The Future is Now
- Ronald Keusch
- vor 11 Stunden
- 7 Min. Lesezeit
Die IFA 2026 ist traditionell unter dem Funkturm in Berlin zu Gast
Eingang Messe Süd zur IFA 2026

Vor zwei Jahren feierte die IFA bereits ihr hundertjähriges Gründungsjubiläum und auch in diesem Jahr wirkt die mittlerweile weltgrößte Messe für Unterhaltungselektronik und Haushaltsgeräte überhaupt nicht altersmüde, sondern überraschend jung und modern. Hier in Berlin trifft sich mit 1.900 Ausstellern aus 49 Ländern die internationale Branche, um ihre Neuheiten und Trends zu präsentieren und Geschäfte abzuschließen.
„Auf der IFA präsentieren wir Zukunftsszenarien, die das Potenzial haben, unseren Alltag in den kommenden Jahrzehnten zu verändern. … Für uns ist die IFA weit mehr als nur eine Messe. Sie ist die maßgebliche globale Plattform für Innovationen für die Gesellschaft und die Menschen“, so sagt Carine Chardon, Managing Direktor der GFU Consumer &Home Electronics GmbH und Mitveranstalter der IFA. Und sie betont den besonderen Schwerpunkt der diesjährigen Messe: „Künstliche Intelligenz lässt sich zunehmend nahtlos in unseren Alltag integrieren, hocheffiziente Smart-Home-Systeme entlasten Haushalte spürbar, und moderne, zukunftsweisende Technologien erweitern kontinuierlich das Spektrum dessen, was technisch möglich und gesellschaftlich sinnvoll ist.“
Der Star sind Produkte mit KI
Wie in jedem Jahr fungiert die IFA auch 2026 als wichtige Business-to-Business Plattform. Business Meetings und Geschäftsabschlüsse werden getätigt. Hersteller, Zulieferer, Einkäufer, und Investoren geben sich hier die Klinke in die Hand. Branchenführer wie Samsung, Sony, Bosch, Siemens, LG, Panasonic, DJI, Fitbit, Insta360 und viele mehr sind präsent und ziehen Fachbesucher wie auch Tagesgäste – die potentiellen Endverbraucher – an.
Allerdings wird sicher der Laie und sogar so mancher Fachmann überrascht sein, wie enorm hoch die Zahl neuer Entwicklungen ist, die die Aussteller in Mehrheit aus Asien und aus Deutschland, hier präsentieren. Überrascht nicht zuletzt auch deshalb, weil vieles davon bereits eine hohe Marktreife besitzt und einen sehr praktischen handhabbaren Nutzen für den Verbraucher verspricht, davon sehr vieles durch den Einsatz von KI.
Robin Wieske, IMC Manager PLAUD, bei der Vorstellung von Plaud One PLAUD-Stand auf der IFA 2026
Für echte Arbeit gemacht
Ein gutes Beispiel für diesen praktischen Nutzen ist das neu entwickelte KI-Notizgerät des US-Unternehmens mit Sitz in San Francisco PLAUD, dem Weltmarktführer für Notiz- und Diktiergeräte. Robin Wieske, IMC Manager Germany, präsentiert diesen KI-Gesprächsassistenten am Vortrag der IFA-Eröffnung auf dem ShowStopper Event und dann während der IFA in Halle 25. „Plaud One ist ein großartiges Produkt, weil wir damit eine neue Arbeitsweise ermöglichen. Wir präsentieren nicht nur ein Gerät, was Gespräche aufnimmt und daraus mit KI auch Notizen macht, sondern der Nutzer kann sich mit dem Gerät über diese Notizen unterhalten“. Robin Wieske kann noch weitere Vorzüge nennen. „Das Gerät antwortet dem Nutzer, wenn er Fragen stellt und besitzt gleichzeitig eine permanente Internetverbindung, wo es recherchieren kann, ohne dass der Nutzer auf einen Bildschirm schauen muss, das System spricht einfach auf die Kopfhörer des Nutzers.“ Im Gegensatz zu Vorgänger-Modellen von PLAUD könne der Nutzer den KI-Agenten mit seiner Stimme steuern und müsse nicht mehr alles händisch am PC eintippen.
