorganisationen“ (NGO) genannt, die zusammen mit staatlichen Organisationen einen „Wahrheitskomplex“ bilden. So lautet auch der Buchtitel von Norbert Häring aus dem Westend Verlag mit dem orientierenden Untertitel „Wie NGOs im Staatsauftrag unerwünschte Meinungen bekämpfen“.

Mit dem edel klingenden Ziel, die Verbreitung von Desinformationen zu verhindern und die opportunen Wahrheiten massiv publik zu machen, gehen immer öfter auch Verleumdungskampagnen daher, die sogar vor der sozialen Vernichtung kritischer Stimmen nicht zurückschrecken. Der Autor Norbert Häring, ein anerkannter deutscher Wirtschaftsjournalist, hat in seinem 300 Seiten starken Buch erstmals das ganze ungeheuerliche Ausmaß dieses gewachsenen Netzwerkes offengelegt. Häring beschreibt in der Einleitung sein Anliegen, „die Fakten zum Wahrheitskomplex zu präsentieren, die ich recherchiert habe, seit ich vor gut zehn Jahren fast zufällig in diesen Kaninchenbau gestiegen bin.“ Und er fordert den vielleicht ungläubigen Leser dazu auf, die Fakten zu prüfen und bittet darum, diese nicht beiseitezuschieben, weil vielleicht die Schlussfolgerungen aus ihnen unangenehm oder fast undenkbar sind.

Angesichts der Fülle und Tiefe des recherchierten Materials und einer Unmenge an Beispielen liefert Autor Häring für sein Buch einen Wegweiser. Im ersten von insgesamt fünf Kapiteln lautet die Überschrift kurz und bündig: „Der Wahrheitskomplex bei der Arbeit“. Darin überrascht er den Leser mit verschiedenen Erscheinungsformen der Unterdrückung und Kontrolle von Meinungen. Sie führten maßgeblich dazu, dass in Deutschland und in Europa das Vertrauen in die Meinungsfreiheit so stark gesunken ist: Laut Allensbach-Umfragen lag der Anteil derer, die meinten, dass man in Deutschland seine Meinung frei äußern könne, im Jahr 1990 noch bei 77 Prozent; bis zum Jahr 2021 bzw. 2025 sank sie auf 45 bzw. 46 Prozent.  

Da gibt es raffinierte Methoden, um die Berichterstattung über wissenschaftliche und medizinische Themen im Sinne von Politik und großen Konzernen gleichzuschalten. Dazu bedient man sich sogenannter Science Media Center, die von Regierungen, Unternehmen und Stiftungen finanziert werden. Diese fluten dann die Medienlandschaft massenhaft mit gleichgerichteten Informationen und unterdrücken gleichzeitig jeglichen wissenschaftlichen Diskurs über strittige Themen. Der Bevölkerung wird suggeriert, dass das, was da berichtet wird, dem letzten Stand der Wissenschaft entspricht. So geschehen bei der Beurteilung der Corona-Impfung, bei dem Verschweigen von Nebenwirkungen und Verunreinigungen der Impfstoffe, bei der Verbreitung von panikheischenden Modellrechnungen und der Deklarierung dieser als „Fakten“ bis hin zu der weltweiten Vertuschungsaktion über den Ursprung des SARS-CoV-2-Virus, unter maßgeblicher Beteiligung deutscher „Faktenchecker“.

Auch beim Thema Klimafragen entstanden Strukturen des Wahrheitskomplexes wie das im Sommer 2021 gegründete „Netzwerk Klimajournalismus e.V.“, das einen Kodex und Leitlinien erarbeitete, die mit objektiv berichtendem Journalismus nur noch wenig gemein haben. Denn die Charta verpflichtet zu alarmistischer Berichterstattung. Klimajournalisten sollen eine „irreversible Katastrophe“ voraussagen und sie sollen die Klimakrise zur Bedrohung für Demokratie und Grundrechte erklären. Dazu passt dann auch, „Zweifler an Teilen der reinen Klimalehre nicht etwa ‚Skeptiker‘ zu nennen, sondern sie mit dem ebenso abwertenden wie sinnleeren Begriff ‚Klimaleugner‘ zu belegen.“ Jeder kann das bei der Wetterberichterstattung in den Öffentlich-Rechtlichen Medien verfolgen, die dem Leitfaden zur Extremwetterberichterstattung der Organisation World Weather Attribution folgen. Der legt fest, dass jedes Extremwetterereignis dem Klimawandel zuzuschreiben ist, zum Beispiel, dass „jede Hitzewelle auf der Welt auf Grund des menschengemachten Klimawandels nun stärker und wahrscheinlicher“ sei. Wissenschaftler, die diesem Klima-Narrativ widersprechen, werden kurzerhand als unwissenschaftliche Quacksalber hingestellt. Und so lautet ein Resümee des Autors, dass die Menschen alles glauben, wenn man ihnen nur oft genug sagt, dass die Wissenschaft es festgestellt hat. (S.34/35)

