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Glanz und Harmonie

  • Ronald Keusch
  • vor 2 Tagen
  • 5 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 16 Stunden

Ausstellung zu Paul Signac und dem Neoimpressionismus im Museum Barberini in Potsdam eröffnet



Ausstellung "Symphonie der Farben. Paul Signac und der Neoimpressionismus" im Museum Barberini in Potsdam

Das Museum Barberini in Potsdam präsentiert mit der am 4. Juli neu eröffneten Ausstellung für seine Besucher eine perfekte Sommerzeit-Stimmung. Unter dem Titel „Symphonie der Farben. Paul Signac und der Neoimpressionismus“ werden knapp einhundert Bilder voller Leuchtkraft und Harmonie gezeigt - für die Freunde der Malerei des Impressionismus von Manet bis Monet ein Festtag. Sie können sich begeistern an Farbkompositionen, wunderschönen verträumten Landschaftsmotiven, Küstenbildern mit Segelbooten und originellen Porträts und Alltags-Szenen. Doch die Ausstellung kann viel mehr spannende Geschichten über die Strömung des Neoimpressionismus Ende des 19. Jahrhunderts erzählen, die sich für den aufmerksamen Betrachter auch in den Gemälden widerspiegelt. Dabei wird auch die zentrale Rolle des Künstlers Paul Signac gezeigt, sein Einfluss auf diese Kunstrichtung und andere europäische Maler seiner Zeit.

Ortrud Westheider, Direktorin des Museum Barberini © Ronald Keusch

Ortrud Westheider, Direktorin des Museum Barberini

Zunächst macht Direktorin Ortrud Westheider in der Eröffnungspressekonferenz darauf aufmerksam, dass diese Ausstellung ganz folgerichtig im Museum Barberini stattfindet. Denn dieses Spitzenmuseum für Malerei der Impressionisten in Deutschland hält in der Sammlung des Mäzens Hasso Plattner auch einen der größten Bestände an Werken des Neoimpressionismus. Direktorin Westheider erinnert auch daran, dass „Symphonie der Farben. Paul Signac und der Neoimpressionismus“ bereits das dritte Ausstellungprojekt zu dieser Kunstrichtung ist. Bereits im Jahr 2018 wurde die Ausstellung „Farbe und Licht. Der Neoimpressionist Henri-Edmond Cross“ und im Jahr 2025 die Ausstellung „Mit offenem Blick. Der Impressionist Pissarro“ gezeigt.


Paul Signac: Segel und Pinien, 1896, Öl auf Leinwand, Privatsammlung

Paul Signac: Segel und Pinien, 1896, Öl auf Leinwand, Privatsammlung

Die neue Ausstellung umfasst knapp 100 Werke, von denen mehr als ein Drittel von Paul Signac stammen. Neben berühmten Namen wie Georges Seurat und Camille Pissarro sind auch in Deutschland weniger bekannte Maler aus Belgien, den Niederlanden und Frankreich vertreten. Dementsprechend konnte eine Reihe von renommierten internationalen Leihgebern für das Projekt gewonnen werden, darunter das Van Gogh Museum Amsterdam, The Art Institute of Chicago und das Musée d‘Orsay Paris.

„Die Verbindung von wissenschaftlicher Präzision und sinnlicher Farbwirkung macht den Neoimpressionismus bis heute einzigartig“, so lautet ein Fazit der Direktorin des Museum Barberini Ortrud Westheider. Gerade in jüngster Zeit haben viel besuchte Ausstellungen der National Gallery London und der Courtauld Gallery in London die ungebrochene Faszination für dieser Kunst gezeigt. „Auch in Potsdam lässt sich nun entdecken, wie aus einzelnen Farbpunkten Bilder von außergewöhnlicher Leuchtkraft entstehen. Ihr Zusammenspiel von Farben und Formen erzeugt eine fast musikalische Harmonie.“