Zur Zielgruppe, die solch ein Gerät nutzt, gehören solche Berufsgruppen wie Journalisten, Anwälte, Berater und Angestellte im Banking-Bereich und im Vertrieb. „Jeder erfolgreicher Vertriebsmitarbeiter wird künftig so ein Gerät nutzen“, ist sich Wieske sicher. „Die Technologie ist jetzt da, um zu bleiben.“ Das Unternehmen PLAUD ist in 170 Ländern aktiv und hat dort seine Kunden und in Berlin werden sicher einige dazu kommen.
Bei der Produktpremiere am Stand der Firma MOVA
Zukunft des intelligenten Wohnens mit KI
Richtig hautnah für den Konsumenten geht es bei dem Weltkonzern MOVA auf der IFA zur Sache, wenn unter dem Leitmotiv „The AI MOVAment“ 22 weltweite Produktpremieren und 15 neue Technologien präsentiert werden. Da wird die ganze Bandbreite rund um Wohnung und Garten bedient, von Lösungen für Outdoor-Pflege, Haushaltsreinigung, Küche, Haustierbedarf bis zu sogenannten Embodied AI, der Verkörperten Künstlichen Intelligenz. Darunter sind intelligente Systeme zu verstehen, bei denen Kameras und Sensoren Daten aus der echten Umgebung sammeln, die KI in Echtzeit denkt, plant und entscheidet, und dann Motoren und Greifer – die sogenannten Aktoren – diese Entscheidung im Raum umsetzen. Hier agiert also die KI nicht im Computer oder im Internet, sondern sie erkennt die Umgebung, bewertet die Situationen und übernimmt in der realen Welt Aufgaben.
Eines von vielen Beispielen ist der Saugroboter TactiPercept™, der die visuelle Navigation von Saugrobotern um taktile Wahrnehmung ergänzt. Insgesamt 128 (!) Drucksensoren, eine flexible Dämpfungsstruktur und Echtzeit-Feedback erfassen Berührungen mit Möbeln, Wänden und anderen Hindernissen. Der Roboter hat einen Tastsinn erhalten und kann seine Bewegung und Reinigungsstrategie daraufhin unmittelbar anpassen. Der festsitzende Schmutz hat damit keine Zukunft.
Auch für die bisherige Generation der Rasenmäher stehen schon die Nachfolger in den Startlöchern. Als weltweit führende Marke nach Absatzvolumen bei LiDAR-Mährobotern präsentiert MOVA zwei neue UltraTrim Technologien für die präzise Rasenkante. Eine separate Schneidscheibe ermöglicht das Mähen entlang von Mauern, Zäunen und Hecken mit null Zentimeter Kantenabstand. Diese neue Generation des Mähens ist geprägt durch KI-gestützte Wahrnehmung, präzise Steuerung und ist geländegängig auf jedem Terrain.
Marcus Soo, CEO von actxa, präsentiert seine Produkte

Smarte Ringe und Armbänder
Doch KI erobert nicht nur den Arbeits- und Wohn-Alltag, sondern findet zunehmend auch auf dem breiten Gebiet der Gesundheit seine Anwendungen. Ganz neu auf der IFA sind Smarte Ringe und Armbänder von der Firma actxa®. Actxa ist ein 2015 gegründetes Tech-Unternehmen aus Singapur, das sich auf präventive Gesundheitstechnologien und KI spezialisiert hat. Bekanntheit erlangte Actxa vor allem als Partner der Regierung von Singapur, für die das Unternehmen Millionen von Fitness-Trackern für nationale Gesundheitskampagnen bereitstellte. Marcus Soo, CEO von actxa, erklärt dazu: „Das besondere an unseren Produkten ist, dass wir den Blutzucker-Status überwachen und das während der verschiedensten täglichen Aktivitäten, wie Bewegung, Sport aber auch der Erholung im Schlaf. Die kleinen Geräte messen dazu nicht-invasiv den Blutzuckerspiegel und analysieren ihn zusammen mit anderen Parametern wie Herzfrequenz, Hauttemperatur oder Sauerstoffgehalt des Blutes.“ Und er betont weiter: „Die kleinen tragbaren Geräte gehören zur Kategorie Wellness - sie sind keine Medizinprodukte, aber sie bieten Ihnen eine ausreichend gute Lösung, um zu erfahren, wie hoch Ihr Blutzuckerwert gerade ist, so dass Sie auf eine bessere Gesundheit hinarbeiten können.“ Das brandneue Armband kann ab dem 24. September als Pre-Order über den Shop von actxa (shop.actxa.com) online bestellt werden.