Ausführlich beschäftigt sich Häring mit den unseriösen Methoden der sogenannten Faktenchecker, der wichtigsten und sichtbarsten Klasse von NGOs des Wahrheitskomplexes, die mit staatlicher Unterstützung und Finanzierung festlegen dürfen, was als wahr und was als Desinformation gelten soll. Die Fülle der Beispiele ist erdrückend und zeigt, wie die Gesellschaft manipuliert wurde und wird: Pandemiewahrheiten, Impfdurchbrüche, Migration und Kriminalität, Klimawahrheiten, Kriegsberichterstattung, und über welche Skandale die Faktenchecker wohlweislich nicht berichten.

In dem Abschnitt „Meldestellen: Einäugige Tugendwächter“ werden vom Staat geschaffene Meldestellen gegen „Hass und Hetze“ unter die Lupe genommen. „Nicht ganz zufällig sind es überwiegend Äußerungen von Kritikern der Regierung, die von den regierungsabhängigen NGOs als potenziell strafbar oder verfassungsfeindlich gemeldet werden.“ (S.91)

Im Kapitel „Die Errichtung des deutschen Wahrheitskomplexes“ zeichnet Häring nach, wie die institutionellen und gesetzlichen Grundlagen des deutschen Wahrheitskomplexes geschaffen wurden und nimmt dabei Arbeitsweise, Methoden und Finanzierung der deutschen Protagonisten detailliert unter die Lupe - von der Amadeu Antonio Stiftung, dem Institute for Strategic Dialogue (ISD) bis zu Correctiv.

Im folgenden Kapitel „Die EU baut ihren Wahrheitskomplex auf“ analysiert Häring den europäischen Wahrheitskomplex, für den Deutschland ein Vorreiter und Wegbereiter war. Im November 2018 startete die EU-Kommission das Faktenchecker-Netzwerk SOMA - Social Observatory for Disinformation and Social Media Analysis. SOMA sollte die NGOs untereinander mit mächtiger technologischer Infrastruktur vernetzen. Autor Häring bescheinigt den EU-Bürokraten Sinn für Humor, „wenn auch einen ziemlich sarkastischen.“ Denn „‘SOMA‘ heißt auch die Volksberuhigungsdroge im Roman ‚Schöne Neue Welt‘ von Aldous Huxley. Sie wird den Massen verabreicht, um sie ruhig und zufrieden zu halten.“ (S.132) Wenn in diesem Buch diese vielfältigen Verflechtungen aufgedeckt werden, dann wird auch für naive und gutgläubige Gemüter deutlich, „dass der Unterschied zwischen dem ‚unabhängigen‘ Wahrheitskomplex und einem staatlichen Wahrheitsministerium sehr gering ist.“ (S.140)

Der Spaß an solchen unfreiwilligen Selbst-Entlarvungen a la SOMA verfliegt schnell, wenn dann das mehr als 90 Seiten umfassende Kapitel „Wahrheitskontrolle im Dienst der NATO“ uns allen das Gruseln lehrt. Den Startpunkt für den systematischen Aufbau dieses Wahrheitskomplexes sieht Häring im Jahr 2014 und erläutert den Kontext: „Im Februar des Jahres wurde der ukrainische Präsident Wiktor Janukowitsch gewaltsam gestürzt und außer Landes gejagt. Er wurde durch eine USA-gestützte Regierung ersetzt, die für einen Beitritt der Ukraine zur EU und zur NATO eintrat. Russland besetzte daraufhin die strategisch wichtige ukrainische Schwarzmeer-Halbinsel Krim und annektierte sie nach einem Referendum.“ (S.187) Diese Vorgänge entfachten einen Propagandakrieg zwischen NATO und EU auf der einen und Russland auf der anderen Seite. In der Folgezeit wird eine Reihe von Netzwerken geknüpft wieder mit dem Ziel, sich der angeblichen russischen Desinformation entgegenzustellen, z.B. dass die NATO-Osterweiterung eine Bedrohung für Russland darstellt. In diesem Zeitraum des Propagandakrieges wurde auch das Märchen über die russische Wahlmanipulation zugunsten des Präsidentschaftskandidaten Trump in den USA erzählt. In dem Abschnitt „Russia Gate als inszenierter Anlass“ lässt der Autor ausführlich diese Geschichte unter Kuratel des US-Militärs und der US-Geheimdienste Revue passieren. (S.205)

Viele Abschnitte des Buches liefern Stories, die die Konstrukte mancher Thriller und Kriminalfilme in den Schatten stellen, mit denen Öffentlich-Rechtliche und Private Fernsehsender ihr Publikum zunehmend bombardieren. Doch der Reiz der Geschichten von Autor Norbert Häring besteht darin, dass sie sich kein storyteller ausgedacht hat, sondern dass sie bittere blanke Realität sind, die von Politik und Mainstream-Medien versteckt oder weggelogen werden.