Nerina Santorius, Kuratorin des Museum Barberini Impressionen von der Ausstellung  © Ronald Keusch


Die Sammlungsleiterin des Museums Barberini und Kuratorin dieser Ausstellung, Nerina Santorius, würdigt Paul Signac, der den von Georges Seurat initiierten Malstil nach dessen frühem Tod im Jahr 1891 nicht nur schlechthin weiterführte, sondern über Jahrzehnte zum Vordenker und Vermittler dieses Malstils wurde. So breitete sich der Neoimpressionismus in einer Bewegung von Frankreich nach Belgien, Deutschland und in die Niederlande aus. „Signac suchte nach ästhetischer Harmonie, die er als Spiegel gesellschaftlicher Eintracht verstand. Wissenschaftliche Erkenntnisse der Optik und der Farbtheorie flossen ebenso in sein Werk ein wie anarchistische Überzeugungen und ein ausgeprägtes Interesse an Musik.“ So verwundert es auch nicht, dass Signac seine Bilder häufig mit Opus-Angaben versah.


Paul Signac: Der Hafen bei Sonnenuntergang, Opus 236 (Saint-Tropez), 1892, Sammlung Hasso Plattner, Museum Barberini Potsdam

Paul Signac: Der Hafen bei Sonnenuntergang, Opus 236 (Saint-Tropez), 1892, Sammlung Hasso Plattner, Museum Barberini Potsdam

Georges Seurat: Die Seine bei Courbevoie, 1885,

Öl auf Leinwand, Privatsammlung

Georges Seurat: Die Seine bei Courbevoie, 1885, Öl auf Leinwand, Privatsammlung

Die Ausstellung des Neoimpressionismus wird in sechs Kapiteln auf zwei Etagen des Museums gezeigt. Gleich im ersten Raum „Von der Impression zur Wissenschaft. Der Beginn des Neoimpressionismus“ werden die Anfänge des Neoimpressionismus Mitte der 1880er Jahre gezeigt. Maler wie Seurat, Signac und Pissarro wandten sich in dieser Zeit von den intuitiven, spontanen Pinselstrichen des Impressionismus ab und experimentierten mit neuen Techniken. Sie machten die Farbe zu einem Mittel der Form und setzten in ihren Gemälden sorgfältig nebeneinander angeordnete Punkte in reiner Farbe. Diese erzeugen dann im Zusammenspiel im Auge des Betrachters mehr Leuchtkraft, als wenn die Farben auf der Palette vorgemischt würden. Bei der letzten Impressionisten-Ausstellung 1886 in Paris präsentierten Seurat, Signac und Pissarro erstmals Gemälde in der neuen Punkttechnik.


Links: Paul Signac: Sonntag, 1888-1890, Öl auf Leinwand, Privatsammlung

Rechts: Jeanne Selmersheim-Desgrange: Porträt von Colette, um 1907, Öl auf Leinwand, Sammlung CFC  © Estate Jeanne Selmersheim-Desgrange, Photo: Aurélien Mole

Das Kapitel „Charakter oder Dekor. Das neoimpressionistische Porträt“ widmet sich Figurenbildern und Portraits. Paul Signac stilisierte in seinen Bildern Kleidung und Umgebung, um eine harmonische und dekorative Bildwirkung zu erzielen. Théo van Rysselberghe ist hier mit mehreren Werken vertreten, in denen er die neue Technik mit der Detailtreue der flämischen Malereitradition verbindet.


Théo van Rysselberghe: Paul Signac am Steuer der Olympia, 1896, Öl auf Leinwand, Archives Signac

Théo van Rysselberghe: Paul Signac am Steuer der Olympia, 1896, Öl auf Leinwand, Archives Signac

Ein anderes Kapitel ist mit „Gesellschaftliche Ideale. Die Neoimpressionisten und der Anarchismus“ überschrieben. Hier kommen auch anarchistische Überzeugungen und utopische Gesellschaftsentwürfe zum Ausdruck, die teils unterschwellig, teil explizit in den Bildern thematisiert werden. Beeindruckend die Studie von Paul Signac „Der Abbrucharbeiter“ aus dem Jahr 1899. Darauf trägt ein Arbeiter mit einer Spitzhacke ein Gebäude ab, was die anarchistische Idee symbolisiert, die Gesellschaft zu stürzen und an ihre Stelle eine ideale Zukunft zu errichten.