Präsentation des AlpWalk

Für den grenzenlosen Spaziergang
AlpWalk S1, so nennt sich die KI, „die sich mit dir bewegt“. AlpWalk ist ein so genanntes hüftunterstützendes Exoskelett, das an Hüfte und Oberschenkel angelegt wird. Es erkennt die Bewegungen des Trägers und unterstützt ihn dann in Echtzeit, ob beim Treppensteigen, Wandern oder Laufen. Dabei passt es sich an Tempo, Gangart und Schrittlänge an. In erster Linie wurde das Gerät für den aktiven Senior entwickelt und soll ihn im Alltag und in der Rehabilitation unterstützen. Es wirkt dem alltäglichen Kraftverlust in den Beinen entgegen, der mit dem Alter einhergeht und hilft Senioren, längere Strecken zu Fuß zurückzulegen, Treppen zu steigen und sich aktiv im Freien zu bewegen. Im Unterschied zum Rollator wird die Bewegung aktiv unterstützt, die Motoren von AlpWalk liefern ein echtes Drehmoment, anstatt nur Stütze zu sein und die Hände bleiben frei.
Raye Gao, Overseas Brand Manager von AlpWalk Der Autor beim Ausprobieren des AlpWalk-Geräts
Managerin Raye Gao, Overseas Brand Manager des Unternehmens Alpwalk Technology in Hangzhou in China: „Ab September wird unser AlpWalk S1 in Europa auf dem Markt kommen und kann bestellt werden. Es könnte vergleichbar mit dem e-Bike eine weite Verbreitung finden.“ Wie viele neugierige Besucher hat auch der Autor dieses Beitrages sich den AlpWalk S1 anlegen lassen und auf einer kleinen Treppe ausprobiert.
Die Firma Beurer - von Heizdecken bis zu Zahnbürsten
healthy. life. style - ein Markenclaim aus Deutschland
Es gibt auf der IFA 2026 auch Aussteller, die mit ihren Produkten das große Thema Gesundheit mit dem Thema Wohlbefinden zusammenführen. Dazu gehört die Firma Beurer aus Deutschland mit Sitz in Ulm. Das Familienunternehmen wurde bereits 1919 gegründet, wird in vierter Generation geführt und alles begann mit innovativer Heiztechnologie - den Heizdecken. Zu den Produktgruppen heute gehören Blutdruck- und Blutzuckermessgeräte, Fieberthermometer, Pulsoximeter, Inhalatoren, TENS- und EMS-Geräte zur Schmerztherapie, Heizkissen, Heizdecken, Zahnbürsten sowie Waagen. Zu den Highlights gehören die Luftreiniger, nicht nur für kleine Räume. Mit den Geräten wird die Luft gefiltert und gereinigt und sie können helfen, Allergene, Staub und verschiedene Viren und Bakterien zu entfernen. Eine Wohltat für Allergiker.
Da sind bei Beurer weiter im Angebot elektrische Kinderzahnbürsten, die den Kleinen gute Laune und Spaß beim Putzen bringen sollen und ein bekannter, weiterentwickelter Insektenstichheiler, dessen Vorgänger schon 4,6 Millionen Mal verkauft wurden. Und die Heizdecke früherer Entwicklung wurde mit neuen Materialien, stilvollem Design und sechs Temperaturstufen weiter vervollkommnet. Eine spezielle Lösung ist das kabellose Heizkissen für Schulter und Nacken mit leistungsstarkem Akku - im Zeichen von „healthy. life. style“.