Militär und Geheimdienste sind immer mehr verstrickt in den Wahrheitskomplex. So behandelt ein Abschnitt des Buches, wie Plattformen und Geheimdienste gemeinsam europäische Wahlen schützen. „Die US-Geheimdienste ‚schützen‘ also seit 2019 zusammen mit den digitalen Plattformen unsere Wahlen vor ausländischer Einmischung – und vor nicht genehmen Ergebnissen.“ (S. 216) Ein Beispiel dafür sind die jüngsten Wahlen in Rumänien und Ungarn. Was als „Abwehr fremder Manipulation“ deklariert wird, ist in Wahrheit die eigene Manipulation durch Geheimdienste, ihnen angeschlossener Plattformen und EU-Gremien. Da wird dann auch Wahlhysterie betrieben und schnell mal ein mediales Feuerwerk gegen angebliche Putinagenten in Politik und Medien gezündet. Die Regierungs- und NATO-Kritiker werden zu Staatsfeinden erklärt und mit Terroristen und Kriminellen auf eine Stufe gestellt. (S. 257) Und der Autor zieht das erschütternde Fazit: „Die EU geht auf diesem abschüssigen Weg in Richtung Mittelalter in Sachen Menschenrechte forsch voran.“ (S. 160) Ein Beispiel sind die „Beschuldigungen“ gegen Jacques Baud, den ehemaligen Oberst des Schweizer Militärgeheimdienstes.

Am Schluss des Buches listet Autor Häring im Kapitel „Ausblick und Gegenmaßnahmen“ seine Empfehlungen, was zu tun ist, damit wir wieder zu einer Gesellschaft werden, in der man jede legale Meinung frei äußern kann. Ganz oben an steht für Häring, dass der Wahrheitskomplex wieder rückabgewickelt wird. Dazu gehört, dass „die Bestrebungen der EU und der nationalen Regierungen, die Meinungsfreiheit in Europa zu beseitigen, ans Licht und in die öffentliche Diskussion kommen, wo sie hingehören.“ Und dann lautet die Schlussfolgerung: „Nur so kann sich effektiver Widerstand überhaupt erst formen.“ (S. 274/75).

Autor Norbert Häring

Autor Norbert Häring

Seit Drucklegung des Buches im Februar 2026 hat sich die Abwärtsspirale in Richtung Überwachungsstaat und Beseitigung der Meinungsfreiheit unermüdlich weitergedreht. Jeder politisch Interessierte kann sofort weitere Beispiele nennen: Wie sogenannte Faktenchecker in Wahrheit Fakten verdrehen! Wie diejenigen, die sich noch trauen, öffentlich eine andere Meinung als die politisch genehme zu äußern, von Repressalien und Anklagen betroffen sind und aus ihren Jobs entfernt werden! Wie NGOs Kampagnen gegen Andersdenkende organisieren! Wie Wissenschaftler, Künstler und Publizisten gecancelt werden, weil ihre Arbeiten nicht in das Wahrheitsschema der Regierenden und der mit ihnen verbundenen Aktivisten passen! Wer die neuesten Entwicklungen im „Wahrheitskomplex“ zeitnah verfolgen möchte, für den hat Norbert Häring auf seiner Website https://norberthaering.de/wahrheitskomplex/ viel Wissenswertes publiziert. Hier sind auch Zusatzinformationen zu den Organisationen des „Global Disinformation Index“ zu finden und es werden die Geldgeber des Zensurnetzwerkes benannt. Wegen der Vielzahl an Quellenhinweisen sind auch die ausführlichen Quellen zu diesem Buch auf die Website ausgelagert.

Das Buch von Norbert Häring ist ein Augenöffner, wie weit die politische Intoleranz und Kriegstreiberei in der westlichen Welt schon gediehen sind und wie viele willfährige Erfüllungsgehilfen rekrutiert und alimentiert wurden und werden. Gleichzeitig ist es ein Leitfaden, sich nicht vom Propagandakrieg der Herrschenden manipulieren zu lassen und sich der Abwärtsspirale der Auflösung der Demokratie entgegenzustemmen. Es sind ihm viele Leser zu wünschen.


 

Norbert Häring

Der Wahrheitskomplex: Wie NGOs im Staatsauftrag unerwünschte Meinungen bekämpfen

Westend Verlag, 304 Seiten (+ 54 Seiten Quellen und Anmerkungen)

Erschienen am 4.Mai 2026                                                                                 

 

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