Paul Signac: Saint-Tropez, Sonnenuntergang im Kiefernwald, 1896, Öl auf Leinwand, L’Annonciade, musée d’art moderne de Saint-Tropez  © Luisa Ricciarini / Bridgeman Images

Paul Signac: Saint-Tropez, Sonnenuntergang im Kiefernwald, 1896, Öl auf Leinwand, L’Annonciade, musée d’art moderne de Saint-Tropez  © Luisa Ricciarini / Bridgeman Images

Im Ausstellungs-Kapitel „Im Licht des Südens. Mediterrane Landschaften als anarchistische Utopie“ erwarten den Besucher Landschaften des Mittelmeeres, die als Projektionsräume von Utopien genutzt werden. Die neoimpressionistischen Künstler zeigen die Côte d‘Azur als paradiesischen Gegenentwurf zum industrialisierten Paris. Die südliche Sonne, so das Urteil der Fachwelt, eröffnete den Künstlern einen neuen Umgang mit dem Kolorit. Durch das Nebeneinandersetzen von Punkten in leuchtenden, komplementären Tönen erzeugen sie den Effekt farbigen Lichts.


Maximilien Luce: Der Hafen von Saint-Tropez, 1893, Öl auf Leinwand,

Privatsammlung  © Fotoatelier Peter Schälchli, Zürich

Maximilien Luce: Der Hafen von Saint-Tropez, 1893, Öl auf Leinwand, Privatsammlung  © Fotoatelier Peter Schälchli, Zürich

Das Sommer-Feeling ist noch bis zum 11. Oktober in Potsdam zu bewundern. Das rührige Team vom Museum Barberini erweitert diese Sommerausstellung mit einer ganzen Reihe von hochinteressanten Veranstaltungen. Dazu zählt ein Gesprächskonzert mit dem Titel „KlangFarben - Saitenspiel“. Dabei wird Paul Signacs leuchtende Malerei in einen Dialog mit der Klangwelt der klassischen Musikinstrumente Flöte, Viola und Harfe gebracht (10. Juli). Weiter wird ein Barberini Kinderfest im Innenhof des Museums veranstaltet, ein Familientag mit kostenlosem Programm und Live-Musik (23. August). Im Nikolaisaal Potsdam wird ein Konzert „Leuchtende Klänge“ stattfinden, das Synergien der Gemälde von Paul Signac mit der Musik von Maurice Ravel und Claude Debussy findet (5. September).

Impressionen von der Ausstellung © Ronald Keusch

Impressionen von der Ausstellung

Zu einem besonderen Sommer-Hit wird der Innenhof des Museums in ein Open-Air-Kino verwandelt. An drei Abenden (6./ 13./ 20. August) werden französische Filmklassiker gezeigt, darunter von Jacques Tati „Die Ferien des Monsieur Hulot“ aus dem Jahr 1953. Dazu werden auch Gespräche mit Filmexperten wie Knut Elstermann und Regisseuren wie Volker Schlöndorf stattfinden. Diese Filmvorführung unter freien Himmel auf Liegestühlen vermittelt Sommerabendstimmung und ist wie die anderen Barberini-Veranstaltungen eine gelungene Ergänzung der neoimpressionistischen Symphonie der Farben von den Malern um Paul Signac.

Die "Symphonie der Farben" wird dann vom 24. Oktober 2026 bis zum 28. Februar 2027 in der Kunsthal Rotterdam zu sehen sein, dem Kooperationspartner des Museums Barberini für diese Ausstellung.

 

 

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