Unitree-Roboter beim Boxkampf AgiBot-Roboter begrüßt Besucher Auch ein Roboter braucht mal eine Pause
Wenn Roboter Fußball spielen und mehr
Zweifellos ein Anziehungspunkt der IFA ist Zusammentreffen von unterschiedlichen Robotergruppen. Die IFA hat ihren Innovationsbereich mit etwa 300 Ausstellern zur bislang größten Bühne für humanoide Roboter gemacht und zeigt praktische Einsätze in Alltag, Arbeit und Industrie.
Roboter von Booster beim Fussballspiel Roboter im Messi-Trikot beim Torschuss
Roboter von TermiTech spielt Klavier

Natürlich darf auf einer Messe wie der IFA auch die Show nicht zu kurz kommen: Da spielen Roboter von Booster Robotics Fußball und einer ist ein Elfmeterschütze, da liefern sich mehrere Roboter von Unitree einen Boxkampf, dem AgiBot kann man die Hand geben. Bei TermiTech sitzt ein Roboter am Klavier und spielt mit geübter Roboterhand ein Musikstück.
Das Unternehmen OlloBot hat für daheim mit dem neuen OlloNi SS1 ein Cyber-Haustier kreiert, das viel mehr als nur ein Technik-Spielzeug sein will. Es reagiert sowohl auf Berührungen wie auch auf Sprache. „Nice to meet you“ steht gut lesbar als Antwort auf einem kleinen Display. Aber das ist noch nicht alles. Die in dem Robo-Pet eingebaute KI erinnert sich, so der Hersteller, an Stimmungen, Gewohnheiten und sogar den Tonfall des Ansprechenden. Während viele humanoide Roboter z.B. als Assistenten im Haushalt fest definierte Aufgaben zu erledigen haben, soll der OlloNi sogar langfristige emotionale Bindungen entwickeln. Es geht hier also nicht nur darum, was der Roboter leisten, sondern welche Beziehungen er zu seinem Besitzer aufbauen kann. Für den Menschen vielleicht eine spannende Zukunft mit seinem Roboter-Freund.
Der OlloNi von der Firma OlloBot - das moderne Haustier mit emotionaler Bindung
Fernsehen mit der Tapete
Wer bei seinem heutigen IFA-Messebesuch nach den traditionellen Exponaten früherer Funkausstellungen rund um die Rundfunk- und Fernsehtechnik sucht, der wird nach längerem Suchen durchaus auch etwas aufspüren. Dazu zählt im Home Entertainment der superflache Wallpaper Fernseher ohne Kabelverbindungen vom Marktführer für OLED Fernseher, dem südkoreanischen Unternehmen LG Electronics.
Wallpaper TV von LG Electronics © LG Electronics

Er wird ausgestellt unter der Überschrift: „Fernsehen mit der Tapete“. Der Fernseher LG OLED evo W6 Wallpaper TV hat eine Gehäusetiefe von lediglich 9,9 Millimetern (!) und wird nahezu bündig an der Wand montiert. Bildsignale gelangen über die kabellose Zero-Connect-Box zum Fernseher, wodurch die Kabel zum Fernseher praktisch verschwinden. Das macht den W6 zu einem der innovativsten Fernseher und zu einem Highlight der IFA. Allerdings kann mit dieser High-Tech Lösung nicht die Hoffnung verbunden werden, dass das ausgestrahlte Fernsehprogramm mit seinem Fernseh-Journalismus ebenfalls ein höheres Niveau erreicht. Dafür müssen die Zahler der Zwangsgebühren für die öffentlich-rechtlichen Sender und das Publikum der so genannten privaten Sender schon selber sorgen.
Veröffentlichungen über die IFA 2025 und 2024
Fotos: Ronald Keusch (19), LG Electronics (1)




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